Kandidatencheck

Elvira Drobinski-Weiß (SPD) im Wahlkreis 284 Offenburg

Seit 2004 vertritt Elvira Drobinski-Weiß in der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag den Wahlkreis Offenburg. Obwohl ihre Partei in der Großen Koalition mitregiert, hat es die Verbraucherpolitikerin gegen eine mächtige Nahrungsmittel- und Agrarlobby nicht leicht, Verbraucherrechte zu wahren und zu schützen.

von Ralf Burgmaier
am Do, 14. September 2017

"Was ich im Sinn habe..."

"... ist eine gerechte, solidarische Gesellschaft, in der alle die gleichen Chancen auf gute Bildung, gute Arbeit und gutes Leben haben. Deshalb bin ich in der SPD. Ich habe vom Bafög profitiert, das unter Willy Brandt eingeführt wurde. Ich stamme aus einer Arbeiterfamilie und hätte ohne Bafög nicht so einfach studieren können. Deutschland geht es gut – aber darauf dürfen wir uns nicht ausruhen. Nicht alle profitieren davon. Wir brauchen überall anständige Löhne, eine gerechtere Besteuerung, kostenlose Bildung und mehr Unterstützung für Familien."  

Autor: bz

"Was ich anpacken will..."

"Die Digitalisierung wird unser Leben noch radikaler verändern. Mich treibt um, wie wir verhindern, dass sie zum Jobkiller und stattdessen zum Motor für wirtschaftlichen Erfolg und gute Arbeit wird: mit Investitionen in Bildung zum Beispiel. Als Verbraucherpolitikerin will ich die Digitalisierung nutzen, um den Lebensmittelmarkt transparenter und Märkte insgesamt verbraucherfreundlicher zu machen. Ich will, dass Verbraucher künftig Ansprüche gegenüber Unternehmen vor Gericht leichter durchsetzen können."  

Autor: bz

"Mein Herz schlägt für..."

"...die europäische Idee. Nirgends leben Menschen so frei, so demokratisch und so sicher wie in der EU. Das Erstarken einer neuen, rechtsradikalen Bewegung, die unsere Freiheit bedroht, macht mir große Sorgen. Gerade jetzt müssen wir gemeinsam für ein friedliches und gerechtes Europa kämpfen. Dazu gehört auch, dass sich alle EU-Staaten solidarisch zeigen und vor Krieg und Terror geflüchtete Menschen aufnehmen. Bei uns in Deutschland müssen wir dafür sorgen, dass Geflüchtete mit Bleibeperspektive gut integriert werden. Dazu braucht es Investitionen in Schulen, Wohnungsbau und Berufsbildung."  

Autor: bz

"An die Nieren geht mir..."

"... dass jeden Tag tonnenweise genießbare Lebensmittel im Müll landen. Das müssen wir stoppen – und zwar mit Reduktionszielen für die Gastronomie, den Handel, die Industrie und die Landwirtschaft. Leider hat der CSU-Ernährungsminister das blockiert. Aber ich kämpfe weiter. Ebenso wie für Gesetze, die es Verbrauchern leichter machen, sich gesund zu ernähren. Wir brauchen ausgewogenere Fertiglebensmittel mit weniger Zucker und eine gesunde Schulverpflegung, die sich alle leisten können."  

Autor: bz

Drei Ziele...

... für meinen Wahlkreis

» Schnelles Internet, gute Kinderbetreuung, attraktiven ÖPNV sowie Gesundheits- und Pflegeversorgung
Mieterrechte stärken, Familien beim Erwerb von Eigentum unterstützen, und Wohnungsbau fördern
» Bürokratische Hemmnisse für deutsche Handwerker in Frankreich reduzieren

... für die Bundespolitik

Starke Verbraucherrechte sichern

» Klimaschutzgesetz, Regionalvermarktung, umweltfreundliche Landwirtschaft und schadstoffarme Mobilität fördern
Keine Erhöhung des Renteneintrittsalters, Stabilisierung der Rentenbeiträge  

Autor: bz

"Beweglichkeit in der Politik..."

"... ist wichtig, um sehr schnell auf neue Entwicklungen zu reagieren. Als Verbraucherpolitikerin habe ich aus vielen Lebensmittelskandalen gelernt: Man muss auf alles gefasst sein. Und es gibt noch viel zu tun. Selbstverständlich muss man Kompromisse machen können. Aber man darf seine Ziele dabei nicht aus dem Blick verlieren. Ich habe kein Problem damit, mich für meine Überzeugungen mit anderen anzulegen. Beim Thema Gentechnik im Essen zum Beispiel lasse ich mich nicht auf faule Kompromisse ein, dazu hängt da zu viel dran."  

Autor: bz

"Mein weiterer Weg führt mich..."

"...hoffentlich noch zu vielen politischen Herausforderungen. Ich habe vergangene Legislaturperiode begonnen, mich international zu engagieren – unter anderem für die Freiheit von Journalistinnen und Journalisten. Das möchte ich fortsetzen. Ebenso meine Arbeit für starke Verbraucherrechte, gesündere Lebensmittel, nachhaltige Landwirtschaft und lebenswerte ländliche Räume. "  

Autor: bz

ZUR PERSON: Elvira Drobinski-Weiss

Die heute 66-Jährige hat vor ihrer Wahl in den Bundestag als Rektorin der Grund-, Haupt- und Werkrealschule in Waldkirch-Kollnau gearbeitet. Sie war stellvertretende Kreisvorsitzende der SPD in Rottweil und Emmendingen, stellvertretende Landesvorsitzende der SPD und ist Vorsitzende des SPD-Kreisverbandes Ortenau.

Geboren: 26. Juni 1951 auf Norderney
Wohnort: Waldkirch-Kollnau
Beruf: Dipl.-Pädagogin/Rektorin

Karriere: Seit 2004 im Bundestag
Ausbildung: Pädagogikstudium/Oldenburg

Parteimitglied: seit 1976

Internet: http://elvira-drobinski-weiss.de  

Autor: bz

NACHGEHAKT: Info

Verbraucherpolitikerin mit wenig Einfluss auf TTIP

Elvira Drobinski-Weiß hat eine für ihre Generation nicht untypische SPD-Sozialisation durchlaufen. Die Eltern der 1951 geborenen Politikerin waren Vertriebene aus ehemaligen deutschen Ostgebieten. Ohne das von der Gengenbacher Sozialdemokratin Marta Schanzenbach (1907 bis 1997) unter Kanzler Willy Brandt auf den Weg gebrachte Bafög hätte sie bei fünf Geschwistern nicht so leicht studieren und damit die große Fraktion der Lehrer unter den SPD-Mitgliedern vergrößern können. Deshalb war es für sie 1976 keine Frage, der SPD beizutreten. Früh schon lag ihr politischer Fokus auf ökologischen und Verbraucherthemen. "Die Grünen gab’s 1976 ja noch nicht", sagt sie und deutet damit an, dass sie auch bei jenen hätte landen können. Zum Zeitpunkt ihres Beitritts war die SPD noch mächtig in ihrer Rolle als Mittlerin zwischen den Interessen von Arbeitern und Angestellten auf der einen, sowie von Unternehmern und Konzernen auf der anderen Seite. Dadurch dass es damals jenseits der Mauer mit dem "real existierenden Sozialismus" ein dem Kapitalismus feindlich gesinntes Konkurrenzmodell gab, fanden die Sozialdemokraten als Vermittler zwischen Arbeit und Kapital eine wichtige politische Rolle. Nach dem Fall der Mauer und dem Sieg des Kapitalismus über den Kommunismus fiel diese Machtoption weg. Gerhard Schröder brachte dann 1998 als "Genosse der Bosse" die SPD in Regierungsverantwortung. Mit den bekannten Folgen, die mit Abspaltung der Linken und jüngsten Umfragewerten von um die 26 Prozent benannt sind. 2004, im letzten Jahr der Kanzlerschaft Schröders, kam Elvira Drobinski-Weiß als Nachrückerin in den Bundestag. Zwei Legislaturperioden Große Koalition und eine auf der Oppositionsbank hat sie seither in Berlin mitgemacht. Als Verbraucherpolitikerin musste sie zum Beispiel in der Debatte um das Freihandelsabkommen TTIP erkennen, wie ihr Einfluss als Parlamentarierin auf so ein verbraucherpolitisches Kernthema doch sehr eingeschränkt war. Das musste sie sich 2015 von einer Gruppe Anti-TTIP-Demonstranten vor dem Offenburger SPD-Büro vorhalten lassen. Erfolge der SPD in der jüngsten Großen Koalition wie die abschlagsfreie Rente mit 63 nach 45 Arbeitsjahren wirkten im Wahlkampf bisher nicht als der große Stimmenfänger, hat die Wahlkämpferin erfahren müssen.  

Autor: bz

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