"Ein Bürgertaxi für ältere Menschen"

BZ-INTERVIEW: Bürgermeisterkandidat Dieter Köpfler steht im Redaktionsgespräch Rede und Antwort zu Fragen der Kommunalpolitik in Löffingen.

LÖFFINGEN. Was haben die drei Bewerber für das Bürgermeisteramt in Löffingen im Fall ihrer Wahl vor, wo wollen sie ihre Schwerpunkte setzten und was liegt ihnen besonders am Herzen. Diese und viele weitere Fragen zu konkreten Projekten hat unser Redakteur Martin Wunderle im Rahmen eines Redaktionsgesprächs dem Kandidaten Dieter Köpfler gestellt.

BZ: Welche kommunalpolitischen Z eile haben für Sie Vorrang?
Köpfler: Im Moment ist die Stadt noch im Stadtsanierungsprogramm, das Ende 2018 ausläuft. Dafür sind im Sanierungsgebiet Löffingen Ost, also im Stadtkern, noch weitere Sanierungsmaßnahmen geplant. So zu Beispiel Straßenkreuzungen oder ein Umbau des Rathauses. So wäre es wichtig, dass das Bürgerbüro, das sich derzeit im ersten Stock befindet, als zentrale Anlaufstelle für die Bürger im Erdgeschoss unterzubringen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist für mich die Daseinsvorsorge für ältere Menschen, denen zum Beispiel ein Bürgertaxi helfen könnte, länger in der eigenen Wohnung zu leben. Mir schwebt da eine Zusammenarbeit mit ehrenamtlich tätigen Bürgern vor. So könnten für ältere Menschen Arztbesuche oder Besorgungen erleichtert werden. Allerdings müssen da noch die Rahmenbedingungen abgeklärt werden, damit die ehrenamtlich Tätigen bei einem Unfall nicht plötzlich im Regen stehen. Für die Finanzierung des Fahrzeugs werde ich mich bei der Stadt und bei Sponsoren einsetzen.

BZ: Welche konkreten Ziele wollen Sie umsetzen?
Köpfler: Über das hinaus, was ich bereits beschrieben habe, ist es mir ein großes Anliegen, die Stadtwerke zukunftssicher zu machen. Durch die Erträge, der Stadtwerke, können wir die Verluste der Bäder finanzieren, die maßgeblich zur Attraktivität Löffingens bei Bürgern und Gästen beitragen. Und mit Blick auf unser Gewerbegebiet und den negativen Pendlersaldo gehört es zur Pflicht eines Bürgermeisters, diese freien Plätze zu vermarkten. Mit mehr Arbeitsplätzen haben auch Handel und Handwerk Impulse zu erwarten.
"Ein Abriss der ,Sonne’

wäre eine Katastrophe."

BZ: Haben Sie bereits ein Nutzungskonzept für fas freiwerdende Bauhofgelände im Kopf?
Köpfler: Wenn der Bauhof umgezogen ist, werden wir uns das Areal anschauen und vielleicht zuerst einmal Parkplätze anlegen. Natürlich handelt es sich dabei um ein attraktives Gelände. Die Stadt kann aber nicht Betreiber eines Hotels oder von Geschäften sein. Dafür sind wir auf einen Investor angewiesen, wobei die Stadt durch ihre gute Infrastruktur viele Pfunde hat, mit denen sie wuchern kann. Löffingen hat es durch die Baugenossenschaft ja auch geschafft die Ärzteversorgung für die Zukunft zu sichern, weshalb eine ursprüngliche Idee für das Bauhofgelände auch "erledigt" ist.

BZ: Wie wollen Sie die Bürger in kommunalpolitische Entscheidungen mit einbeziehen?
Köpfler: Mein Motto heißt "mit den Menschen vor Ort". Das heißt zunächst einmal Fakten zu liefern und dann einen Konsens zu suchen, der Löffingen vorwärts bringt. Am grünen Tisch werden mit Sicherheit keine wichtigen Entscheidungen getroffen. Und auch im Gemeinderat steht die Suche nach zielorientierten Lösungen im Vordergrund.

BZ: Was halten Sie von einer Sport- und Seminarstadt Löffingen?
Köpfler: Wir haben mit der sanierten Festhalle und auch mit kleineren Sälen hervorragende Möglichkeiten. Darüber hinaus gibt es mit der neuen Sporthalle, der Leichtathletikhalle, der Turnhalle und dem Haslachstadion auch hervorragende Sportanlagen, die wir weiter bewerben müssen. Vom Belegungsplan her müsste durchaus noch einiges möglich sein. Ich könnte mir auch vorstellen, dass dies zu einer Lösung für das Bauhofareal, die allerdings auch einen Investor voraussetzt, mit beitragen kann.

BZ: Wie stehen Sie zu einer naturbelassenen Parkanlage im Bittenbachgelände?
Köpfler: Der Gemeinderat beschäftigt sich bereits seit Jahren mit diesem Thema. Und wenn ich mir die Eigentumsverhältnisse im Bittenbachgelände anschaue, kann ich mir nicht vorstellen, dass sich dort in absehbarer Zeit etwas tut. Außerdem haben wir mit dem Haslachwald ein tolles Naherholungsgebiet, das auch für die Bewohner des Altenpflegeheims gut erreichbar ist. Und dazu gibt es auch noch den bisherigen Kurpark, dessen Spielplatz sehr gut frequentiert ist.

BZ: Was soll ihrer Ansicht nach mit dem Gasthaus Sonne passieren?
Köpfler: Die "Sonne" ist ein zentrales historisches Gebäude im Stadtbild von Löffingen. Einem Abriss würde ich auf keinen Fall zustimmen, das wäre eine Katastrophe. Wir sollten das Gebäude in städtischer Nutzung behalten. Den baulichen Zustand des Anbaus muss man sich allerdings anschauen.

BZ: Was halten Sie von einem Schülergemeinderat?
Köpfler: Das ist ein interessanter Ansatz und ich weiß, dass es so etwas zumindest in einer Gemeinde bereits gibt. Es wäre auf alle Fälle eine Möglichkeit, junge Menschen an die Politik heranzuführen und ihnen Verantwortung zu übertragen. Ich sehe dies allerdings weniger als ein ständiges Gremium, aber bei Projekten wie dem Jugendraum in Reiselfingen und dem Skaterpark in Löffingen hat sich dies durchaus bewährt.

BZ: Was kann ein Bürgermeister für die Entwicklung der Innenstadt in Bezug auf das Ladensterben tun?
Köpfler: Mit diesem Thema habe ich durch den Wirtschaftsverbund und den Einzelhandel stete Berührungspunkte. Löffingen hat vor kurzem den Titel Fairtrade Town zugestimmt, was auch bei den Bürgern zu einem Umdenken führen sollte und zum Nachdenken, was man durch sein Konsumverhalten bewirkt, womit wir auch gleich beim Thema regionale Landwirtschaft wären. Schön wäre es, wenn wir den Pendlersaldo umdrehen könnten und so mehr Leute in Löffingen einkaufen. Außerdem ist auch das Projekt "König Kunde" angedacht. Ich werde das sicher weiterpflegen und mit eigenen Ideen unterstützen.

BZ: Wie wollen Sie die Ferienregion Löffingen voranbringen?
Köpfler: Das große Plus ist die etwas offenere Landschaft im Vergleich zum Hochschwarzwald und natürlich vor allen Dingen die Nähe zur Wutachschlucht, zu der es in den südlich gelegenen Ortsteilen hervorragende Zugänge gibt. Deshalb müssen wir den Wanderbus entlang der Schlucht pflegen und weiter ausbauen. Ein weiterer Standortvorteil ist die Anbindung an die Bahn, von der ich mir durch die Elektrifizierung weitere Vorteile erhoffe, zumal es auch wieder mehr Haltepunkte geben soll. Es ist aber nicht nur wichtig für die Gäste, sondern auch für die Einheimischen, dass wir die Elektrifizierung bekommen. Ich verbinde das mit den Schlagworten "Schneller und öfter".

BZ: Was können Sie tun, um Handwerk und Gewerbe eine Zukunft zu sichern?
Köpfler: Zusätzliche Arbeitsplätze in Löffingen kann ich nicht versprechen, aber die Möglichkeiten in Löffingen bewerben und anbieten. Ich erhoffe mir von der demografischen Entwicklung einen Impuls für das Handwerk. Jeder will, solange es geht, daheim wohnen bleiben. Dafür sind aber Umbaumaßnahmen notwendig. Und natürlich muss auch die Stadt schauen, dass sie Aufträge an heimische Handwerksbetriebe vergibt, soweit dies durch die Regelungen des Ausschreibungsverfahrens abgedeckt ist.

BZ: Durch den demographischen Wandel werden immer mehr ältere Menschen in Löffingen wohnen. Wie wollen Sie damit umgehen?
Köpfler: Wir müssen dafür Sorge tragen, dass die Menschen möglichst lange zuhause leben können und Arztbesuche und Einkaufen möglich sind, womit wir wieder beim Bürgertaxi wären. Wenn man sieht, wie vielen Gebäuden in den Ortszentren der Leerstand droht, macht das schon bange. Ich würde mir wünschen, dass die entsprechenden Förderprogramme mehr genutzt werden. Wenn die Menschen immer älter werden, müssen wir versuchen zusammenzurücken und uns gegenseitig unterstützen, wen die Kinder weggezogen sind. Dazu müssen aber Strukturen geschaffen werden, die eine solche Hilfe möglich machen.

BZ: Mit dem Rückgang der Bevölkerungszahl sinken auch die Zuweisungen des Bundes. Können Sie gegensteuern?
Köpfler: Das kann man nicht auffangen, deshalb sind die Einnahmen aus den Stadtwerken, dem Wald und der Kiesgrube in Reiselfingen so wichtig.
BZ: Wie soll es mit der Verschuldung der Gemeinde weitergehen?
Köpfler: Solange das Stadtsanierungsprogramm läuft, sollten wir auch investieren, müssen aber gleichzeitig auch darauf achten, dass der finanzielle Spielraum der Gemeinde nicht eingeschränkt wird. Wir müssen weiterhin eigenständige Entscheidungen treffen können, um Dinge, die wir erreicht haben, auch halten zu können. Und dazu brauchen wir Geld. Auch durch die Nahwärmeversorgung bleibt das Geld in der Region.

BZ: Was können Sie tun, um die Grundschulen in den Ortsteilen zu halten?
Köpfler: Dieses Thema ist nach der jüngsten Gemeinderatsentscheidung, die die Weichen für die Zukunft bereits gestellt hat vom Tisch. Da wird kein neuer Bürgermeister mehr Handlungsspielraum haben. Und ich halte diese Entscheidung auch für richtig.

BZ: Was wollen Sie tun, um die Entwicklung der Ortsteile zu stärken?
Köpfler: Wir müssen das Eigenleben der Ortsteile stärken, in dem man ihnen Wertschätzung entgegenbringt. Da sind auch die Ortschaftsräte in der Pflicht, Handlungsbedarf zu melden. Dabei können nicht alle Wünsche erfüllt werden, auch in Löffingen selbst nicht. Es darf aber nicht passieren, dass die Ortsteile gegenseitig das Gefühl haben, ins Hintertreffen zu geraten.
"Der finanzielle Spielraum

muss erhalten werden."

BZ: Sie sind SPD-Mitglied, wollen aber Bürgermeister für alle Menschen sein. Können Sie das den Bürgern vermitteln?
Köpfler: Komisch, aber danach bin ich während meines Wahlkampfs von Bürgern noch nie gefragt worden. Ich glaube nicht, dass man in so einer kleinen Gemeinde ein Parteiprogramm als Bibel sehen muss. Schließlich versucht auch im Gemeinderat keiner, ein Parteiprogramm durchzudrücken. Das Gleiche gilt für den Bürgermeister. Auch für meinen Wahlkampf habe ich kein Geld von der SPD bekommen, sondern alles selbst finanziert.

Alle veröffentlichten Texte zur Wahl finden Sie gesammelt in unserem Dossier: http://www.mehr.bz/wahl-loeffingen
von wun
am Sa, 23. November 2013

ZUR PERSON: DIETER KÖPFLER

aus Unadingen ist 46 Jahre alt. Er war mit Susanne Köpfler-Walz verheiratet, seit 2005 ist er verwitwet. Aus dieser Ehe hat er zwei erwachsene Stiefsöhne. Nach Realschule in Löffingen und Berufskolleg in Neustadt absolvierte er eine Lehre als Bankkaufmann bei der Volksbank Löffingen. Danach leistete er 1988 bis 1989 Zivildienst als Rettungssanitäter beim Roten Kreuz. 2003 legte er die Prüfung als Betriebswirt VWA ab. Seit 2009 bei der Sparkasse Bonndorf-Stühlingen tätig. Seit 2004 ist er Mitglied im Gemeinderat, seit 2009 stellvertretender Bürgermeister. Er ist Vorsitzender des Wirtschaftsverbundes Löffingen-Friedenweiler-Eisenbach und Mitglied des Aufsichtsrats der Baugenossenschaft Löffingen sowie zahlreicher Vereine.  

Autor: wun

Badens beste Erlebnisse