BZ-Serie "Weinwege am Oberrhein" (18)

Ein ständiges Auf und Ab

Die BZ-Serie "Weinwege am Oberrhein" macht heute einen Abstecher zum Kaiserstuhl.Der schöne Neunlindenpfad führt von Endingen nach Ihringen – er ist offiziell 17,5 Kilometer lang.

Der Neunlindenpfad ist einer von acht neueren und gut ausgeschilderten Themenwegen – und vielleicht der schönste Weg, den Kaiserstuhl mit seinen Reben, Obstbäumen, Wäldern und Wiesen zu erkunden. Er schlägt einen Bogen von Endingen nach Ihringen, führt zu den drei höchsten Erhebungen, zwei Aussichtstürmen, mehreren Naturschutzgebieten und bietet zwei Einkehrmöglichkeiten. Offiziell ist er mit 17,5 Kilometern angegeben. Von Bahnhof bis Bahnhof sind es 21,5 Kilometer, ein paar ordentliche Steigungen mit insgesamt 700 Höhenmetern inklusive.

Als Start empfiehlt sich Endingen – und das, zumindest samstags, aus gutem Grund: Zum Wein gehört Käse, und in Endingen öffnet das Käserei-Museum mit dem Geschäft Monte Ziego am Freitag Nachmittag und am Samstag seine Pforten. Ein kostenloser Blick ins Museum und ein schönes Stück Ziegenkäse im Rucksack sind ein guter Anfang.

Durch das historische Städtchen Endingen hindurch und samstags über den bunten Wochenmarkt führt uns der durchgehend in weißer Schrift auf einem grünen Pfeil markierte Weg ins Erletal. Vorbei an einem Naturbadesee mit Wassertretstelle, die im Hochsommer den Weg in umgekehrter Richtung mit Badehose statt Käse im Rucksack nahe legen, kommen wir zur schönsten, garantiert autofreien Allee des Kaiserstuhls, der Gus-Zimmermann-Allee. Die prächtigen Kastanienbäume stehen so eng, dass gerade mal ein Fußweg Platz hat. Viele der durch Krankheiten bedrohten Bäume haben Paten gefunden, die sich für ihren Schutz durch eine spezielle natürliche Behandlung engagieren.

Links liegen Reben und Gärten, rechts Sportplätze, dahinter das Naturschutzgebiet Erletal, das "letzte noch erhaltene Gebiet des Kaiserstuhls mit größeren Feuchtstandorten" und entsprechendem Artenreichtum, so die amtliche Begründung. Trotzdem hatte Endingen immer Probleme mit der Wasserversorgung, woran das Erleloch, keine 100 Meter links vom Neunlindenpfad, erinnert. Der 100 Meter lange, zur Freude von Kindern immer noch begehbare Stollen brachte das kostbare Nass aus dem benachbarten Riedbachtal ins Erletal und nach Endingen.

Zurück am Neunlindenpfad taucht der Weg in den Buchenwald ein und führt streckenweise recht steil auf den 493 Meter hohen Katharinenberg.

Von Endingen bis zur Katharinenkapelle sind 300 Höhenmeter zu überwinden, als Lohn der Mühe für die ersten dreieinhalb Kilometer bietet ein Kiosk Vesper und Getränke. Den Turm kann man besteigen, wenn er nicht gerade wegen Bauarbeiten verschlossen ist.

Die Gefahr besteht beim nächsten Etappenziel, dem 3,5 Kilometer entfernten Eichelspitz-Turm nicht. Nach kurzem Abstieg kommt die erste Wiese in Sicht, die einen schönen Blick ins Innere des Kaiserstuhls, hinüber zum Totenkopf und hinaus in die Rheinebene erlaubt. Links der Buchenwald, rechts sonnenbeschienene Wiesen und Terrassen mit Reben und Obstbäumen, dazu ein ständiges Auf und Ab – so bleibt der Pfad über die Schelinger Höhe hinaus bis zum Vogelsangpass.

Am Waldrand, so erklärt uns eine Tafel, gibt es eine große Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren, weil dort zwei unterschiedliche Lebensräume aufeinanderstoßen. Auf dem Weg hinunter in die Senke am Fuß der 521 Meter hohen Eichelspitze ist das Naturschutzgebiet Haselschacher Buck und Badberg zu sehen. Der Trockenrasen beherbergt nicht nur seltene Pflanzen, sondern auch die berühmte Gottesanbeterin.

Vor dem nächsten Aufstieg verlassen wir den Neunlindenpfad für ein kurzes Stück und gehen nach links einen schmalen Weg hoch zum Aussichtsturm, der unter anderem einen überwältigenden Blick auf das Schwarzwaldpanorama erlaubt.

Parallel zum Neunlindenpfad führt der Abstecher zurück auf den markierten Weg und hinunter zum Vogelsangpass, der von kleinen Rebterrassen eingerahmt ist. Der Blick auf Haselschacher Buck und Badberg bleibt uns erhalten, dazu kommt Alt-Vogtsburg, das nach der Kommunalreform der neuen "Stadt" den Namen gegeben hat.

Mehrere Tafeln erklären, was der Wanderer zwischen Neunlinden und Mondhalde sieht, ein historisches Panorama belegt den Wandel vom Acker- und Obstbau zum heute dominierenden Weinbau.

Zwischen geparkten Autos am Vogelsang hindurch geht es zwei Kilometer weiter in Richtung Neunlindenturm. Vorbei an einer mannshohen Skulptur zweier Wanderer des Bildhauers Andreas Hösch erwartet uns mit knapp 200 Höhenmetern das steilste Stück der ganzen Tour. Dort schiebt mancher Mountainbiker nicht nur bergauf. Immerhin: Oben angekommen, tröstet eine Tafel mit dem Hinweis, dass "die höchste frei zugängliche Erhebung des Kaiserstuhls" erreicht ist. Bis zur Reformation stand dort das Paulinerkloster.

Heute belohnt der massive Aussichtsturm mit einer beeindruckenden Aussicht vom Schwarzwald bis zu den Vogesen die zahlreichen Wanderer für die Mühe von ein paar Höhenmetern mehr auf steinernen Stufen. Es wird für längere Zeit der letzte freie Blick ins weite Land bleiben, denn jetzt geht es erst steil bergab – noch ein bisschen steiler als vorher bergauf – und dann in mäßigem Auf und Ab durch den meist lichten Wald.

Mühevolle Schufterei

in den Rebbergen

Sechs Kilometer sind es vom Neunlindenturm bis zum Haltepunkt Ihringen der Breisgau-S-Bahn. Am warmen Südrand haben Eichen, Elsbeere und Waldahorn einen idealen Standort gefunden. Erst der Lenzenberg mit dem gleichnamigen, bis in ein großes Zelt hinein gut besuchten Restaurant bietet einen Ausblick Richtung Süden auf die sanft geschwungenen Terrassen mit den Ihringer Weinlagen vom Lotberg bis zum Winklerberg und darüber hinaus in die Rheinebene.

Für den Abstieg nach Ihringen bietet sich als interessante Variante zu den letzten zweieinhalb Kilometern des Neunlindenpfades die Alte Lenzenberggasse an: eine steile, streckenweise mühsame und absolut nicht kinderwagentaugliche Abkürzung durch einen schmalen Hohlweg, der daran erinnert, wie mühsam früher die Arbeit in den Rebbergen war. Ein Geländer und zahlreiche steinerne Stufen erleichtern den Abstieg, der mal unter Schatten spendenden Sträuchern, mal über schmale, helle Terrassen verläuft. Ab und zu lädt eine Bank zum Verweilen ein – und zum Blick auf die Uhr. Denn samstags und sonntags fährt das Breisgau-S-Bähnle am späten Nachmittag nur stündlich.

Am Fuß des Lenzenbergs sind die ersten Häuser von Ihringen erreicht. Nach 200 Metern auf der Maienbrunnenstraße weist ein kleines Schild nach links in die Scherkhofenstraße und in Richtung Bahnhof.

Etliche Weingüter und die Winzergenossenschaft demonstrieren nicht nur die Bedeutung des Weinbaus für die Gemeinde, sie sind auch eine Versuchung, direkt beim Erzeuger ein Tröpfchen, unter Umständen sogar ein hochprozentiges, mit auf den Heimweg zu nehmen.

Morgen lesen Sie: Noch Luft nach oben: Der Südwesten und der Weintourismus

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von rm
am Fr, 29. April 2016 um 08:44 Uhr

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