Eine Orgel, die den Raum nicht füllt

BZ-SERIE: In Bötzingens St. Laurentius-Kirche steht eine viel zu kleine Orgel / Hoffen auf ein Instrument mit 15 Registern.

BÖTZINGEN. Eine Pfarrkirche, zwei Kapellen, einen Kindergarten und ein Büro samt Veranstaltungssaal hat die Pfarrgemeinde St. Laurentius mit ihrer Filiale St. Jakobus in Eichstetten zu unterhalten. Entsprechend vielfältig sind die Sanierungsaufgaben der an Mitgliedern recht kleinen Gemeinde, die zur Seelsorgeeinheit March/Gottenheim gehört. Entsprechend knapp sind dann auch deren finanzielle Mittel. Das führt derzeit dazu, dass in der Bötzinger Pfarrkirche eine viel zu kleine Orgel als Provisorium ihren Dienst tut.

Die Pfarrkirche St. Laurentius an der Sieglestraße hat eine lange Geschichte. Teile des zeitweilig gar als Simultankirche genutzten Gotteshauses stammen schon aus dem 13. Jahrhundert, um sie herum befand sich früher der konfessions- übergreifende Friedhof von Bötzingen. Doch eine Orgel hatte sie in all diesen Jahren nicht. Zwar hatten Orgelbauer schon des Öfteren Angebote für solc h ein Instrument vorgelegt, doch fehlte der Gemeinde das Geld. Dies änderte sich, als die Bötzinger Katholiken die Gelegenheit bekamen, die aus den 1930er Jahren stammende Schwalbennestorgel aus dem Freiburger Münster günstig zu bekommen. Die elektro-pneumatische Orgel der Freiburger Firma Welte war recht störanfällig und fiel einer Erneuerung der Orgelanlagen des Münsters zum Opfer. Renoviert wurde die Orgel dann von der Firma Freiburger Orgelbau aus Hugstetten, die sie auch um- und 1965 in Bötzingen einbaute. In St. Laurentius versah sie nun ihren Dienst bis zur Innenrenovierung der Pfarrkirche Ende 1990. Doch auch hier nahm mit der Zeit die bauartbedingte Störanfälligkeit des Instruments immer mehr zu, erläutert Klemens Scheuermann, selbst pensionierter Orgelbauer und langjähriger Pfarrgemeinderat, so dass sich die Gemeinde entschied, sie nicht wieder einzubauen und sie an ein bayerisches Orgelmuseum zu verkaufen. Die Einnahmen hieraus sollten den Grundstein für eine neue Orgel bilden.

Bis die Pfarrgemeinde aber genug Geld hierfür zusammen hat, wird die auf der Empore stehende Kleinorgel der Firma Egbert Pfaff aus Überlingen weiter ihren Dienst tun. Sie wurde 1982 für die Hauskapelle der Katholischen Akademie in Freiburg gebaut, fiel aber dort einer Renovierung Ende 1990 zum Opfer. St. Laurentius konnte das Instrument mit seinen neun Registern und 440 Pfeifen als Interimslösung günstig erwerben. Die zweimanualige Orgel mit Pedalwerk sowie mechanischer Spiel- und Registratur entsprach aber weder optisch noch akustisch den Anforderungen der Bötzinger Kirche, erinnert sich Scheuermann. Doch zahlreiche andere Bauprojekte ließen seinerzeit keinen Neukauf einer Orgel zu. Die Mensuration der Pfeifen, also das Verhältnis von Durchmesser und Größe der Pfeifen sowie die Intonation waren eigentlich auf die Bedürfnisse einer Hauskapelle ausgelegt. Die Firma Pfaff baute dann das Instrument 2001 in die frisch sanierte Kirche ein, wofür sogar ein Teil der Deckenverkleidung entfernt werden musste. Zudem steht die Orgel seitlich auf der Empore. So bleibt hier Platz für den Kirchenchor und das gestiftete Rundfenster mit dem abgebildeten Kirchenpatron ist weiterhin sichtbar.

Er selber habe dann versucht, berichtet Scheuermann, der seit 1976 in der Pfarrgemeinde aktiv ist, die Intonation auf die Gegebenheiten der Pfarrkirche anzupassen. Doch um hier den recht großen Raum mit Klang zu füllen, reiche der Wind- und auch der Schalldruck, den die kleinen Pfeifen erzeugen könnten, nicht aus. Dies sei schade, meint der in Freiburg geborene Orgelbauer, der in Hugstetten bei der Firma Späth sein Handwerk gelernt hat und später 44 Jahre für die Endinger Firma "Fischer + Krämer" arbeitete, weil die Pfaff-Orgel aufwendig gebaut sei sowie ein massives Gehäuse und wertige Pfeifen besitze.

Etwas Besonderes sei die sehr kompakte Bauweise, die zwei Manualkoppeln mit den zwei Pedalkoppeln sowie die Zwillingslade, auf der die oberen Register stünden und die dadurch von beiden Manualen spielbar seien.

Doch die Bauweise auf engstem Raum mache das Instrument auch für Fehler anfällig, so Scheuermann. Daher fänden sich viele Reguliermuttern schon leicht erreichbar hinter den Blenden über und unter dem Spieltisch. Doch dieses Nachstellen sei nur in den ersten Jahren in Bötzingen notwendig gewesen, als das Instrument sich den neuen klimatischen Bedingungen anpassen musste. Mittlerweile sei der Klang stabil. Dennoch sei die kleine Orgel eigentlich nicht geeignet für St. Laurentius, eine kleinere Kirchenorgel, mit etwa 15 Registern und einem Schwellwerk würden jedoch reichen. Er hoffe, betont Sch euermann, dass aus dem aktuellen Provisorium keine Dauerlösung werde.
von Mario Schöneberg
am Do, 05. Februar 2015

PFAFF-ORGEL IN BÖTZINGEN

- Firma: Egbert Pfaff, Überlingen

- Baujahr: 1982

- Register: neun mit zwei Manualen

- Pfeifen: 440

Weitere Teile der BZ-Orgelserie gibt es unter mehr.bz/orgelserie
 

Autor: bz

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