Ein klares Profil für das Gewerbe

Bürgermeisterkandidatin Claudia Warth macht Wahlkampf in Gundelfinger Malerbetrieb.

GUNDELFINGEN. Anna und Paul: Diese beiden Namen dürften für Bürgermeisterkandidatin Claudia Warth so etwas wie das Sinnbild fehlender Vermarktung sein. Warum heißt das "Anepa-Center" im Gewerbegebiet in Gundelfingen so, wie es heißt? "Es waren die zusammengesetzten Vornamen der ersten Besitzer", sagt Kurt Eckert, der heute für die Flächen auf dem Areal zuständig ist. Das war’s. Zufall. Für Warth ist das zu wenig. Als Bürgermeisterin würde sie dem ganzen Gewerbegebiet vor den Toren Freiburgs ein klares Profil geben. So lautet ihre Botschaft beim Wahlkampftermin in den Räumen von Maler Menz.

Die Kandidatin hört sich das Leid der kleinen Handwerksbetriebe an. Vor allem sie seien es, die unzufrieden sind mit der Gemeindepolitik. "In den letzten 30 Jahren herrschte Stillstand, was die Entwicklung des Gewerbegebiets anbelangt", sagt Michael Fesenmeier, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Handel, Handwerk, Dienstleistungen im Verwaltungsraum Gundelfingen (AHA). Das Märktekonzept, das die Ansiedlung von Unternehmen regelt, sei veraltet und basiere auf längst überholten Zahlen und Daten. Handwerksbetriebe hätten sich aber weiterentwickelt und bräuchten dringend bezahlbare Flächen, auf denen sie beispielsweise ihren Bauhof ausdehnen könnten. Doch der Platz ist rar. Versicherungsvertreter Eckert vermutet, dass die Besitzer der wenigen Flächen lieber darauf spekulieren, dass daraus Wohnfläche wird, als sie dem Handwerk zur Verfügung zu stellen. Wohnfläche lässt sich schließlich besser und teurer verkaufen. Im Vergleich zur Ortsmitte fühlt man sich am Ortsrand stiefmütterlich behandelt. "Viele Firmen sind schon weg", sagt Eckert.

Die Gundelfingerin Warth kennt die Probleme. Ihr Mann hat in der Nachbarschaft des Malerbetriebs eine Firma, die Druckerzeugnisse herstellt und Bilder digital bearbeitet. Warth selbst kennt sich als Vorsitzende der Händlergemeinschaft z’Friburg in der Stadt mit den Sorgen und Nöten der Dienstleister und des Gewerbes aus. Die Kandidatin betrachtet das Gundelfinger Gewerbegebiet darum als Teil der Gemeindeentwicklung – nicht als Klotz am Bein.

Warth ist kein Verwaltungsmensch. Zwar hat sie Politikwissenschaften und Öffentliches Recht auf Magister studiert und saß als Stadträtin für Junges Freiburg fünf Jahre lang im Freiburger Gemeinderat. Doch sie sagt selbst: "Mein Lebenslauf ist kein klassischer." Als Wirtschaftsfachwirtin und Journalistin will die 33-jährige Mutter zweier Kinder den Blick von außen in das Bürgermeisteramt mit einbringen.

Wie es sich für ein Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen gehört, hat sie beim Rundgang im Anepa-Center ihren Fahrradhelm unter den Arm geklemmt. Kurze Wege sind ihr wichtig. Einkaufen im Heimatort sei ein wiederkehrender Trend, den man nutzen müsse. Sie will sich neue Verkehrskonzepte überlegen, die eine alternde Gesellschaft mobil halten. Auch die Gemeindehomepage will sie zeitgemäßer gestalten. "Dort bekommt man als auswärtiges Unternehmen nicht gerade ansprechend vermittelt, welche Gewerbeflächen noch frei sind", sagt Warth. Aus ihrer Sicht muss die Gemeinde die Stelle eines Wirtschaftsförderers schaffen, der die kleinen Einheiten vermarktet. "Das ist der Vorteil von Gundelfingen, weil wir Großindustrie hier nicht ansiedeln können." Zudem dürfe man nicht Dienstleister gegen Handwerker ausspielen. "Wir brauchen einen guten Branchenmix."

Viele neue Ideen will Warth umsetzen. Dabei bleibt sie stellenweise vage. So sei es wünschenswert, dass Kunden nach ihrem Einkauf in der Ortsmitte auch noch ins Gewerbegebiet fahren. Wie man die Kunden aber locken könnte, bleibt zumindest bei dem Wahlkampftermin offen.

"Gundelfingen hat alles, die Menschen müssen das nur erkennen", sagt Warth. Stimmt nicht. Eins hatte Gundelfingen bisher noch nicht: eine Frau als Bürgermeisterin. Warth will das ändern.
von Max Schuler
am Sa, 27. September 2014

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