Ein Großer auf dem Hocker

ZUM ERSTEN, ZUM ZWEITEN, ZUM DRITTEN: Juri Junkov porträtierte Bob Geldof.

LÖRRACH. Bildende Künstler aus der Region unterstützen die BZ-Weihnachtsaktion "Hilfe zum Helfen". In die Kunstaktion "Zum Ersten, zum Zweiten, zum Helfen" geben sie Arbeiten, die am 16. November versteigert werden. Die Arbeit der Künstler wird honoriert, statt einer Verkaufsprovision fließt ein Teil des Erlöses an die BZ-Weihnachtsaktion. Dieser doppelte Effekt fördert die regionale Kunstszene und hilft armen Menschen im Landkreis. Bis zur Auktion stellen wir alle Künstler vor. Heute: Juri Junkov.

Der Beitrag für die Auktion:
Große Fotografien haben eine besondere Wirkung, findet Juri Junkov, doch müsse des Format deshalb nicht jedes Jahr größer und größer werden. Für die Kunstauktion hat er sich heuer für ein etwas kleineres Werk entschieden, und auch thematisch weicht er von den Landschaftsbildern ab, die er bis dato in die Auktion gab. Seine Studioaufnahme "Bob Geldof" hat er im HDR-Stil bearbeitet und dabei manches Detail, die darauf existieren, in anderer Form nachgebaut. Für den Künstler ist der irische Rockmusiker eine sehr bedeutende Person, einer, der etwas geleistet hat. Als Beispiele nennt Juri Junkov die Hauptrolle im Musikfilm "The Wall" von Pink Floyd, zudem die Tatsache, dass Geldorf Hauptinitiator weltweiter Benefizprojekte war. Das waren die Band Aid und das weltumspannende Konzert "Live Aid" im Juli 1985 sowie Band-Aid-II und Band Aid 20 in den Jahren 1989 und 2004 – alle zugunsten der hungernden Bevölkerung Afrikas. 1986 wurde er von der englischen Königin Elisabeth II zum Ritter geschlagen. Dass er sich so sehr für hungernde Menschen engagierte, passt gut zu der BZ-Weihnachtsaktion "Hilfe zum Helfen". Übrigens spendiert Juri Junkov dem, der sein Werk ersteigert, zusätzlich den Barhocker, auf dem Bob Geldof bei der Aufnahme saß.

Aus der Werkstatt:
Juri Junkov lässt sich nicht von der täglichen Hektik einnehmen und versucht auch, wenn er gerade für die Presse einen Auftrag erledigt, die Fotos etwas künstlerischer zu gestalten. Dass ihm das oft gelingt, kann der Leser bemerken. Trotz der Hektik findet er immer wieder Zeit für das, was das Leben der Menschen schöner macht, und denkt neben konkreten Arbeiten auch an zukünftige Projekte. Gegenwärtig lebt in seinen Gedanken schon die große Ausstellung "Begegnungen", mit der er in den kommenden sechs Monaten beschäftigt sein wird. Dabei werden seine Porträtfotos von Lörracher Persönlichkeiten aus der gleichnamigen wöchentlichen BZ-Serie – das werden dann 200 Bilder sein – gezeigt. Es handelt sich also um ein bedeutendes Projekt für die Stadt. "Bei dieser Menge Fotos sind das Dimensionen, die man sich kaum vorstellen kann", erzählt Juri Junkov. Wenn man jedes davon auf 50 x 100 Zentimeter ausdrucke und auf Verbundplatte aufziehe, bekomme man einen 600 Meter hohen "Berg". Das zeige nicht bloß, wie viel Arbeit dahinterstecke, sondern vermittele auch einen Eindruck von den enormen Materialkosten. Gerade sucht der Fotograf Wege, diese Kosten irgendwie stemmen zu können – und Sponsoren, denn "alleine schaffe ich das auf keinen Fall."

Der Einzelne für die Gesellschaft:
Die Gesellschaft solle weniger egoistisch werden und mehr an den Nächsten denken, meint Juri Junkov. "Denken", so fügt er gleich darauf hinzu, "ist vielleicht zu abstrakt, ich meine schon ’helfen’, und zwar nicht unbedingt mit Geld." Oftmals sei ein Rat, ein gutes Wort oder ein Lächeln genug, damit jemand Kraft bekommt, um weiterzugehen. Im Leben gehe es nicht immer um Geld.

Die Verbindung zur BZ-Auktion:
Bei der BZ-Kunstauktion könne er einerseits anderen direkt helfen, andererseits bekomme man hier als Künstler die einmalige Möglichkeit, sein Werk beziehungsweise seine Werke zu zeigen und auf die Kunst in der Stadt Lörrach aufmerksam zu machen. Ein wichtiger Aspekt sei da die Vielfalt. Man müsse deutlich sehen, dass jeder Künstler Konkurrenz für den anderen sei – aber nicht im schlimmen Sinn. "Nur in der Konkurrenz wächst die Qualität und es öffnen sich neue Türen", sagt er.

Werk in der Auktion:
"Bob Geldof", 83 x 150 cm, Studioaufnahme auf 4 mm Alu-Verbundplatte (mit UV-Schutz volllaminiert), limitierte Auflage, Mindestgebot: 1600 Euro, der Käufer bekommt zum Bild auch den Barhocker, auf dem Bob Geldof saß.

Alle Porträts der Serie, die Arbeiten für Versteigerung und Ausstellung unter http://mehr.bz/kunstaktion
von Barbara Ruda
am Sa, 16. November 2013

DER KÜNSTLER: JURI JUNKOV:

In Taschkent in Usbekistan aufgewachsen, absolvierte Juri Junkov in Gorki eine umfangreiche Ausbildung zum Fotografen. Auch später, während eines Zeitungspraktikums und mehreren Arbeitsstellen bei Werbeagenturen, Zeitungen, Zeitschriften sowie Behörden hatte er immer einen Koffer mit Mittelformatkamera und kompletter Fotoausrüstung dabei. Sein sechsjähriges Journalistenstudium in Taschkent schloss er mit Diplom ab. 1991 zog Juri Junkov mit seiner Familie nach Deutschland ins Dreiländereck, wo er seitdem für viele Auftraggeber arbeitet, darunter öffentliche wie die Stadt Lörrach, die Duale Hochschule und die Kliniken des Landkreises, Firmen wie Endress & Hauser oder Kaltenbach sowie Zeitungen wie die Badische Zeitung, in der unter anderem wöchentlich Porträts des Cross-Media-Producers, Fotografen und Künstlers von Lörracher Persönlichkeiten veröffentlicht werden.  

Autor: rud

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