Ein Örgelchen fürs Wesentliche

BZ-SERIE:In der evangelischen Kirche in Glottertal tut seit mehr als 40 Jahren eine kleine Truhenorgel ihren Dienst.

GLOTTERTAL/DENZLINGEN. Bescheiden steht sie da. In Größe und Form nicht besonders auffällig, in ihren Proportionen passend zu Altar, Kanzel und Taufbecken. "Unser Örgelchen passt genau in diesen Raum und in diese Gemeinde", findet Brita Maria Kopf, die Kirchenmusikerin. Seit gut 40 Jahren ist die Truhenorgel Bestandteil der evangelischen Kirche und begleitet Menschen bei ihren Festen, Gottesdiensten, gemeinschaftlichen Zusammenkünften und Konzerten.

Denn genau dafür sollte eine Orgel auch da sein, meint Brita Kopf. "Die Orgel dient dazu, den Gemeindegesang zu begleiten, nicht dazu, ihn zu erschlagen". In vielen Kirchen stünden viel zu große Orgeln. Die 54-Jährige kümmert sich als Kirchengemeinderätin der evangelischen Kirchengemeinde für Denzlingen, Heuweiler und Glottertal um das Gelingen der Kirche vor Ort. Als Kirchenmusikerin bringt die Cellistin dabei auch ihr eigenes Können und Wissen ein. So entstand auch für dieses Jahr wieder ein bunte s kulturelles Programm mit Begegnungen zwischen Musik und Spiritualität, Kunst, größeren Konzerten und kleineren Geschichten. Mit dabei ist stets die unscheinbare, kleine Orgel.

Flexibler Einsatz dank Rädern

Mit etwa 500 Gemeindemitgliedern sowie Gästen von fern und nah, auch aus den Kliniken, ist die evangelische Kirchengemeinde die kleinere der christlichen Gemeinschaften im Glottertal. Seit 1971 finden etwa 70 Menschen auf den Stühlen im Hauptraum unter dem Zeltdach Platz. "Unsere Kirche ist familiär und gemütlich", sagt Brita Kopf.

Mit vier Registern (Bourdon, Rohrflöte, Prinzipal und Zimbel) und einem Manual, also einer Tastatur, ist die Truhenorgel ein sogenanntes Positiv. Als solche werden Orgeln bezeichnet, die sich leicht versetzen lassen und die auf Grund ihrer Größe und ihres Klangvolumens bestens in kleinere Räume passen.

Die Truhenorgel der evangelischen Kirche kann auf Rädern bewegt werden und ermöglicht damit grundsätzlich eine flexible Nutzung. Intensität und Lautstärke lassen sich neben dem Spiel des Organisten auch durch die beiden Flügeltüren sowie durch die Öffnung des Deckels variieren. Neben der Begleitung der Gottesdienste stehen für die Kirchenmusiker an den Feiertagen besondere Werke auf dem Programm. Zudem sind musikalisch begleitete Geschichten zur Bibel und Ausflüge geplant. Das Jahresprogramm ist so gut wie fertig, der Auftakt ist Mitte März.

So erhält die kleine Orgel ihren ersten großen Einsatz am 15. März: Dann ist Bezirkskantor Herbert Deininger wieder zu Besuch. Wie bereits im vergangenen Jahr wird der Orgelsachverständige der Landeskirche auf der kleinen Truhenorgel spielen und damit Erzählungen von Werner Reiser und Kurt Marti begleiten.

Doch auch unter dem Jahr steht die Orgel für ein besonderes Konzept der Begegnung von Kirche und Kirchgänger: Denn der Organist sitzt nicht wie in vielen anderen Kirchen mit dem Rücken zum Publikum. Im familiären Kirchenraum sitzt der Musiker der Gemeinde zugewandt und kann so auch mit ihr kommunizieren. "Das schafft Nähe", so Brita Kopf.

Die von Beton dominierte, klare Architektur der 1970er Jahre mit dem offenen Kirchraum, der sich zum Himmel hin in Zeltform erstreckt, die Schlichtheit der Wand- und Raumgestaltung und die gute Akustik tun ein Übriges und geben Raum für Wesentliches. Übrigens: Auch in der Pflege ist die kleine Truhenorgel wenig anspruchsvoll. Einmal im Jahr wird die Orgel gestimmt. Dazwischen kommt ab und an der Staubwedel zum Einsatz.
von Claudia Warth
am Fr, 30. Januar 2015

HEINTZ-ORGEL

- Firma:Orgelbau Heintz, Schiltach im Kinzigtal

- Baujahr:1971/72

- Register: 4 Bourdon, Rohrflöte, Prinzipal, Zimbel)

- Pfeifen: 336

Weitere Teile der BZ-Orgelserie gibt es unter mehr.bz/orgelserie
 

Autor: clw

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