Kandidat

"Endinger Klüngel abstellen"

Werner Semmler (66) aus Umkirch will als Bürgermeister Endingens Stadtverwaltung reformieren

Von den üblichen Wahlprogrammen, das macht Werner Semmler im BZ-Gespräch unmissverständlich deutlich, hält er nichts. "Phrasendreschen" und "Schaumschlägerei" sei das. Wer als Bewerber erkläre, was er alles tun wolle, handle unseriös und präsentiere sich als "Wunschonkel für alles". Denn letztlich könne ein Bürgermeister über die Verwaltung hinaus nur sehr begrenzt selbst entscheiden, sondern sei darauf angewiesen, dass der Gemeinderat mitmacht.

Zur Kandidatur in Endingen habe er sich entschlossen, weil die anderen Bewerber nach seiner Überzeugung "nicht die notwendige Stärke haben, um den Endinger Klüngel abzustellen". Semmler: "Da braucht man gewaltige Erfahrung und Kraft." Er habe diese Kraft und Entschlossenheit zur notwendigen Reformarbeit mit harten Einschnitten. Das mache nicht beliebt, bringe die Stadt aber weiter. Semmler: "Auf Liebe bin ich nicht aus."

Werner Semmler ist Jahrgang 1952 und wuchs im Schwarzwald in einem landwirtschaftlichen Betrieb auf. Daher sei er gut vertraut mit den Problemen und Herausforderungen im ländlichen Raum. Doch weder er noch sein Bruder wollten den Hof übernehmen, sagt er. Semmler wurde Unternehmer und verdiente nach eigenem Bekunden mit neuen Produkten für die Organisation von Unternehmen und Verwaltungen mehr als zwei Jahrzehnte lang viel Geld. Mit der elektronischen Revolution hätten das Papier seine Bedeutung und seine Medien ihre Märkte verloren. Semmler: "Es ging mir wie dem Endinger Einzelhandel: Ich verlor meine Kunden und ich zog mich gerade noch rechtzeitig aus der sterbenden Branche zurück. Die Erfahrungen, die ich mit dem Strukturwandel machte, will ich jetzt in Endingen einbringen. Endingen muss sich auf die elektronische Verwaltung der Stadt und das ’eBusiness’ einstellen."

In der Erkenntnis, "dass wir nichts ewig besitzen", habe er sein Vermögen in ein bleibendes Kulturgut investiert, das Umkircher Schlossgut ersteigert, einen rund elf Hektar großen Park angelegt und das Anwesen restauriert. Dabei habe er erfahren, "dass die Anforderungen des Denkmalschutzes bei unwirtschaftlichen Denkmälern existenzvernichtend sein können" und letztlich sein Geld im Unterhalt des Denkmals verloren. Diese Erfahrungen wolle er bei der Sanierung der historischen Gebäude in Endingen einbringen. Endingen stehe vor einem Millionenstau nicht gemachter Renovationen seiner Kulturdenkmäler.

Unter den 24 Gemeinden des Kreises Emmendingen gehöre Endingen zu den vier Gemeinden mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung. Als seine vorrangigen Ziele als Bürgermeister nennt Semmler die Senkung der Verwaltungskosten, um sinnvolle Investitionen zu tätigen, alte Schulden abzubauen und neue Schulden zu vermeiden, eine radikale Reform der Verwaltung und eine effektivere elektronische Stadtverwaltung, die Vermeidung eines Finanzfiaskos durch die nach seiner Ansicht programmierten Kostenexplosionen beim Schulcampus und die Vermeidung von Mehrbelastungen der Bürger durch städtische Misswirtschaft. Bei jedem Ausgabenbeschluss müsse klar sein, woher das Geld kommen soll.

Endingen suche über Baulanderschließungen das "schnelle Geld", um Projekte wie die Schule zu finanzieren. Doch die Flächen seien begrenzt. Deshalb müsse die Stadt auf qualifizierte Gewerbeansiedlung, orientiert an den Gewerbesteuerzahlungen der Betriebe, zur Stadt passenden Wohnungsbau und auf junge Familien und deren Einkommensteueranteil setzen. Beim Stadtmarketing kritisiert er, dass die Kosten sozialisiert, die Erträge aber kapitalisiert würden. "Ich bin Profi", erklärt der 66-Jährige, der sich als "überzeugter Parteiloser" bezeichnet. "Ich habe alles erlebt, war erfolgreich und habe auch Nieten gezogen. Jetzt sehe ich so klar wie noch nie in meinem Leben."

"Irgendwann muss man den Hof kehren", betont Werner Semmler. Er sei bereit dazu. Nach vier Jahren Aufräumarbeit könne dann ja ein Jüngerer in Endingen übernehmen.

Infos zur Person und Kandidatur in Endingen bietet Werner Semmler auch unter http://www.endingen-braucht-klartext.de
von Martin Wendel
am Do, 18. Oktober 2018 um 17:44 Uhr

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