Eine Erfindung aus Oberried erobert die Bienenwelt

BZ-SERIE: Franz-Josef Winterhalters neuartiger Bienenkasten findet immer mehr Interessenten in ganz Deutschland.

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Imker Franz Josef Winterhalter aus Oberried hat einen neuartigen Bienenkasten entwickelt. Ende März berichtete die BZ über den Tüftler. Und sein System weckt immer mehr Interessenten. Denn in den vergangenen Monaten meldeten sich zahlreiche Imkervereine und Einzelimker aus dem gesamten Bundesgebiet bei Winterhalter, die an näheren Auskünften zu seinem Verfahren interessiert waren. Der BZ-Artikel hat für viel Aufmerksamkeit gesorgt.

Gern war und ist Winterhalter bereit, Auskünfte zu geben, er ist Überzeugungstäter. Statt seine Erfindung mit einem Patent zu kommerzialisieren, stellt er gegen eine geringe Schutzgebühr eine Bauanleitung für die sogenannte Zwillings-Trogbeute zur Verfügung. Dazu gibt er viele Tipps zur effizienten Betriebsweise. Winterhalter betreibt die Imkerei seit mehr als 50 Jahren. Als umtriebiger Geist war er auf der Suche nach Methoden zur Vereinfachung der aufwendigen Bienenhaltung und einer naturnahen Pflege.Für ihn ist die Bedrohung der Bienen durch Umweltgifte wie Glyphosat todernst. Für ihn ist der Bienen-Super-GAU nur noch durch das Verbot der Gifte zu verhindern. Und auch seine, das Imkerhandwerk vereinfachende Weiterentwicklung könnte einen Teil dazu beitragen. "Ich hoffe, dass sich viele Nachwuchs- und Neuimker durch das bequemere und effizientere Handling einer Zwillings-Trogbeute motivieren lassen, diese schöne und befriedigende Tätigkeit auszuüben."

Sein Bienenkasten ist eine Zwillings-Trogbeute. Beute ist der Fachbegriff für die Bienengehäuse, die im Volksmund Bienenkästen oder – ganz falsch – Bienenstöcke genannt werden. Für Winterhalter war das übliche Handling mit Breitwabenbeuten höchst umständlich. Die ständig wiederkehrenden Arbeiten wie Fütterung, Reinigung, Kontrolle, Honigernte und Behandlung der schädlichen Varroa-Milbe gestalten sich bei gestapelten Beuten sehr mühevoll. Diese seien einzeln schwer zugänglich und würden daher bei diesen Tätigkeiten immer auseinandergerissen. Zudem würden die Bienenvölker jedes Mal gestört und Brutnester bei der Wabenentnahme oft zerstört. Seine Trogbeute hingegen sei leicht zugänglich. Die Waben entsprächen weit mehr der natürlichen von Bienenvölkern gebildeten Form. Winterhalter fand zudem eine Lösung für das Schwarm-Management durch Schwarmvermeidung. So werde dem Imker das aufwendige Wiedereinfangen ausgeschwärmter Völker erspart, sagt er. Zusätzlich eröffnete sich die Möglichkeit eines Zwei-Volk-Betriebs. In der Zwillings-Trogbeute mit je einem Flugloch auf beiden Seiten wird in dieser Zeit ein Trennschied eingezogen, ein großer Teil des Volkes mit der alten Königin und Jungbienen wird auf eine Seite gebracht. Die Flugbienen verlassen die Beute durch das ihnen nun zugängliche Loch, kehren durch das andere zurück, eine neue Königin wird aufgezogen und der Imker hat ein weiteres Volk mit einer jungen Königin gewonnen und die lästige Schwarmbildung vermieden. Weiterer Vorteil: Jeder einigermaßen handwerklich Begabte kann die Zwillings-Trogbeute selbst bauen. Alle benötigten Materialien bekommt man im Baumarkt.

Kontakt: Franz Josef Winterhalter, Tel. 07661-912168, E-Mail: fjwinterhalter@gmail.com

von Erich Krieger
am Di, 28. August 2018


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