Wohnen in Freiburg

"Ein Wahnsinn"

BZ-SERIE (TEIL 1): Als Christoph Walczuch nach Freiburg ziehen wollte, ahnte er nicht, was bei der Wohnungssuche auf ihn zukommen würde.

Sie hatten gesucht. Und wie sie gesucht hatten. Ein halbes Jahr hatten Christoph Walczuch und seine Freundin praktisch nichts anderes getan, als nach einer Wohnung zu fahnden. Endlich zogen sie aus ihrer geräumigen Wohnung in Oberrotweil in eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Zähringen – für 595 Euro Miete plus 220 Euro Nebenkosten. Und was sagen sie dazu? "Wir hatten wahnsinniges Glück." Willkommen auf dem Freiburger Wohnungsmarkt.

Zwei Zimmer, Küche und Bad auf 62 Quadratmetern, das ist nicht viel Platz für zwei Personen. Der Ausblick aus dem Mehrfamilienhaus auf die Hochhäuser Zähringens ist auch nicht idyllisch, dafür ist die Hausgemeinschaft nett. Insgesamt, findet Christoph Walczuch, haben er und seine Freundin es gut erwischt: "Wir fühlen uns gut aufgehoben in diesem Haus, in dieser Wohnung." Aber "es kostet zu viel", nämlich alles in allem 815 Euro pro Monat. Aber meckern will er nicht. Zu aufreibend war die Suche, zu glücklich die beiden, als es endlich klappte.

Vor ungefähr einem Jahr hatten der 28-Jährige und seine drei Jahre jüngere Freundin überlegt, nach Freiburg zu ziehen. Christoph Walczuch ist Kaufmann, pendelte von Oberrotweil nach Schopfheim. Dann bekam seine Freundin Arbeit in Freiburg und auch er hat jetzt eine Stelle im Industriegebiet Nord. Da lag der Gedanke nahe, auszuziehen aus ihrer günstigen, ausgebauten Drei-Zimmer-Dachwohnung im Kaiserstuhl ("der schönsten Gegend Deutschlands", wie Christoph Walczuch etwas wehmütig sagt) und sich in Freiburg umzuschauen.

Walczuch ist ein vernünftiger, reflektierter Typ. Abends studiert der Kaufmann zusätzlich Betriebswirtschaftslehre; schon von daher hat er einen realistischen Blick auf Angebot und Nachfrage. Wenn er jedoch erzählt, wie es zugeht, wenn man in Freiburg eine Wohnung sucht, dann schüttelt er unwillkürlich immer wieder den Kopf. Da war die Wohnung im fünften Stock eines Hochhauses ("keine Schönheit"), in der der Vormieter unumwunden kundtat, er wolle nicht neu streichen, obwohl er dazu verpflichtet sei – aber bei der Wohnungsnot... "Wir sind dann gegangen, das war unverschämt." Dann gab es eine Wohnung in der Wiehre, die erst in zwei Monaten frei werden würde und nur von außen betrachtet werden durfte, wahrscheinlich weil die Decke bröselte. Dann war da die Wohnung mit dem unnötigen Stellplatz, der 26 000 Euro extra kosten sollte, "ein Wahnsinn". Dann gab es die sehr schöne, große Wohnung am Seepark, 85 Quadratmeter für 690 Euro warm, wo beim Besichtigungstermin 120 Leute bis auf die Straßen hinaus Schlange standen, "katastrophal". Die Wohnung in Alt-Herdern hätten sie fast bekommen, aber die Vermieter entschieden sich dann für eine Krankenschwester im Schichtdienst, "schade, aber okay". Am bizarrsten: die Wohnung mit zwei Zimmern in der Turmstraße für 1300 Euro. Kalt.

Ein halbes Jahr lang suchte das Paar, und es war keine schöne Zeit. "Wir haben uns behandelt gefühlt wie auf einer Auktion: Wer mehr bietet, bekommt den Zuschlag." Bei drei Vierteln der Vermieter mussten sie einen Bogen mit Auskünften zu Beruf und Gehalt ausfüllen. An manchen Tagen trafen sie um 10, um 12 und um 14 Uhr immer wieder dieselben Makler und dieselben Interessenten. Eigene Annoncen in Zeitungen und im Internet fanden kaum Resonanz. "Es war zum Verzweifeln", sagt Walczuch. "Wir fragten uns irgendwann: Hinterlassen wir so einen schlechten Eindruck?" Und er sagt: "Wir können von Glück sagen, dass wir keine Kinder haben, sonst wäre es aussichtslos."

Schließlich klappte es. Um halb ein Uhr mittags tauchte ein Inserat im Internet auf: "WG gesucht". Eine halbe Stunde später rief Christoph Walczuch an, die Vormieter, die früher raus wollten als sie mussten, sagten "kommen Sie vorbei" und sagten den beiden zu – ohne Maklerprovision. Jetzt wohnt das Paar in Zähringen und sagt: "Für uns ist das der Anfang." Irgendwann, sagt Christoph Walczuch, möchte er mal in einem eigenen Haus wohnen, "aber wie das klappen soll, ist natürlich die Frage". Es wird wohl, sagt er, aufs Umland hinauslaufen, Denzlingen oder so. Denn in Freiburg, sagt er bedauernd, da werden sie sich wohl kaum etwas Eigenes leisten können.

Nächstes Mal lesen Sie:
Von der Schwierigkeit, in Freiburg
eine passende Immobilie zu kaufen.
von Simone Lutz
am Sa, 19. Januar 2013

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