Drei Anläufe zum guten Ton

BZ-WEIHNACHTSSERIE: Buchheimer St. Georgskirche beherbergt eine junge Orgel im alten Gehäuse.

MARCH. Dreiteilig ist die Buchheimer St. Georgskirche mit ihrem spätgotischen Chorraum, dem barocken Langhaus samt Turm, der wiederum Ende des 19. Jahrhunderts mit einem neugotischen Turmhelm aufgestockt wurde. Drei Etappen bis zu ihrem heutigen Klang erlebte auch die Kirchenorgel des Gotteshauses, die im Jahre 1826 von der Waldkircher Firma Gebrüder Martin gebaut wurde.

Allerdings bereitete die Orgel ihren Zeitgenossen zunächst wenig Freude, weiß Markus Zimmermann. Der Marcher Musikwissenschaftler und Orgelexperte wohnt nur ein paar Orgelpfeifenlängen von St. Georg entfernt und kennt nicht nur die dortige Orgel und ihre Geschichte wie seine Westentasche. "Die Orgel ist so schlecht, man solle sie dem Martin heimschlagen", lautet dazumal das vernichtende Urteil.

Dennoch wurde das akustische Elend rund 100 Jahre erduldet, bis in den 30er Jahren des vorvergangenen Jahrhunderts die Firma Mönch Orgelbau aus Überlingen einen größeren Umbau an dem Instrument vornahm, der diesem zu mehr Wohlklang verhelfen sollte. Einen "technischen Neubau mit historischer Substanz" erfuhr die Orgel schließlich im Jahre 1982, erzählt Zimmermann. Von der Marcher Firma Freiburger Orgelbau Späth wurde die gesamte Technik neu gebaut und dabei alles so trickreich konstruiert, dass es wieder in das historische Gehäuse eingebaut werden konnte. Das zweite Kunststück war es, Orgelpfeifen aus mittlerweile drei Generationen und damit unterschiedlichster Stile, aufeinander abzustimmen. "Drei Epochen und trotzdem passt’ s lobt Zimmermann, der bereits im Alter von zehn Jahren angefangen hat, sich "in Löwenarbeit" das Orgelspiel selbst beizubringen, das Ergebnis der Umbaumaßnahme. Angetan ist Zimmermann auch von der Akustik in der 2012 renovierten St. Georgskirche. "Nur wenn die Kirche voll besetzt ist, klingt es etwas topfig", umschreibt er das ansonsten harmonische Zusammenspiel von Instrument und Raum. Vor der aufwendigen Renovierung von St. Georg hatte die Orgel zwar schon lange kein Klangproblem mehr, dafür aber mit einer, wie Zimmermann betont, immer öfter auftretenden Problematik zu tun: Schimmelbefall.

Ungewöhnlich allerdings war es, dass der Schimmelpilz sich nicht im unteren Bereich des Orgelgehäuses durch dort stehende Luft, sondern von oben und damit offenbar durch Pilzsporen in der Umgebungsluft ausbreitete, heißt es im Gutachten der Firma Späth.

Durch das wieder gangbar machen zweier Fenster hinter der Empore im Zuge der Renovierung sowie das Einfräsen von Lüftungsschlitzen in das Orgelgehäuse selbst, konnte der Prozess jedoch aufgehalten werden. 16 Register hat Buchheims Orgel. Das Besondere an dem Instrument: Nahezu alle Manualregister sind von beiden Manualen aus anspielbar.

Schöne Auswahl an differenzierten Flöten

Der Orgelbauer spricht von Wechselschleifen, der Organist freut sich darüber, dass man "den Registerbestand frei verteilen kann". Über "eine besonders schöne Auswahl an differenzierten Flöten" verfügt laut Zimmermann das Zungenregister der Orgel von St. Georg. Allein, eine neben elektrisch auch manuell zu bedienende Windanlage besitzt die Orgel seit ihrem Neuaufbau nicht mehr.

Deshalb fällt eine Hörprobe der "gut eingestellten Pfeifen" heute flach, denn just in diesem Moment wird es dunkel im Kirchenschiff: Im Ortsteil Buchheim ist der Strom ausgefallen. "Schön ist es, wenn eine Orgel ein Gesicht hat", tröstet Markus Zimmermann über die Stille des Nachmittages hinweg. Die Buchheimer Orgel hat das Gesicht der Frühromantik und eignet sich damit beispielsweise gut für Mendelssohn, versucht Zimmermann zu umschreiben, was man im Augenblick leider nicht hören kann.
von Julius Steckmeister
am Mo, 29. Dezember 2014

DIE MARTIN-ORGEL

- Baujahr: 1826/27

- Firma: Gebrüder Martin, Waldkirch - Register: 16

- Pfeifen: 1184

- Technischer Neubau: 1982 durch die Freiburger Orgelbau Späth, March.

Weitere Serienteile und Erklärstücke rund um das Thema Orgel gibt es unter http://mehr.bz/orgelserie
 

Autor: just

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