Die OB-Wahl mobilisiert die Bürger

Zum Abschluss des Wahlkampfes wechseln nochmals Plakate / Am Sonntag siegt, wer über die 50-Prozent-Hürde kommt.

RHEINFELDEN. Die Anspielung auf die Plakataktion von Klaus Eberhardt, die Emotionen ausgelöst hat und eine Diskussion über den Wahlkampfstil, ist nicht zu übersehen. Seit Mittwoch kommt Cornelia Rösner mit frischem Posterauftritt daher, mit dem sie verkündet: Kompetent, korrekt, fair, was als Slogan kaum als Aufreger taugt. Wenn am Sonntag über 24 300 Wahlberechtigte aufgerufen sind, einen neuen Oberbürgermeister zu wählen, werden sie sich weniger von Sprüchen leiten lassen, als von Überzeugungen. Der starke Besuch der öffentlichen Veranstaltungen mit den Kandidaten lässt auf großes Interesse der Bürger schließen.

Drei Bewerber sind ins Rennen gegangen, um am 1. Juli die Nachfolge nach 24 Jahren Eberhard Niethammer als Oberbürgermeister anzutreten. Der Losentscheid hat ihre Reihenfolge auf dem Stimmzettel bestimmt: Klaus Springer (56) , Cornelia Rösner (56), Klaus Eberhardt (55). Dass die Entscheidung mit einer absoluten Mehrheit für einen Kandidaten im ersten Wahlgang gleich am Sonntag fällt, erhoffen sich die Bewerber, aber auch alle, die als Unterstützer oder Helfer mit der OB-Wahl zu tun haben. Nimmt keiner der Kandidaten am Sonntag die 50 Prozent-Hürde, kommt es zu einer erneuten Wahl in zwei Wochen am 6. Mai, bei der dann die einfache Stimmenmehrheit zum Wahlsieg reicht. Bei drei Bewerbern gilt es erfahrungsgemäß nicht als ungewöhnlich, dass der Wahlkampf in die Verlängerung geht.

In den Wahlkampfwochen seit dem Bewerbungsschluss Ende März haben die Kandidaten fast pausenlos öffentliche Diskussionen bestritten, auf Podien Rede und Antwort gestanden und die Konkurrenten Eberhardt und Rösner jeweils weit über hundert Veranstaltungen bewältigt. Die Wahlkampftour steckt ihnen mittlerweile sichtbar in den Knochen.

Erst recht, seitdem ein direkter Schlagabtausch zwischen Cornelia Rösner (parteilos) und Klaus Eberhardt (SPD), die sich beide in der Favoritenrolle behaupten und die Wahl für sich entscheiden wollen, die Stimmung in den vergangenen Tagen kräftig aufgeladen hat, nicht zuletzt in den Reihen ihrer Unterstützer. Der Konflikt zwischen dem Anspruch auf Transparenz im OB-Amt, den Klaus Eberhardt erhebt und der Empörung bei Cornelia Rösner, die ihre Person unzulässig dadurch in Frage gestellt sieht, steht weiter im Raum.

Angesichts dieser Entwicklung ist beinahe in den Hintergrund getreten, dass sich die Kandidaten in einem Punkt einer Meinung zeigen: Rheinfelden soll sich gut weiter entwickeln, lautet der gemeinsame Nenner. Dafür nehmen die parteilose Leiterin des Amts für Familie, Jugend, Senioren und Soziales, Cornelia Rösner auf der einen Seite und der Weiler Bürgermeister Klaus Eberhardt (SPD) auf der anderen Seite ein klares Führungskonzept in Anspruch, während Klaus Springer als einziger Nichtverwaltungsfachmann vor allem mit unkonventionellen Vorschlägen beim Wähler punkten möchte.

Als einzige große politische Gruppierung haben die Freien Wähler darauf verzichtet, in der Kandidatenfrage eine Wahlempfehlung auszusprechen, nachdem Präferenzen sowohl für Eberhardt wie Rösner bestehen und die Meinung vorherrscht, dass es um eine Persönlichkeitswahl geht. Die Mitglieder dürfen je nach Überzeugung agieren.

Die Mitglieder im CDU-Stadtverband haben mit einer Positionierung lange gewartet, nachdem es der Union nicht gelungen ist, mit einem eigenen Kandidaten aufzuwarten, der das gewünschte Profil jung und von auswärts besitzt. Mehrheitlich wurde erst Anfang des Monats beschlossen, sich für Cornelia Rösner auszusprechen. Der Ortsverband der Grünen wiederum unterstützt den SPD-Mann Klaus Eberhardt.
von Ingrid Böhm-Jacob
am Do, 19. April 2012

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