Einschreiben statt Postkarte

DIGITAL VERSTEHEN III: Volksverschlüsselungs-Initiative des Fraunhofer Instituts SIT bietet kostenlose Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

Persönliche, vielleicht vertrauliche Mitteilungen per Postkarte zu verschicken – auf diese Idee kämen wohl die wenigsten Menschen, die ihre Privatspähre gewahrt wissen wollen. Und dennoch tun sie genau dies – im übertragenen Sinne – täglich, sagt Levona Eckstein vom Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie SIT im Rahmen ihres Vortrags zur BZ-Serie "digital verstehen". Die "Postkarte" ist der unverschlüsselte E-Mail-Versand, der zumindest theoretisch im Klartext für Mailanbieter, Ermittlungsbehörden und Geheimdienste lesbar ist. Dabei könnte alles so einfach sein.

"Es ist alles da, es muss nur genutzt werden", sagt Eckstein und meint damit S/MIME, jene Verschlüsselungstechnologie, die auch von der bei Fraunhofer entwickelten Inititative "Volksverschlüsselung" genutzt wird. Das Besondere daran: Zwar wird für die Einrichtung der Verschlüsselung die Installation einer kostenlosen Software notwendig, die Anwender können jedoch ihr gewohntes Mailprogramm weiternutzen. Eine neue Mailadresse wird ebenso wenig notwendig wie ein zusätzliches Passwort. Die Software kümmert sich um alles und erklärt jeden Schritt leicht verständlich.

Alternativen wie DE-Mail oder die Initiative "E-Mail made in Germany" bescheinigt Eckstein lediglich grundlegenden Schutz. Schon eine Mail von einem GMX-Konto an eine Googlemail-Adresse hebelt die sogenannte Transportverschlüsselung wieder aus. "Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist das Einzige, was wirklich hilft", so Eckstein. Stark vereinfacht ausgedrückt, müssen Schlüssel und Schloss zweier Korrespondenzpartner zusammenpassen, damit der Inhalt einer Mail lesbar wird. Der Nutzer bekommt davon selbst gar nichts mit – Ver- und Entschlüsselung laufen im Hintergrund ab.

Vorläufig ist noch ein neuer Personalausweis samt Kartenleser oder ein Telekom-Anschluss zur Registrierung notwendig. Eine Registriermöglichkeit in Postfilialen soll allerdings so bald wie möglich folgen.

Weitere Infos und Download unter http://www.volksverschluesselung.de
von Matthias Weniger
am Fr, 14. Oktober 2016

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