Mit Klang und Gloria

Die Umkircher Metzler-Orgel von 1980

BZ-WEIHNACHTSSERIE:Die Umkircher Metzler-Orgel von 1980.

UMKIRCH. Die katholische Kirche der Gemeinde Umkirch hat eine außergewöhnliche Orgel, an deren Beschaffung ein Umkircher Bürger, der Musikwissenschaftler und Organist ist, maßgeblichen Anteil hatte: Professor Karl H. Müller-Lancé. So kommt es, dass seit 1980 in Mariä Himmelfahrt eine sogenannte Metzler-Orgel steht.

1858 war zuletzt eine neue Orgel für die Kirche in Umkirch angeschafft worden. Zu einem Großteil hatte Großherzogin Stephanie von Baden diese finanziert. Die Pfeifen und Blasebälge mussten im folgenden Jahrhundert und noch einige Jahrzehnte länger immer wieder repariert oder erneuert werden.

1980 beschloss der Pfarrgemeinderat, die Kirche zu renovieren und im Zuge dieser Renovierung auch eine neue Orgel anzuschaffen. Der damalige Organist Karl H. Müller-Lancé sollte sich umschauen. Er wusste, dass damals gerade eine Orgel in der Pfarrkirche St. Johann in Freiburg mit 50 Registern gebaut wurde und zwar von der Schweizer Orgelbaufirma Metzler. Die Metzler-Orgeln wurden und werden nach Bauprinzipien des 17. und 18. Jahrhunderts gebaut. Diese Bauart resultiert aus der süddeutschen Orgelbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts. Damals hatte es eine Rückbesinnung auf den Orgelbau aus der Zeit vor 1860 gegeben. Die Barockorgeln, zum Beispiel von Johannes Andreas Silbermann in Straßburg in der Église Saint-Thomas und anderen elsässischen Orten, dienten als Beispiele für diese Art des Orgelbaus.

"Wir sind nach Straßburg gefahren und haben uns die alten Orgeln angesehen und angehört", erzählt Müller-Lancé. Man setze sich mit dem Orgelreformer Hans-Henny Jahnn auseinander und sah sich die Praetorius-Orgel in der Freiburger Aula an, die nach einer Beschreibung aus dem Beginn des 17. Jahrhundert gebaut worden war.

Zusammen mit dem orgelsachverständigen Professor Bernhard Marx wandten sich die Experten dem Familienunternehmen Metzler in Dietikon zu, weil es sich um den favorisierten "Silbermann-Klang" bemühte. Mit dem Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Werner Hirzle besuchten sie schließlich den Orgelbauer, der alle überzeugte und den Auftrag erhielt. Ähnliche Orgeln im Sinne Silbermanns baute Metzler dann 1989 auch in St. Ulrich und 1991 in Kirchzarten.

Der Orgelsachverständige des Erzbischöflichen Ordinariats, Hans Musch, hatte ebenfalls Angebote eingeholt. Zunächst hieß es von Seiten des Ordinariats, dass Metzler zu teuer sei, außerdem aus der Schweiz und zudem noch evangelisch. Zwei weitere Orgelbauer, einer aus der Diözese und einer aus der Schweiz, reichten Angebote ein. "Es hat dann aber doch geklappt mit Metzler, weil er die Orgel zu einem akzeptablen Preis gemacht hat", erzählt Müller-Lancé. "Katholisch und evangelisch gehen gut nebeneinander", findet er.

Laut Umkircher Ortschronik von Vinzenz Kremp aus dem Jahr 1981 hatte die Gemeinde für die Anschaffung 250 000 D-Mark veranschlagt. Die Kosten trug zum Teil das Ordinariat. Die Kirchengemeinde erwirtschaftete durch einen Bazar, auf dem die Pfeifen verkauft wurden, ebenfalls einen Teil der Summe. "Wir haben uns viel Mühe gegeben, um das Finanzielle hinzubekommen", sagt Ursula Müller-Lancé, die die Geschichte aus der Perspektive eines langjährigen Pfarrgemeinderatsmitglieds erlebte.

Viele ältere Umkircher waren zunächst gegen die Anschaffung einer neuen Orgel, weil die alte noch gut klang. Sie habe aber vermutlich nur noch gut geklungen, weil ihr Mann sie zu spielen gewusst habe, mutmaßt Ursula Müller-Lancé. Diese Vorgängerorgel steht nach einem völligen Umbau nun in der Gottenheimer Kirche. Gottenheim war einige hundert Jahre lange ein Filiale der Umkircher Pfarrei. Ende 1980 konnte in Mariä Himmelfahrt das Einführungskonzert der Metzler-Orgel mit Weihe stattfinden. Es spielte Professor Müller-Lancé, der rund 10 Jahre lang die Umkircher Orgeln gespielt hat.

Die Orgel hat ein Eichengehäuse, das auf Barockart gebaut wurde. Das Instrument hat 19 Register. "Es wird mit zwei Klaviaturen, beidseitigen Registerzügen und Pedalklaviatur bespielt. Den nötigen Wind macht ein Elektroventilator in einem schalldichten Kasten", steht in der Umkircher Ortschronik. Müller-Lancé hat den Zimbelstern gestiftet, ein sich drehendes Glockenspielrad. "Es wird nur zweimal im Jahr betätigt", sagt Berthold Breitsch, der heutige Organist der Kirchengemeinde. "Beim Patrozinium Mariä Himmelfahrt am 15. August und an Weihnachten." Zur Demonstration darf ausnahmsweise einer seiner anwesenden beiden kleinen Söhne das Glockenspiel betätigen. Es hört sich sehr verzaubert an. Breitsch hat die beiden Kleinen an diesem Adventssonntag mit in die Kirche nehmen müssen, weil seine Frau gerade das dritte Kind bekommen hat.

Der junge Vater unterrichtet Musik in Emmendingen am Gymnasium und ist im Sommer nach Umkirch gezogen. "Es ist eine tolle Orgel", sagt er begeistert. "Als konzertantes, barockes Instrument ist sie einzigartig und sehr farbig zu spielen." Bevor er mit seinen Jungs geht, die nun aber wirklich ungeduldig werden, möchte er noch eins loswerden, das ihm wichtig ist: Auf die beiden Kinderchöre hinweisen, die er jeden Donnerstag ab 16.30 leitet. "Neue Sänger sind jederzeit willkommen! Wir treffen uns im Gemeindesaal, die älteren fangen um 17 Uhr an."



von Karin Wortelkamp
am Di, 09. Dezember 2014

ORGEL IN UMKIRCH

- Baujahr: 1980

- Firma: Metzler/Metzler Orgelbau AG

- Register: 19

- Pfeifen: 1184

Mehr zum Thema gibt es unter http://mehr.bz/orgelserie
 

Autor: kiw

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