Doppelpass mit dem Fernsehen

Dass viel Profiboxen übertragen wird, hat mit der ARD zu tun.

OFFENBURG. Die Baden-Arena in Offenburg wird am Samstagabend mit 4000 Zuschauern besetzt sein. Es werden Promis anwesend sein, ob sie in die Kategorie A-, B-, C- oder D-Promis fallen, kann jeder für sich beurteilen. Sie werden unter anderem deshalb auftauchen, weil das Fernsehen, in diesem Fall die ARD, live überträgt (von 22.45 Uhr an): und zwar einen Profiboxkampf zwischen dem Deutsch-Armenier Arthur Abraham und dem Argentinier Pablo Farias. Es ist kein Titelfight, aber er hat ausgereicht, damit die Halle ausverkauft ist.

"Der Samstag ist für mich ein Neuanfang. Mein Ziel ist ein Sieg, um wieder Kurs auf einen WM-Titel zu nehmen. Ich mache ein, zwei Aufbaukämpfe und boxe Ende des Jahres um die WM. Das ist der Plan", erklärte Abraham, der im Berliner Boxstall von Wilfried Sauerland unter Vertrag steht. Abraham war von 2005 bis 2009 Weltmeister der Internationalen Boxing Federation (IBF) im Mittelgewicht, also der Klasse bis 72,5 Kilogramm. Der Fight von Abraham, der 32 seiner 35 Profikämpfe gewann, findet in der nächsthöheren Gewichtsklasse statt, dem Supermittelgewicht (Klasse bis 76,2 Kilogramm). Dort will ihn sein Coach Ulli Wegner in Zukunft sehen. Wegner sagt: "Solange ich Arthur Abrahams Trainer bin, wird gemacht, was ich sage. Ich lasse mir einen Boxer nicht kaputtmachen durch das ständige Abkochen."

Wie sehr übermäßiges Gewichtmachen, die Rede ist von acht bis zehn Kilo zehrt, beschreibt der Boxer ziemlich anschaulich in einem Interview der Frankfurter Rundschau: "Ich ändere mich um 180 Grad, bin anfällig wie ein kleines Kind, schnell sauer, schnell wütend. Es macht alles keinen Spaß. Jedes Geräusch macht mich wütend, jeder Schritt macht mich nervös." Arthur Abraham, der gemeinsam mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder Alexander 1995 nach Deutschland kam, trifft auf einen Gegner, der erstmals außerhalb seines Heimatlandes Argentinien boxt. Der 23-jährige Pablo Farias hat 19 seiner 20 Kämpfe gewonnen, den bislang Letzten verlor er aber – weil er nach einem Trennkommando des Kampfrichters verbotenerweise nachschlug.

Immerhin: Das Ballyhoo des Profiboxens hat Farias schon gelernt. Denn er posaunt vor dem Kampf in die Welt Sätze wie die folgenden hinaus: "Ich weiß genau, wie Abraham kämpft, und bin sicher, dass ich ihn schlagen werde. Das wird ein schöner Abend für mich." Der Wahrheitsgehalt solcher Sprüche tendiert zwar gegen null, aber im Profiboxen scheint das unabdingbar zum Geschäft zu gehören.

"Das wird ein schöner

Abend für mich."

Der argentinische Boxer Pablo Farias
Das Duell Abraham gegen Farias ist der Hauptkampf in Offenburg. Doch den Zuschauern werden am Samstag von 18.30 Uhr an (Einlass: 18 Uhr) noch sechs andere Kämpfe, darunter ein WM-Fight, geboten. Ebenfalls im Supermittelgewicht will Robert Stieglitz (Magdeburg) seinen Titel des Verbandes World Boxing Organisation (WBO) verteidigen. Er tritt gegen den 23-jährigen Außenseiter Henry Weber aus Stralsund an. "Ich bin der Weltmeister, und das werde ich auch zeigen", sagte der gebürtige Russe Stieglitz vom Magdeburger SES-Boxstall. Die Bedeutung dieses Kampfes zeigt indes die TV-Übertragung: Der Abraham-Fight wird von der ARD live gezeigt, der Kampf von Stieglitz geht erst danach als Aufzeichnung über den Sender.

Dass der Kampf von Abraham live übertragen wird, hat zum einen mit der Popularität des Deutsch-Armeniers zu tun, der in den vergangenen Wochen einen wahren PR-Marathon hinter sich gebracht hat. Es ist aber auch kalkulierter Bestandteil eines Vertrags, den die Sauerland Event GmbH, die dafür viele Millionen Euro kassiert, mit "dem Ersten" hat. Erst im vergangenen Jahr wurde ein veränderter Kontrakt für den Zeitraum von 2013 bis 2014 unterzeichnet.

Um diesen hatte es allerdings ein langes Gezerre gegeben. Mitglieder des Rundfunkrates hatten damals Zweifel am großen Boxangebot in der ARD geäußert. Deshalb wurde ein Kompromiss ausgehandelt: mit verkürzter Laufzeit, ohne Verlängerungsoption, mit weniger Kämpfen und geringeren Kosten. Im Jahr 2011 war die ARD unter anderem von Thomas Bach, dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes, dafür kritisiert worden, dass sie ihrem Auftrag nicht mehr nachkäme.Viele Steuergelder würden fürs Boxen ausgegeben, dagegen würden andere Sportarten immer seltener gezeigt. Der zweite öffentlich-rechtliche Sender, das ZDF, ist – im Gegensatz zur ARD – vor eineinhalb Jahren aus der Profibox-Berichterstattung ausgestiegen. Über die genauen Kosten der ARD für den 2013 und 2014 gültigen Kontrakt wurde indes Stillschweigen vereinbart. Der ursprüngliche Vertrag von 2013 bis 2015 soll mit 54 Millionen Euro dotiert gewesen sein. Sauerland Event mit Sitz in Berlin soll – laut Sportinformationsdienst – dafür zwischen zehn und zwölf Boxveranstaltungen pro Jahr garantiert haben.

Alle Beiträge zum Abraham-Kampf in Offenburg in einem Online-Dossier unter http://mehr.bz/boxgala
von Georg Gulde
am Fr, 13. Januar 2012

Badens beste Erlebnisse