Die Thermen und Villen der Römer

Ein Römerweg verbindet Badenweiler, Müllheim und Heitersheim / Eröffnung ist am 5. September.

Im Jahr 70 nach Christus kamen die Römer – damals regiert von Kaiser Vespasian – ins Markgräflerland. Sie blieben fast 200 Jahre in der Region und haben dort ihre Spuren hinterlassen. Gut erhaltene Beispiele antiker Baukunst sieht man in Badenweiler, in Heitersheim und in Müllheim. Auf dem "Markgräfler Römerweg", der im Rahmen der Heimattage Baden-Württemberg Anfang September in Badenweiler eröffnet wird, kann man Kleinode römischer Architektur erwandern.

Der Römerweg führt von der Badruine Badenweiler nach Müllheim zur Martinskirche und ins Markgräfler Museum, von dort aus nach Heitersheim ins Römermuseum Villa urbana. Es geht dabei um drei große Themen: Badekultur, hochherrschaftliche Anwesen wie die Villa urbana, und einfachere Landhöfe, die man Villa rustica nannte. Unter der Martinskirche in Müllheim liegt einer der größten römischen Gutshöfe im Oberrheintal.

Was historisch und geografisch zusammenführt, verbindet auch, etwa die Organisatoren der Gemeinden: aus Müllheim Museumsleiter Jan Merk, aus Badenweiler Heinz Setzer, Leiter des Tschechow-Salons, Marion Borcherding von der Touristinformation in Heitersheim sowie die Denkmalpflege und die Universität Freiburg, Fachbereich provinzial-römische Archäologie.

Ob die Organisatoren tatsächlich den Weg gefunden haben, den schon die Römer gegangen sind, ist für Jan Merk fraglich. Es gebe dazu viele Meinungen, aber keine zweifelsfreie. So hat man sich geeinigt, bestehende Wander- und Radwege, die besonders schön gelegen sind, als Römerweg auszuweisen.

Die Römer hatten in ihrem Aquae Villae, wie sie Badenweiler nannten, eine stadtähnliche, 22 Hektar große Siedlung mit Lagerhäusern und einem Tempel. Die Badruine gilt als größte römische Heiltherme nördlich der Alpen. Ihre Wiederentdeckung und Ausgrabung 1784 markiert den Beginn der badischen Landesarchäologie. 2001 ließ das Land dieses herausragende Baudenkmal antiker Badekultur mit einer filigranen Stahl-Glas-Konstruktion überdachen. Das 100 Meter lange Bad ist doppelt axial-symmetrisch angelegt – wie ein Schmetterling. Es war mit vier großen Thermalwasserbecken ausgestattet. Über eine Hypokaustenheizung – eine Art Boden- und Wandheizung – hatten die Römer Wände und Fußböden erwärmt.

Rund um den Badetempel, der am Hang liegt, hatten die Römer zum Schutz vor Nässe einen begehbaren Drainagekanal angelegt, der bis heute funktionstüchtig ist und ebenfalls detailgetreu restauriert wurde. Ein zweites römisches Baudenkmal – ein Tempel – liegt oberhalb der evangelischen Kirche von Badenweiler. Seine Geschichte erläutert eine Info-Tafel.

Reste einer Villa urbana sind heute an Heitersheims östlichen Ortsende neben dem Malteserschloss zu sehen. Erbaut wurde das 1500 Quadratmeter große Gebäude von einem römischen Großgrundbesitzer auf einem 5,5 Quadratkilometer großen Areal. Im herrschaftlichen Wohnbereich befand sich ein Atrium mit einem 18 Meter langen Wasserbecken nach mediterranem Vorbild. Die Heitersheimer Villa ist die bislang größte römische Einzelsiedlung am Oberrhein und das einzig bekannte Beispiel in Form einer Axialhofvilla in Baden-Württemberg. Erst 1989 wurde die genaue Lage lokalisiert. Die Ausgrabungen begannen 1991. Der Eintritt ins Römermuseum ist frei. Den großen, römischen Gutshof Villa rustica unter der Müllheimer Martinskirche kann man dagegen nicht sehen. Aber zum Event wird der Römer-Raum im Markgräfler Museum neu gestaltet mit Leihgaben des Archäologischen Landesamts und bestückt mit der Bildrekonstruktion der Villa Schlossacker in Auggen. Diese muss kostbar ausgestattet gewesen sein und wäre mit viel Geld ausgrabbar, wie Jan Merk sagt.

Der Römerweg ist ein nachhaltiges Projekt. Zur 15,5 Kilometer langen, mit Römer-Logo ausgeschilderten Strecke gibt es einen speziellen Flyer, der künftig in den Touristinformationen der drei Gemeinden ausliegen soll. Die Strecke führt von der Badruine Badenweiler zur Martinskirche Müllheim und über Zunzingen und St. Ilgen zur Heitersheimer Villa urbana. Dort gibt es am Eröffnungstag ein Römerfest.

Zur Einweihung wird eine Wein-sonderedition "Markgräfler Römerweg" kreiert von der Winzergenossenschaft Britzingen, dem Müllheimer Weingut Hans Engler und dem Weingut Zotz aus Heitersheim.

Eröffnet wird der Römerweg in Badenweiler – dort wird an diesem Sonntag das Weinfest gefeiert – mit einem Umtrunk.

Markgräfler Römerweg: Eröffnung
am Sonntag, 5. September, 11 Uhr,
evangelische Kirche Badenweiler, um 13 Uhr in der Martinskirche Müllheim und um 16 Uhr mit einem Römerfest in der Villa urbana in Heitersheim.

von Sigrid Umiger
am Do, 22. April 2010

Badens beste Erlebnisse