"Die Stadt soll zur Familiengemeinde werden"

BZ-INTERVIEW: Bürgermeisterkandidat Tobias Link steht im Redaktionsgespräch Rede und Antwort zu Fragen der Kommunalpolitik in Löffingen.

LÖFFINGEN. Was haben die drei Bewerber für das Bürgermeisteramt in Löffingen im Fall ihrer Wahl vor, wo wollen sie ihre Schwerpunkte setzten und was liegt ihnen besonders am Herzen. Diese und viele weitere Fragen zu konkreten Projekten hat unser Redakteur Martin Wunderle im Rahmen eines Redaktionsgesprächs dem Kandidaten Tobias Link gestellt.

BZ: Welche kommunalpolitischen Z eile haben für Sie Vorrang?
Link: Wenn man Löffingen anschaut, stellt man fest, dass in den vergangenen sechs Jahren ein Bevölkerungsrückgang von 400 Einwohnern zu beklagen ist. Oberstes Ziel der Kommunalpolitik muss es sein, diesen Trend zu stoppen. Mein größtes Ziel ist es, Löffingen in Richtung einer Familiengemeinde zu entwickeln. Weiter ist mir die Ansiedlung von Gewerbe und der Erhalt und Ausbau der Infrastruktur wichtig.

BZ:
Welche konkreten Ziele wollen Sie umsetzen?
Link: Konkretes Ziel ist die Fortführung der Innenstadtsanierung in Löffingen. Der Ladenleerstand muss bekämpft werden und in den Teilorten ist zu überprüfen, inwieweit die Kinderbetreuung den heutigen Bedürfnissen angepasst werden muss.

BZ: Haben Sie bereits ein Nutzungskonzept für fas freiwerdende Bauhofgelände im Kopf?
Link: Bevor man in ein konkretes Nutzungskonzept für das Bauhofgelände einsteigt, muss das Verkehrskonzept, das der Gemeinderat bereits in Auftrag gegeben hat, ausgearbeitet werden, damit klar wird, was für das Bauhofgelände an Verkehr verkraftbar ist. Erst danach kann über eine Nutzung entschieden werden. Wichtig ist mir, dass die Nutzung dieses Areals zu einer Steigerung der Attraktivität der Innenstadt beiträgt.
"Das Zuhören

ist mir wichtig"
BZ: Wie wollen Sie die Bürger in kommunalpolitische Entscheidungen mit einbeziehen?
Link: Durch meinen bisherigen Wahlkampf habe ich deutlich gemacht, dass mir das Zuhören wichtig ist. Dies werde ich las Bürgermeister weiter praktizieren. Die Bürger sollen so frühzeitig und umfassen wie möglich über anstehende Entscheidungen informiert werden. Damit erhalten sie die Möglichkeit, mit Bürgermeister und Gemeinderat über anstehende Fragen zu diskutieren und auf die Entscheidung Einfluss zu nehmen.

BZ: Was halten Sie von einer Sport- und Seminarstadt Löffingen?
Link: Ich bin der festen Auffassung, dass die hervorragenden Sporteinrichtungen von Löffingen auch in touristischer Hinsicht besser genutzt werden müssen. Das gilt auch für die tollen städtischen Räume, die durchaus extern vermietet werden können.

BZ: Wie stehen Sie zu einer naturbelassenen Parkanlage im Bittenbachgelände?
Link: Mit Verweis auf die schwierigen Eigentumsverhältnisse sehe ich keine Möglichkeit, das Ziel kurzfrustig umzusetzen. Langfristig gesehen ist das ein schönes Ziel, das man nicht aus den Augen verleiten sollte.

BZ: Was soll ihrer Ansicht nach mit dem Gasthaus Sonne passieren?
Link: Die "Sonne" ist für mich ein charakteristisches Gebäude für die Löffinger Innenstadt. Für mich steht das Gebäude daher nicht zur Disposition, zumal der Denkmalschutz eine hohe Hürde für Veränderungen darstellt.

BZ: Was halten Sie von einem Schülergemeinderat?
Link: Ich bin sehr für die Einsetzung eines Jugendgemeinderats als dauerhaftes Gremium mit einem eigenen kleinen Budget. Das ist ein wesentliches Instrument, um Schülern das Funktionieren von Demokratie und Gremienarbeit nahezubringen. Ich habe in Kornheim-Münchingen sehr gute Erfahrungen mit einem Jugendgemeinderat gemacht.

BZ: Was kann ein Bürgermeister für die Entwicklung der Innenstadt in Bezug auf das Ladensterben tun?
Link: Zum einen setzte ich große Hoffnungen auf die Erstellung eines Verkehrskonzepts, das mehr Ordnung in den Bereich der Innenstadt bringen kann. Weiter will ich dafür werben, dass die Gebäudeeigentümer im Rahmen des Stadtsanierungsprogramms zu einer Aufwertung ihrer Gebäude beitragen. Weiter will ich das Stadtmarketing unterstützen und von Seiten des Bürgermeisters soll auch für das Einkaufen in der Kernstadt geworben werden.

BZ: Wie wollen Sie die Ferienregion Löffingen voranbringen?
Link: Über die Hochschwarzwald Tourismus GmbH wird bereits viel für eine großflächige Vermarktung der Ferienregion Löffingen getan. Weiter möchte ich durch die Verknüpfung mit den Sportstätten zu einer Steigerung der Tourismuszahlen in der Gemeinde beitragen.
BZ: Was können Sie tun, um Handwerk und Gewerbe eine Zukunft zu sichern?
Link: Handwerk und Gewerbe brauchen eine erstklassige Infrastruktur. Hier besteht zum Beispiel beim schnellen Internet in manchen Bereichen der Gemeinde Handlungsbedarf. Des Weiteren bin ich bereits, Handwerk und Gewerbe auch in räumlicher Sicht Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Gegebenenfalls muss die Gemeinde weitere Gewerbeflächen ausweisen. Weiter möchte ich dazu beitragen, dass Handwerk und Gewerbe in den Schulen eine größere Bedeutung zukommt, um Handwerk und Gewerbe damit auch die Suche nach Nachwuchs zu erleichtern.

BZ: Durch den demographischen Wandel werden immer mehr ältere Menschen in Löffingen wohnen. Wie wollen Sie damit umgehen?
Link: Ich strebe an, dass für Senioren ein breites Angebot in der Gemeinde gemacht wird. Insbesondere denke ich dabei an Mehrgenerationenwohnen und Seniorenwohngemeinschaften. Weiter ist mir aus einem Besuch des Altenpflegeheims St. Martin bekannt, dass in den kommenden Jahren mit steigenden Belegungszahlen zu rechnen ist. Auch hier müssen räumliche Lösungen gefunden werden.

BZ: Mit dem Rückgang der Bevölkerungszahl sinken auch die Zuweisungen des Bundes für die Stadt Löffingen. Können Sie etwas tun, um dieser Entwicklung entgegenzusteuern?
Link: Ich möchte diesen Trend stoppen und sie Attraktivität für Familien weiter steigern. Wichtig ist mir auch, dass in allen Teilorten ein attraktives Angebot für Kinder gemacht wird und dadurch die Standortvorteile erhalten bleiben. Darüber hinaus sind auch Verbesserungen beim Öffentlichen Personennahverkehr anzustreben. Weiter möchte ich erreichen, dass auch in den Teilorten zumindest zeitweise ein besseres Angebot zur Nahversorgung gemacht wird, beispielsweise durch einen Lebensmittelhändler, der die Ortsteile mit einem Lieferwagen anfährt. Weiter spielen auch schnelle Internetverbindungen und ein reges Vereinsleben in den Ortsteilen eine große Rolle.

"Die Grundschulen sollen

zukunftssicher werden"
BZ: Wie soll es mit der Verschuldung der Gemeinde weitergehen?
Link: Ich möchte auch im finanziellen Bereich nachhaltig wirtschaften. Eine weitere Verschuldung des städtischen Haushalts möchte ich gerne vermeiden. Auf der anderen Seite muss man sehen, dass die Gemeinde zirka 420 000 Euro an Zinsen einnimmt, und diesem Betrag lediglich 160 000 Euro an Zinsausgaben gegenüberstehen. Daher ist die Verschuldung der Gemeinde im Moment nicht problematisch.

BZ: Was können Sie tun, um die Grundschulen in den Ortsteilen zu halten?
Link: Der Gemeinderat hat bereits einen wegweisenden Beschluss gefasst, durch den eine Grundschule bereits zum kommenden Schuljahr als Außenstelle der Grundschule Löffingen geführt wird. Ich werde mich dafür einsetzen, dass auch die Grundschule Bachheim-Unadingen über diese Konstruktion zukunftssicher gemacht wird.
BZ: Was wollen Sie tun, um die Entwicklung der Ortsteile zu stärken?
Link: Die Vielfalt der Ortsteile stellt eine Stärke der Gesamtgemeinde Löffingen dar. Über die Ortschaftsräte und Ortsvorsteher soll weiter gewährleistet werden, dass die Anliegen der Ortsteile direkt beim Bürgermeister landen.

BZ: Sie sind CDU-Mitglied, wollen aber Bürgermeister für alle Menschen sein. Können Sie das den Bürgern vermitteln?
Link: Ich glaube, dass die Parteizugehörigkeit in der Kommunalpolitik keine große Rolle spielt. Ich werde mich um einen intensiven Austausch mit allen Fraktionen im Gemeinderat bemühen und unterstelle, dass alle Mitglieder des Gemeinderats das Ziel haben, zum Wohl der Stadt Löffingen beizutragen. Wir werden gemeinsam Lösungen für die anstehenden Probleme finden.

Alle veröffentlichten Texte zur Bürgermeisterwahl in Löffingen finden Sie gesammelt in unserem Dossier: http://www.mehr.bz/wahl-loeffingen
von wun
am Di, 26. November 2013

ZUR PERSON: TOBIAS LINK

ist 42 Jahre alt, Jurist und seit 1997 mit seiner Frau Sabina verheiratet. Sie haben fünf Kinder im Alter von drei bis 14 Jahren und erwarten das sechste Kind. Link hat sein Jurastudium in Konstanz absolviert und wurde dabei auch im Verwaltungsrecht ausgebildet. Seit 1999 ist er als Rechtsanwalt tätig, seit 2002 selbständig. 2004 wurde er in den Gemeinderat der Stadt Korntal-Münchingen gewählt. Seit der Wiederwahl 2009 ist er stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion und Mitglied in den Ausschüssen für Verwaltung und Soziales, für Wirtschaftsförderung, im Gutachterausschuss und im Schulbeirat.  

Autor: wun

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