Frauen in der Kunst

Doppelausstellung in Durbach inszeniert den weiblichen Blick mit Bildern von Eva Schaeuble und Helga Marten

Die Doppelausstellung des Museums Hurrle in Durbach inszeniert einen Dialog der Arbeiten von Eva Schaeuble und Helga Marten.

DURBACH. Vorhang auf für Eva Schaeuble aus Karlsruhe und Helga Marten aus Freiburg, die bis zur Ausstellung der Reihe "Profile in der Kunst am Oberrhein" im Museum Hurrle, nichts voneinander wussten. Auf den Facettenreichtum komme es ihm an, sagte Rüdiger Hurrle vor der Vernissage der Ausstellung, die bis März zu sehen ist. Nun teilen sich die beiden vier Räume, und die kommenden Monate werden zeigen, wie die Besucher diese Verbindung erleben.

Eva Schaeuble spielt gewissermaßen Theater, malt ungezähmt, mit Verve. Gleich im ersten Raum zeigt sie überbordende Interieurs: eine Bar, ein Zimmer. Spanien, der Stierkampf, Liebe, Tod und Leidenschaft sind ihre Themen. Anlass ihrer assoziativen Bildwelt ist in diesem Fall Victorine Meurent (1844 bis 1927), die dem Maler Edouard Manet Modell gestanden hat. Schaeuble malt Meurent im Großformat mit viel Schwarz, Rosa- und Blautönen. Die Frau, angelehnt an der Theke in eng anliegendem Kleid und einem für Toreros typischen Bolero, eine Zigarette zwischen den Fingern. Bewegung gibt es genügend: Die Barfrau betätigt eine dampfende Espressomaschine. An der Wand hinter der Bar das Gemälde mit antikem Schlachtengetümmel. Die üppig verzierte Theke zeichnet die Künstlerin mit schwarzem Konturstrich, davor die bestickte Jacke eines Toreros, ein Pokal auf dem Tisch. "Ich verwende im nächsten Bild meist ein Motiv aus dem vorhergehenden, wie beim Domino", sagt die Künstlerin und verweist auf den bemalten Paravent, der die liegende Victorine zeigt, veritable Schuhe auf dem Boden davor durchbrechen die Zweidimensionalität. Hier taucht der Pokal als Vase wieder auf. Daneben drei Skulpturen als Vasen mit ausdrucksstarken Frauenköpfen, Arbeiten, die die Künstlerin in der Karlsruher Majolika geschaffen hat. Eva Schaeuble treiben Schicksale von Frauen um, die als Künstlerinnen unentdeckt blieben. Sie gibt ihnen Präsenz: den Impressionistinnen Berthe Morisot, Eva Gonzales, Suzanne Valadon oder der Malerin und Bildhauerin Marcello.

Zögerliche Anerkennung weiblichen Kunstschaffens hat Ausstellungspartnerin, Helga Marten, teils selbst erlebt. 1931 in München geboren hatte sie zunächst ihre Familie, später Ausstellungsmacher von ihren Arbeiten überzeugt. Sie hat seit Kindertagen gemalt und gezeichnet. Sie durfte Kunst studieren und habe sich nach der Heirat mit dem Philosophen Rainer Marten ganz der Kunst gewidmet. Leider sei es ihr in Freiburg nicht leicht gefallen, mit ihrer gegenständlichen Kunst Anerkennung zu finden, sagte sie. "Wenn ich versucht habe, abstrakt zu malen, habe ich gemerkt, dass ich lüge."

Nach einer dennoch reichen Künstlervita hat die Galerie Claeys in der Freiburger Kirchstraße das Werk der Malerin entdeckt und mehrere Ausstellungen kuratiert, so auch die aktuelle. Die Galeristinnen haben frühe Arbeiten mitgebracht, wie den stark abstrahierten "Puppenreiter" von 1957. Die meisten sind mit leichter Seele gemalte Stillleben und Landschaften in sommerlichen Farben, die den französischen Impressionisten nachempfunden sind. "Ich habe sie verehrt", sagte die Malerin. Sie habe als junge Frau alles darangesetzt, nach Paris zu reisen. Dort entstanden Ölbilder, etwa 1960 "Place des Vosges" und "Maltisch vor Haus". Auch Porträts hat die Künstlerin gemalt: vom Ehemann, sich selbst und Franz Kafka. Zu allen Motiven habe sie eine innige Beziehung. Eine Situation etwa, ein Weg, ein Baum scheine ihr zuzurufen: "Mal mich! Mach’ was aus mir!" Ansonsten aber finde sie es schön, "dass die gemalten Bilder schweigen". Nur die darstellenden Künste, Malerei und Bildhauerei, hätten diesen Vorzug.

Helga Marten und Eva Schaeuble. Profile in der Kunst am Oberrhein. Museum für aktuelle Kunst, Sammlung Hurrle. Almstraße 49, Durbach. Geöffnet Mittwoch bis Freitag, 14 bis 18 Uhr, Samstag, Sonn- und Feiertag, 11 bis 18 Uhr. Bis 4. März 2018. Internet: museum-hurrle.de
von Eri Sieberts
am Fr, 10. November 2017


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