Familien in Südbaden

Dorfhelferinnen: Hilfe für Familien – nicht nur in der Not

Susanne Grab greift der Familie Heinzelmann in Oberbergen unter die Arme. Sie ist eine von drei Dorfhelferinnen in Vogtsburg. Grab und ihre Kolleginnen springen immer dann ein, wenn ein Elternteil ausfällt.

VOGTSBURG. Amelie und Simon backen heute Zwetschgenkuchen. Während Amelie die Zwetschgen aufschneidet und entkernt, belegt Simon den Kuchen. Susanne unterstützt sie dabei. Also alles ganz normal eigentlich bei Familie Heinzelmann in Oberbergen. Allerdings ist Susanne nicht die Mutter von Amelie und Simon. Sie ist Dorfhelferin und eingesprungen, weil Ilona Heinzelmann, so heißt die Mutter der beiden, im Krankenhaus ist. Brüderchen Toni ist dort nämlich gerade zur Welt gekommen.

Susanne Grab ist eine von drei Dorfhelferinnen in Vogtsburg. Sie arbeitet 30 Prozent, eine Kollegin 50 Prozent und die dritte 75 Prozent. Sie springen immer dann ein, wenn eine Familie Unterstützung braucht. Das kann – wie im Fall der Familie Heinzelmann – bei einer Geburt sein, aber auch bei einem Kuraufenthalt oder einer geplanten Operation. Oder auch im Notfall, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert.

Die zwölfjährige Amelie, der fünfjährige Simon und Bruder Hannes, der schon 15 ist, kennen das bereits. "Wir hatten schon mal eine Dorfhelferin", erinnert sich Amelie. Susanne Grab haben sie allerdings erst jetzt kennengelernt. "Wir haben aber keine Bedenken gehabt", sagt Amelie. Grab betreut die Kinder nun zunächst für eine Woche. Wenn es nötig ist, bleibt sie auch länger. Sie kümmert sich täglich von 8 bis 13 Uhr um die Kinder und um alles, was im Haushalt anfällt. Die Spanne, in der sie in den Familien einspringt, reicht von zwei bis drei Stunden die Woche bis zu acht Stunden am Tag. "Je nachdem, wie die Familie Bedarf hat", sagt Susanne Grab. Vater Klaus Heinzelmann arbeitet morgens in einer Firma.

"Nachmittags geht er immer in die Reben. Da gehen wir dann manchmal mit. Oder wir gehen zu Freunden", sagt Amelie. Die Oberrotweiler Familie hat 5,5 Hektar Reben. Auch die Zwetschgen, die die drei zu Kuchen verarbeiten, stammen aus eigenem Anbau. Da fällt natürlich einiges an Arbeit an. Deswegen ist die Hilfe von Susanne Grab für die Familie unverzichtbar. Sie haben die Hilfe bei der Krankenkasse beantragt, die die Kosten trägt.

Susanne Grab hat bereits viel Erfahrung als Dorfhelferin. Seit 30 Jahren arbeitet sie – mit Unterbrechungen – in dem Beruf. "Als es darum ging, was ich lernen wollte, hat mich meine Mutter auf den Beruf aufmerksam gemacht. Damals war ich 16", erinnert sie sich. Die Arbeit im Haushalt habe ihr schon immer Spaß gemacht, deswegen habe sie sich dafür entschieden. Bedenken habe sie am Anfang nur gehabt, weil sie immer wieder zu wildfremden Leuten ins Haus muss. "Aber genau das ist es, was mir heute an dem Beruf am meisten Spaß macht", sagt sie. "Ich lerne immer wieder neue Leute kennen", freut sie sich. Natürlich entstehe oft eine besondere Beziehung zu den Familien, die sie unterstützt. "Oft helfen wir in Notsituationen, da sind die Familien natürlich dankbar", sagt die Dorfhelferin. Sie machte zunächst eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin und spezialisierte sich dann als Dorfhelferin.

Amelie und Simon sind auf jeden Fall froh, dass sie "ihre" Dorfhelferin haben. "Der schmeckt sicher gut", ist Simon überzeugt, als Susanne Grab den Kuchen in den Ofen schiebt. "Susanne hat uns gefragt, was der Lieblingskuchen von Mama ist. Papa hat dann gesagt, dass sie Zwetschgen mag", erzählt Amelie, wie es zu der Backaktion kam. Die Mutter darf nicht von dem Kuchen naschen. "Zwetschgen sind nicht gut, wenn man stillt", weiß Susanne Grab. "Wir essen aber ein Stück für Mama mit", verspricht Amelie.
Dorfhelferinnen

In Baden-Württemberg gibt es über 250 Dorfhelferinnen in etwa 90 Stationsgebieten. In Vogtsburg helfen die Frauen im Schnitt 15 Familien pro Jahr. Es gibt aber auch Einsätze in anderen Stationsgebieten. In den meisten Fällen übernimmt die Krankenkasse die Kosten, bei einer Kur die Rentenversicherung und bei einem Unfall die Haftpflichtversicherung. Informationen zu den Vogtsburger Helferinnen gibt es bei Marion Immele, Telefon 07662/81243. Der Hauptsitz der Dorfhelferinnen ist Sölden: Dorfhelferinnenwerk Sölden, Bürglestraße 12, Telefon 0761/401060.
von Felix Held
am Do, 30. Oktober 2014 um 00:00 Uhr

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