Lahr

Eine Ausstellung erzählt die Geschichte der Deutschen aus Russland

Im Gemeindehaus der Martinskirche wird Geschichtsunterricht über Migration und Integration der Spätaussiedler vermittelt. Die Ausstellung will helfen, Vorurteile abzubauen.

Mit einhergehen soll eine bessere Akzeptanz russlanddeutscher Spätaussiedler in der Gesellschaft.

Zusammengestellt wurde die Ausstellung von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland mit Sitz in Stuttgart. Zur Eröffnung hätte Olga Held sprechen sollen. Als Sozialreferentin in der Landsmannschaft hatte sie über Jahrzehnte für die Belange der Spätaussiedler eingesetzt. Im Januar ist sie an den Folgen einer Krankheit gestorben. An sie erinnerte Olesja Rudi, die stellvertretende Vorsitzende der Ortsgruppe.

Geschichte kennen, um Zukunft zu gestalten

Wer die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten wolle, erklärte Pfarrer Raimund Fiehn in einem Appell an die Ausstellungsbesucher, sollte auch die Geschichte kennen. Dafür war Projektleiter Jakob Fischer mit Bildern, Daten und geschichtliche Zusammenhängen zuständig. Gespannt wurde der Bogen von der Ausreise von Deutschen in das Russische Reich im 18. Jahrhundert, die durch die deutschstämmige Zarin Katharina die Große ausgelöst wurde. Ausführlich wurde auf die deutschen Siedlungen an der Wolga, im Kaukasus und in der Ukraine eingegangen, aber auch auf die Folgen von zwei blutigen Kriegen und die daraus resultierenden Konflikte mit den Nachfahren der deutschen Auswanderer in der späteren Sowjetunion. Fischer machte die Folgen deutlich: Pogrome, Deportationen, Enteignungen und Repressalien bis zum Verbot der deutschen Sprache. Eine Folge sei die Auswanderung zurück nach Deutschland gewesen.
Die Wanderausstellung "Integration als Erfolgsgeschichte. Deutsche aus Russland. Geschichte und Gegenwart" ist noch bis Sonntag, 16. Februar, im Gemeindehaus an der Martinskirche zu sehen. Der Eintritt ist frei. Infos bei Jakob FischerTel. 0171/ 4034329, E-Mail J.Fischer@LmDR.de

"Die Mehrheit der Russlanddeutschen ist inzwischen gut integriert", sagte Fischer, "sie steht für ein Beispiel der gelungenen Wiedereingliederung in Deutschland." Die Wanderausstellung sei geeignet, dem Informationsdefizit über Kultur und Geschichte der Russlanddeutschen zu begegnen. Fischer hofft, dass sich viele Lahrer Schulen für Führungen anmelden. Zum besseren Verständnis zwischen den Russlanddeutschen und Lahrern trägt auch der Deutsch-Russischen Chor bei, der am Donnerstag einen Auftritt hatte.

Spätaussiedler als Unternehmer in der Stadt

Beispiele gelungener Integration im Lahrer Wirtschaftsleben steuerte Olesja Rudi bei. Sie beleuchtete Firmengründungen durch Spätaussiedler, positive Signale ihrer Landsleute auf dem Gebiet der Schulen, des Sports, der Kultur und der Kommunalpolitik. Ihr Bekenntnis zum Schluss: "Die Deutschen aus Russland sind Lahrerinnen und Lahrer geworden".
von Wolfgang Beck
am Mo, 10. Februar 2020 um 06:15 Uhr

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