Ein Viertel der Bürger trägt die zehn häufigsten Namen

BZ-SERIE: Vier der Familiennamen in Eichstetten gehen auf alte Rufnamen zurück, nämlich Rinklin, Bär, Hiss und Trautwein .

EICHSTETTEN. Seit einem Vierteljahrhundert befasst sich der Freiburger Sprach- und Literaturwissenschaftler Konrad Kunze mit der Herkunft unserer Familiennamen. In der BZ erklärt er in einer Serie, welche Wurzeln Namen haben, die in der Region häufig vorkommen. Heute geht es um die häufigsten Namen in Eichstetten.

In Eichstetten trägt ein Viertel der Einwohner (25,6 Prozent) die zehn häufigsten Namen Meier (134), Rinklin (102), Schmidt (101), Bär (80), Hiss, Hiß (79), Danzeisen (74), Trautwein (58), Berger (40), Hornecker (38) und Wiedemann (31). Vier dieser Namen gehen auf alte Rufnamen zurück. Bei den Rinklins handelt es sich um Nachkommen eines Mannes namens Ringwald. Alte Kurzformen dieses Rufnamens waren Ringo, Rinko und Ringilo, die noch in Ortsnamen wie Ringsheim und Rinklingen stecken. Als Familienname ist die unverkürzte Form Ringwald bei rund 1500 Menschen im Elztal, im Breisgau und in der Ortenau zu finden, und der aus der Kurzform Ringlin entstandene Name Rinklin bei etwa 280 Personen, die hauptsächlich in Eichstetten und den umliegenden Orten wohnen. Möglich ist auch ein Übername für einen Handwerker, der Ringe hergestellt hat, sei es zum Schmuck, seien es stählerne Ringe für Panzerhemden.

In Deutschland heißen rund 15 300 Menschen Bär, 8100 Bähr, 5100 Baer und 1300 Baehr. Alle Schreibweisen konzentrieren sich vor allem in Nordbayern, Thüringen und Sachsen, sodann in Baden, hauptsächlich in der Ortenau und im Breisgau, und hier wohnen die meisten, allerdings fast nur Bär geschrieben und einige wenige Bähr, in Eichstetten, wo drei Prozent der Bevölkerung so heißen. Es kann ein Übername sein für bärenstarke Menschen, aber in der Regel handelt es sich um Nachkommen von Männern mit Rufnamen wie Berulf, Berwald, Berwin oder Bernhard, die man kurz Bero gerufen hat, woraus zahlreiche Familiennamen wie Beer und Bär entstanden sind.

Der Rufname Matthias wurde und wird heute noch gern zu Matthis verkürzt. Daraus entstanden Familiennamen wie Matthis (in Weisweil 2,3 Prozent der Einwohner), auch Matthiss, Matthiß, zum Beispiel in Pfaffenweiler und Lahr. Das kann man weiter verkürzen, und zwar zu Hiss (rund 490) und Hiß (380), die in Eichstetten konzentriert und sonst im Breisgau verteilt sind. Auch der Name Trautwein geht auf einen Rufnamen, nämlich Trutwin, zurück. Als Familienname ist Trutwin noch in einigen wenigen Fällen in Norddeutschland erhalten, meistens aber ist daraus hochdeutsches Trautwein geworden. Der Name hat also nichts mit Wein zu tun, sondern beruht auf den alten Wörtern trut "traut, lieb" und wini "Freund". Die circa 3300 Menschen dieses Namens finden sich einerseits in Thüringen, andererseits in Südwestdeutschland, im Breisgau besonders in Freiburg und Eichstetten.

Ein auf das Schmiedehandwerk bezogener Übername ist Danzeisen, weil der Schmied mit dem Hammer das Eisen auf dem Amboss zum Tanzen bringt. In Freiburg ist im Jahre 1460 ein Mann namens Tanzysen als Besitzer des Hauses "zur großen Zange" bezeugt. Die meisten der insgesamt rund 130 Danzeisen wohnen in Eichstetten, einige in Teningen und Freiburg. Auch Wiedemann geht auf einen Beruf zurück, nämlich den Verwalter eines Wittums, das heißt eines kirchlichen Gutes. Solche Verwalter heißen in der hiesigen Gegend meist Wi(e)demer, Widmer oder Wittmer, in Württemberg Widmann, in Nordbayern Wittmann, in Südostbayern Wimmer. Die Form Wiedemann ist dagegen ganz im Bereich des alten Bistums Augsburg konzentriert. Es wäre daher eine interessante Frage, wann und woher die Wiedemann nach Eichstetten gekommen sind.

Aufgrund ihrer Herkunft oder ihrer Wohnstätte haben die Berger und die Hornecker ihre Namen erhalten. Berger gehört mit circa 71 600 Personen zu den häufigsten Namen in Deutschland. Die Vorfahren haben an oder auf einem Berg gewohnt oder stammten aus einem der mehr als 130 Orte namens Berg. Der Familienname ist überall verbreitet. Dagegen finden sich die insgesamt etwa 210 Hornecker fast nur in Eichstetten, Emmendingen, Waldkirch und Freiburg, einige wenige allerdings auch weit entfernt in Schleswig-Holstein. Dazu kommen noch circa 250 Horneck, vor allem im Raum Frankfurt am Main. Sie müssen auf entsprechende Orts- oder Flurnamen zurückgehen, vergleichsweise Horneck in Bayern oder Burg Horneck am Neckar.

von Konrad Kunze
am Sa, 08. Oktober 2016

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