Wallfahrtskapelle am Giersberg

Die perfekte Orgel zur Liedbegleitung

BZ-WEIHNACHTSSERIE: In der Wallfahrtskapelle am Giersberg kommt eine treue Gottesdienstgemeinde zusammen.

KIRCHZARTEN. "Segne du Maria, segne mich dein Kind", tönt es an den Samstagen zwischen Ostern und Allerheiligen oft aus 70 bis 80 Kehlen in der Marien-Wallfahrtskapelle auf dem Giersberg oberhalb Kirchzartens. Für Max Klingele (87), der 70 Jahre lang von 1942 bis 2012 die Orgeln in der Pfarrkirche St. Gallus und der Marien-Kapelle gespielt hat, war es eines seiner Lieblingslieder auf der kleinen Jäger- und Brommer-Pfeifenorgel.

Erst seit 1992 gibt es hier diese komfortable Musikbegleitung. Klingele, der viele Jahre als Kämmerer der Gemeinde Kirchzarten arbeitete, erinnert sich noch an ein altes Harmonium: "Da musste ich während des Spielens mit beiden Füßen Luft pumpen. Manchmal flogen dann Staubwolken durch den Raum." Hans Zölle (63), pensionierter Berufsschullehrer, spielte 1968 erstmals im Konradihaus in Konstanz die Orgel. Das Spielen lehrte ihn der renommierte Orgellehrer Konrad Philipp Schuba. Als er 1984 nach Kirchzarten kam, übernahm Zölle im Wechsel mit anderen die Gottesdienstbegleitung in Kirchzartens Kirche und Kapel le. Jetzt organisiert er den Einsatz der sechs Organisten – mit ihm sind das Roswitha Flossmann, Christine Gromer, Raymund Koslik sowie Esther und Johannes Sieber – und kümmert sich um die technische Wartung der beiden Orgeln in der Pfarrkirche und auf dem Giersberg. Max Klingele stellt zum Organistensein mit der Weisheit seines langen Lebens fest: "Man muss viel Liebe zum Dienst an der Orgel mitbringen sowie gläubig und uneigennützig sein."

Es war der langjährige Kirchzartener Pfarrer Franz Kern, der 1992 in der Marienkapelle die elektronische Orgel, 1975 von Pfarrer Wenger für 5000 D-Mark angeschafft, durch die Pfeifenorgel der Waldkircher Orgelbauer Jäger & Brommer ersetzte. Max Klingele erinnert sich, dass das elektronische Instrument dann in die Johannes-Kapelle nach Zarten kam. Für Hans Zölle ist die Giersberg-Orgel bestens geeignet zur Gottesdienstbegleitung einer kleinen Gemeinde. Sie habe ein Manual, sieben Register, manche teilbar, und einen Tremulanten für besondere Effekte. "Das Messerrückenpedal mit verkürzten Tasten hat keine eigenen Pfeifen", erklärt Zölle, "sondern ist ans Manual angehängt". Aus rund 400 zwischen 15 und 120 Zentimeter großen Holz- und Metallpfeifen erklingt die Musik: "Beispielsweise zwei sehr weiche Flötenstimmen auf Acht-Fuß-Basis für meditative Musik oder zwei Register auf Vier-Fuß-Basis, die der Orgel einen heiteren Klang geben. Zusätzlich gibt es ein volles Werk mit kräftigem, silbrigem, keineswegs schrillem Klang." Den barocken Orgelprospekt zieren zwei Hörner blasende, pausbäckige Engelchen, Kopien von Originalen aus der Bildhauerwerkstatt von Matthias Faller, die auf der Orgelbrüstung in St. Peter sitzen.

"Die Orgel am Giersberg ist ein gutes Begleitinstrument für Querflöten oder Trompeten", meint Hans Zölle. "Für Konzerte mit klassischer Orgelliteratur ist sie weniger geeignet. Frühe Barockmusik ohne Pedale geht vielleicht noch." Dass sie besonders für die zahlreichen Hochzeiten – Gastwirt und Meßmer Hubert Steinhart schätzt bis zu fünfzig alljährlich – Taufen und Festtagsgottesdienste geeignet ist, bestätigt Orgelsenior Max Klingele. Für die Begleitung des Gesangs einer Opernsängerin der Münchner Staatsoper sei er einmal richtig an die Grenzen der Orgel gegangen.

Die kleine Empore in der rund 280 Jahre alten Wallfahrtskapelle ist über eine steile enge Wendeltreppe zu erreichen. "Durch das Fenster hinter der Orgelbank hat man den besten Blick über das Dreisamtal", stellt Franz Kromer, seit 35 Jahren Kirchzartener Gemeinderat und regelmäßiger Besucher der Samstaggottesdienste auf dem Giersberg, fest. Hochfeste hier oben seien unter anderem, weiß Kromer zu berichten, Christi Himmelfahrt mit Prozession, das Patrozinium "Maria Namen" am 8. September und letzthin am 8. Dezember "Maria Empfängnis".
von Gerhard Lück
am Mo, 15. Dezember 2014

Orgel in der Giersberg-Kapelle

»Baujahr: 1992 für Giersberg-Kapelle
»Firma: Jäger & Brommer, Waldkirch
»Anzahl der Register: sieben, plus Tremulant
»Pfeifen: rund 400

Weitere Serienteile gibt es unter http://mehr.bz/orgelserie
 

Autor: glü

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