Ein kleines Schmuckstück in Zarten: die Johanneskapelle

Die kleinste Orgel im Dreisamtal

Normalerweise sucht eine Kirchengemeinde, die eine neue Orgel anschaffen will, den Kontakt zu einschlägigen Orgelbaufirmen. In Zarten lief alles ganz anders. Dort fanden Orgel und Kirche via Zeitungsannonce zusammen.

KIRCHZARTEN. Normalerweise sucht eine Kirchengemeinde, die eine neue Orgel anschaffen will, den Kontakt zu einschlägigen Orgelbaufirmen. Man begutachtet die Räume, testet die Akustik, wirft einen nachdenklichen Blick in die Kasse und holt alsdann Angebote ein. In Zarten lief alles ganz anders. Dort fanden Orgel und die St. Johanneskapelle via Zeitungsannonce zusammen. Die Verbindung erwies sich als ausgesprochen glücklich.

Das verflixte siebte Jahr haben beide gut überstanden. Seit 2008 erklingt in der ältesten Kirche des Zartener Beckens die kleinste Orgel des Dreisamtals. Als die St. Johanneskapelle 1984 renoviert wurde, förderte man gleich mehrere Überraschungen zutage. So zeugt beispielsweise das freigelegte romanische Fenster von einer bis ins 11. Jahrhundert zurückreichende Entstehungsgeschichte. Erst vor zehn Jahren entdeckte man im Dachgeschoss wertvolle Trockenmalereien (Sekkomalerei), die nicht nur über 500 Jahre alt sind, sondern auch sehr empfindlich. Aber auch sonst ist die St. Johanneskapelle in Zarten ein wertvolles Schmuckstück mit einem Altar in schönster barocker Pracht und einer kunstvoll bemalten Holzkassettendecke im Kirchenschiff. An der Außenfassade zeigt neben einer Sonnenuhr das Wappen Vorderösterreichs, wer viele Jahrhunderte im Dreisamtal das Sagen hatte. Umgeben war das Kirchlein von einem sorgsam gepflegten Kräutergarten, der fast an einem Klostergarten erinnerte. Noch heute wird die Kapelle rege genutzt. Zum Beispiel finden in der Adventszeit Rorate Messen hier statt. Beliebt ist sie das ganze Jahr über für Hochzeiten.

Angefangen hat alles mit einer Anzeige in der Badischen Zeitung "Orgel zu verschenken". Franz Asal, Vorsitzender des kirchlichen Fördervereins St. Johanneskapelle Zarten, alarmierte daraufhin den erzbischöflichen Orgelinspektor und Bezirkskantor Johannes Götz und bat ihn, zunächst die Seriosität des Angebots und anschließend die Qualität der Orgel zu überprüfen. Er kontaktierte den Spender Gerhard Schillinger, der in der Schweiz lebte und die Orgel für sein Privathaus hatte bauen lassen. Sie war zwar für den Hausgebrauch konzipiert, doch für eine kleine Kapelle wie in Stegen durchaus geeignet. Also stimmten beide dem Orgeltransfer zu.

Den Einbau in die St. Johanneskapelle übernahm die Schweizer Orgelbaufirma Mathis. Ihr ist es zu verdanken, dass die Orgel so gut an die Gegebenheiten vor Ort angepasst wurde und heute so überzeugend klingt. Nur drei Register hat sie und 168 Pfeifen aus Holz und Metall. Das schlichte Gehäuse ist aus Eiche und im Stil der italienischen Renaissance gehalten. Es erinnert ein wenig an einen großen Schrank und markiert einen deutlichen Kontrast zu dem üppigen Barockaltar. Da die Register sehr gut auf den Kapellenraum abgestimmt sind und die Kleinorgel ausgeglichen intoniert, ist sie perfekt für die Begleitung des Gemeindegesangs in der 60 Sitzplätze umfassenden Kirche geeignet. Eine ganz besondere Atmosphäre jedoch schafft sie als Continuo-Instrument bei kleinen Kammermusikkonzerten. Das alles macht die kleinste Orgel im Dreisamtal zu einem Glücksfall für Zarten.
von Barbara Riess
am Do, 18. Dezember 2014 um 09:57 Uhr

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