Die Seelsorge muss jetzt ohne Gotteshäuser auskommen

Die großen Glaubensgemeinschaften haben Erstkommunion und Konfirmation auf den Herbst verschoben / Hilfsangebote für Gebete zuhause.

BAD SÄCKINGEN. Das Coronavirus legt das öffentlichen Leben lahm. Auch die Glaubensgemeinschaften sind davon betroffen. Wie gehen diese damit um? Wir haben uns in Bad Säckingen bei den christlichen Kirchen und der muslimischen Gemeinde umgehört.

Die katholische Seelsorgeeinheit Bad Säckingen-Murg bietet – wie ausführlich berichtet – täglich von 15 bis 18 Uhr in Bad Säckingen und Murg telefonische Seelsorge an. Außerdem werden Gottesdienste in Papierform angeboten, um diese zuhause zu feiern. Die Texte werden freitags in der Kirche ausgelegt, die Ausnahme bilden die Ostergottesdienste, deren Papierformat auch zwei Tage vorher ausgelegt werden. Kerzen für die Osternacht werden zusammen mit der Gottesdienstvorlage in den einzelnen Kirchen bereitgestellt. Berg wörtlich: "Wir orientieren uns an staatlichen Vorgaben und versuchen doch im möglichen Rahmen seelsorgend für die Menschen da zu sein ... und da ist das Telefon gerade für ältere Menschen ein wichtiges Kommunikationsmittel."

Angeboten wird in der Seelsorgeeinheit auch, die Beichte telefonisch abzunehmen. Zur Krankensalbung heißt es: "Das Sakrament der Krankensalbung ist gegebenenfalls nach Absprache mit dem Pflegepersonal, Arzt, Angehörigen möglich". Eine wichtige Entscheidung ist in der Seelsorgeeinheit auch schon länger getroffen worden: Die Erstkommunion wird in diesem Jahr nicht am und um den Weißen Sonntag herum gefeiert, sondern im Oktober.

Pfarrer Armin Strenzl, Seelsorger der alt-katholischen Kirche Hochrhein-Wiesental erklärte, dass die Mitglieder seiner Gemeinde per E-Mail eine Vorlage für "die gottesdienstliche Feier zu Hause" erhalten. Es werden derzeit keine Sakramente gespendet. Und bei Beerdigungen halte man sich an die Vorgabe der Stadtverwaltung, wonach derzeit ausschließlich Sargbestattungen im engsten Familienkreis möglich sind. Die Kirchen seien alle geschlossen.

Pfarrer Winfried Oelschlegel von der evangelischen Gemeinde in Bad Säckingen ist betroffen: "Das Verbot der Gottesdienste trifft uns sehr hart. Wir hätten in kleiner Runde mit allen Vorsichtsmaßnahmen weiter gefeiert. Schlimm wird es an den kommenden Feiertagen. Aber wir müssen die Anordnungen natürlich respektieren." Abendmahlfeiern gebe es schon länger keine mehr, so Oelschlegel. Für Notfälle ist er als Pfarrer immer zu erreichen. Für "private Gebete" wird die Kirche tagsüber geöffnet bleiben. Die Konfirmation wird auf den Herbst verschon. Taufen und Trauungen könnten derzeit nicht stattfinden. Beerdigungen jedoch schon. "Geistliche Nahrung" werde von der Landeskirche über die Medien zur Verfügung gestellt. Und demnächst erscheine der neue Pfarrbrief.

Wie gehen die Muslime mit Corona um? Was abgesagt werden kann, wird abgesagt, sagt Mustafa Ercan. Er ist Vorstandsmitglied der Ditib Türkisch Islamischen Gemeinde Bad Säckingen. Das Freitagsgebet findet nicht statt, alle sind angehalten zu Hause zu bleiben. Zusätzlich wurde die Moschee zweimal desinfiziert. Laut Ercan dürfen sich derzeit maximal vier Personen in der Moschee in Bad Säckingen aufhalten. Die Feier der Hochzeiten und der Beschneidung werden verschoben. Und da die Beschneidung selbst ja im Krankenhaus gemacht werde, werden sie wohl auch von dort verschoben. "Ich weiß nicht, ob sich jemand trauen würde", so Ercan. Er selbst würde seine Kinder in dieser Krisenzeit nicht beschneiden lassen. Auch dies könne man also verschieben. Für Muslime, die hier in Deutschland beerdigt werden, gelten die Bestimmungen, die auch für alle anderen gelten. Viele ältere Gläubige wollten jedoch in der Türkei beerdigt werden. Das gehe jetzt eingeschränkt. Nur vom Frankfurter Flughafen aus könne man noch ausfliegen, um die Angehörigen in der Türkei beisetzen zu lassen.
von Gabriele Rasenberger und Axel Kremp
am Fr, 20. März 2020

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