"Einmal Nüsslisalat für vier Wochen, bitte"

Hotels und Restaurants klagen über massenweise Stornierungen, in den Lebensmittelgeschäften bilden sich lange Schlangen an den Kassen.

BAD SÄCKINGEN. Weltweit steigt die Zahl der Covid-19-Infizierten. Das öffentliche Leben wird heruntergefahren und nur noch das Nötigste erledigt. So auch in Bad Säckingen, wo es wie überall anders auch Veranstaltungsabsagen hagelt. Die Lebensmittelmärkte erlebten am Freitag und Samstag einen Ansturm wie noch nie zuvor – mit langen Warteschlangen an den Kassen und zunehmend leeren Regalen.

"Es hagelt Stornierungen": Kevser Sagkol, Inhaberin des Hotel Restaurant Kater Hiddigeigei, fasst in einem Satz zusammen, was die Gastronomie und Hotellerie in Bad Säckingen derzeit erlebt. Zwar war das Restaurant während des Gespräches gut besucht, doch sah man ausschließlich Stammgäste an den Tischen sitzen. "Es kommen derzeit nur noch Einheimische und Stammgäste ins Restaurant", erklärt Sagkol. Die Hotelzimmer sind gänzlich leer. Allein während des vergangenen Fridolinsfestes habe sie 90 Stornierungen verbuchen müssen. Auch Tina David, Inhaberin der Fuchshöhle, verzeichnet mehr und mehr Stornierungen. "Wir haben viele Gäste aus der Schweiz und Frankreich. Die bleiben im Moment lieber zu Hause", sagt David.

Man merke die steigende Unsicherheit in der Bevölkerung. Diese strahlt auch auf den Einzelhandel aus. Leere Regale prägen derzeit das Ladenbild vieler Läden der Trompeterstadt. "Bei uns kaufen Kunden im Moment überdurchschnittlich viele Mengen ein", erläutert Katharina Kaiser, Marktleiterin des Edeka Schmidts Markts XXL auf dem Brennet-Areal.

Kaiser betont, dass sich Kunden keine Sorgen um Versorgungsknappheit machen müssen. Es kommen zwar derzeit weniger Waren nachgeliefert als üblich, "sollte aber wirklich einmal ein Lieferant nicht liefern können, ist unser regionales Netzwerk hervorragend ausgebaut". Das Unternehmen könne außerdem Lebensmittel selbst einwecken. Doch soweit müsse es gar nicht kommen. Mit extra angefertigten Aufstellern auf denen steht: "Sei fair zu deinen Mitmenschen", appelliert das Unternehmen an die Solidarität der Kunden und einen Einkauf von haushaltsüblichen Mengen. Volle Einkaufswagen auch bei Rewe und Kaufland.

Auch auf dem Bad Säckinger Wochenmarkt scheinen die Themen über das Virus allgegenwärtig. Fragen über die Herkunft der Lebensmittel steigen sowie der Verkauf regionaler Waren. "Auf den Wochenmärkten hat sich der Verkauf unserer regionalen Waren erhöht", heißt es beim Bächlehof in Rippolingen. Der Einkauf an der frischen Luft sei den Besuchern des Wochenmarktes in der momentanen Situation noch wichtiger.

Damit das Miteinander auch in Zeiten einer solchen Krise nicht zu kurz kommt, haben auch Scherze und Kreativität weiterhin ihren Platz in der Bad Säckinger Gesellschaft. So findet man im Schmidts Markt einen Corona-Bier-Aufsteller mit dem Spruch: "Keine Macht dem Virus! Corona Schluckimpfung" und auf dem Wochenmarkt verlangte ein Kunde lächelnd von den regionalen Verkäufern "Nüsslisalat für vier Wochen, bitte".

Auch die Art der Begrüßungen ändert sich. Wo sich vor wenigen Tagen noch mit einem Händeschlag begrüßt wurde, konnte man am vergangenen Samstag einige Menschen beobachten, die sich mit zwei Fuß-Klatschern begrüßten – auch bekannt als Wuhan Shake.

Man dürfe den Ernst der Lage aber nicht herunterspielen. Für Marktleiterin Kaiser sind die Hygienestandards wichtiger denn je. "Für Kunden haben wir in unseren Filialen Desinfektionsmittel an die Eingänge gestellt". Auch wenn das tägliche Händewaschen zur Routine von jedem gehören sollte, fällt unter den derzeitigen Umständen auf, wenn dies nicht der Fall ist. "Uns sind zu viele Restaurantbesucher aufgefallen, die sich während ihres Besuches in der Fuchshöhle nicht ein einziges Mal die Hände gewaschen haben", erklärt Tina David entsetzt.

Auch Rosemarie Boos-Baumgartner, Besitzerin der Stadtapotheke am Münsterplatz, appelliert an die Bad Säckinger Bevölkerung. Man könne die Verbreitung mit einfachen Mitteln eindämmen und dazu gehöre auch allgemein das Händewaschen. "Am besten zweimal Happy Birthday dabei singen, dann hat man die Hände gründlich genug gewaschen", so die Apothekerin. Eine gründliche Hygiene sei auch aufgrund der Lieferengpässe wichtig. Man brauche in einem normalen Haushalt keinen Vorrat an Desinfektionsmittel. "Die Menschen, die diese Mittel und andere Medikamente wirklich benötigen, haben aufgrund der derzeitigen Lieferengpässe keine Möglichkeit, an diese heranzukommen".
von Vanessa Dai
am Mo, 16. März 2020

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