"Ein breit gestreutes Interesse"

BZ-INTERVIEW mit dem Buzzerquizmeister René Waßmer aus Bad Krozingen .

BAD KROZINGEN. Der Landkreis steckt voller Meister – und hinter jedem Titel steckt eine spannende Geschichte. Heute: René Waßmer. Der angehende Literaturwissenschaftler aus Bad Krozingen brachte es 2018 in Potsdam unter 150 Teilnehmern zum Deutschen Meister im Buzzerquiz. Mit ihm sprach Susanne Müller über sein Hobby.

BZ: Herr Waßmer, eine Testfrage: Haben Sie schon mal vom transjugulären intrahepatischen Stent-Shunt gehört, und könnten Sie sich diesen Begriff merken?
Waßmer: Dazu bräuchte es ein inhaltliches Korrelat. Das scheint ein Begriff aus der Medizin oder der Anatomie zu sein. Beim Buzzerquiz bekommt man ja nach und nach Hinweise zu den richtigen Antworten. Das ist häufig eine Transferleistung. Es geht darum, sich dem Gesuchten anzunähern und so den Begriff herzuleiten.
BZ: Wie prägen Sie sich Wissen ein?
Waßmer: Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Meist schreibe ich mir Dinge auf, die mir relevant erscheinen. Das lese ich dann ein zweites Mal und versuche, es später wieder in Erinnerung zu rufen. Vorlesen ist auch eine Methode. Besonders leicht prägt man sich Dinge dann ein, wenn sie einen interessieren oder wenn sie kurios sind. Es sind ja immer auch kleine Geschichten dahinter. Zum Beispiel wurde ich in Potsdam nach einem Formel-1-Weltmeister gefragt, das ist natürlich eines meiner Fachgebiete.
BZ: Welche Quellen nutzen Sie, müssen Sie auch die ganzen Promigeschichten in der Klatschpresse lesen?
Waßmer: Das ist eine Frage der Zeit. Ich lese eher Nachrichten und recherchiere im Internet, da konsumiert man ja auch Populärkultur. Aber natürlich ist ein breitgefächertes Wissen bei Wettbewerben entscheidend. Das ist die einzige Möglichkeit, um ganz vorne mit abschneiden zu können. Ich finde, eine gute Tageszeitung wie die Badische Zeitung deckt den täglichen Informationsbedarf ab.
BZ: Kann man mit den Quiz-Wettkämpfen denn auch Geld verdienen?
Waßmer: Es gibt kein Preisgeld. Wer damit Geld verdienen will, geht in eine Quiz-Show. Ich bin primär an Wettbewerben des Deutschen Quiz-Vereins interessiert. Das Ticket für Berlin im Februar habe ich jedenfalls schon gebucht. Es hat ja auch eine soziale Komponente. Ich lerne da viele Menschen kennen. Ich war aber auch im Fernsehen, in der ARD-Sendung "Ich weiß alles", und 2016 war ich im ZDF in der Sendung "Quiz-Champion". Zum ersten Mal war ich im Fernsehen mit neun Jahren in der Sendung "1, 2 oder 3".
BZ: Wie kam das?
Waßmer: Eine Klassenkameradin hatte sich beworben, und dann wurde durch die Klasse bestimmt, dass ich da hingehe.
BZ: Sie waren der Klassenprimus?
Waßmer: Naja, ich war in der Schule mit dem Leistungsstand schon relativ weit vorne mit dabei. Ich hatte schon immer ein breit gestreutes Interesse. Für mich war es selbstverständlich, dass ich mich für jedes Fach interessiere. Das ist die Grundlage des Erfolgs.
BZ: Empfinden Sie Ihr Talent eher als Fluch oder Segen?
Waßmer: Das kann ich so nicht sagen. Also ich finde, je mehr man sich mit dem Quizzen befasst, umso mehr merkt man, dass man sehr wenig weiß. "Next please" sozusagen. Es kommen immer wieder neue Themengebiete dazu, und beim Quizzen hängt vieles vom Fragesteller ab. Das finde ich spannend. Das Einzige, was ich noch lieber mache als quizzen, ist es, eigene Fragen zu formulieren. Da kommt das kreative Element hinzu. Erst vor wenigen Wochen konnte ich in Russland selbst eine Fragerunde leiten.
BZ: Vergessen Sie auch mal was?
Waßmer: Ja klar, das ist doch normal.
BZ: Sie sind Doktorand der Literaturwissenschaften an der Uni Freiburg. Denken Sie auch ans Bücherschreiben?
Waßmer: Aktuell arbeite ich an meiner Dissertation. Das Oberthema ist die Muße. Vielleicht werde ich später, wenn ich mal die Muße dazu habe, mein angesammeltes Wissen festhalten, aber eher in unterhaltender Form.

René Waßmer (24) wohnt in Bad Krozingen und ist Doktorand der Neueren deutschen Literaturgeschichte an der Uni Freiburg. Deutscher Meister ist er im Buzzerquiz in der Kategorie Einzel sowie im Doppel gemeinsam mit einem Partner aus München. Infos gibt es unter http://www.quizverein.de.
von Susanne Müller
am Di, 08. Januar 2019

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