Covid-19

Erster Corona-Toter aus dem Landkreis Waldshut

Die Zahl der Coronafälle im Kreis Waldshut stieg am Freitagnachmittag auf 28. Ein älterer Patient, der sich außerhalb des Kreises angesteckt hatte und dort in einer Klinik behandelt wurde, ist gestorben.

Das öffentliche Leben ist im Landkreis Waldshut zum größten Teil zum Erliegen gekommen. Das Coronavirus sorgt für Veranstaltungsausfälle, vorübergehende Schließungen von Geschäften oder Spielplätzen und für leere Straßen. Trotz der frühsommerlichen Temperaturen ist Abstandhalten angesagt. Wie wichtig das ist; betonte auch Landrat Martin Kistler in einer Konferenz für Medienvertreter zur aktuellen Lage im Kreis.

28 Infizierte, ein Toter

Stand Freitag, 14.30 Uhr, sind im Kreis 28 Personen aus 15 verschiedenen Gemeinden positiv auf das Virus getestet worden: 21 weibliche Patienten und sieben männliche. Sie seien zuhause in Quarantäne. Das Sozialministerium meldete am Freitag, dass der aus dem Landkreis Waldshut stammende ältere Patient, der sich außerhalb des Landkreises angesteckt hatte und dort in einem Klinikum lag, gestorben ist. Mehr als 300 Personen seien negativ getestet worden, rund 70 von ihnen hatten eine Influenza-Erkrankung.

"Die Lage ist ernst, dennoch sollten wir nicht panisch oder hysterisch werden. Das oberste Gebot ist es nun die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, um so nötige Zeit zu gewinnen. Das erreichen wir nur, in dem wir unnötige Kontakte vermeiden", so Kistler. Jeder könne einen Beitrag dazu leisten, die weitere Verbreitung zu minieren. Das Wichtigste sei es Abstand zu halten und die Hygieneregeln einzuhalten. Ich appelliere an alle, sich daran zu halten", betonte der Landrat. Das Landratsamt habe bereits eine gute Grundlage für einen krisensicheren Dienst in den kommenden Wochen geschaffen. Die Telefonhotline werde stark nachgefragt, wie Kistler erklärte. Die Mitarbeiter des Landratsamtes seien telefonisch und per Mail erreichbar, nur in sehr dringenden Fällen könne telefonisch ein persönlicher Termin vereinbart werden. Die Recyclinghöfe müssten bis 19. April geschlossen werden, da sie ungewöhnlich stark frequentiert worden waren. "Wir müssen uns jetzt alle einschränken, aber wir schaffen das. Es gilt nun den Respekt zu bewahren und Verantwortung für andere zu übernehmen", sagte Kistler.

Krisenstab im Landratsamt eingerichtet

Wie Caren-Denise Sigg, die Leiterin des Dezernats für Ordnung, Verkehr und Kommunalangelegenheiten, erklärte, sei ein Krisenstab im Landratsamt eingerichtet worden. Dieser ermögliche eine gute Leistung und Entscheidungen auf kurzen Wegen. Hausintern werde derzeit unter Hochdruck an Maßnahmen für den Fall einer Verschlechterung der Situation gearbeitet. Denkbar seien Fieberambulanzen, Quarantänestationen oder ein Coronakrankenhaus. Nähere Informationen könne sie derzeit noch nicht geben. "Wir arbeiten intensiv an einem Konzept und sind mit Krankenhäusern in der Region im Gespräch", so Sigg.

"Es ist noch nicht bei alles angekommen, wie ernst die Lage werden könnte", so Sabine Schimkat, die Leiterin des Dezernats für Arbeit, Jugend und Soziales. Die Kapazität der Labore und die Anzahl der Tests sei begrenzt, so Schimkat. Das Maximum pro Tag liege bei 40. Getestet werde nur, wer Kontakt mit einer positiv getesteten Person gehabt habe und Symptome aufweise. Das Maximum an Tests pro Tag auszuschöpfen sei nicht ratsam, betonte auch Stefan Kortüm, der Chefarzt der Zentralen Notaufnahme am Klinikum Hochrhein. Ein höheres Arbeitsaufkommen für die Labore bedeute automatisch eine Verzögerung der Testergebnisse. Bei schweren Fällen sei man jedoch darauf angewiesen schnell ein Testergebnis zu erhalten, um mit der richtigen Behandlung beginnen zu können.

"Wer weiter Partys feiert, ist asozial"

Felix Schreiner
"Im Klinikum Hochrhein haben wir aktuell keine stationären Corona-Fälle und hatten bisher auch noch keine", sagte Kortüm. Derzeit gebe es im Klinikum drei Verdachtsfälle, für die er bereits bei zweien Entwarnung geben könne. Das Testergebnis des dritten Patienten stehe aktuell noch aus. Derzeit träfe das Klinikum viele vorbereitende Maßnahmen, um auch bei einem Anstieg der Infiziertenzahl handlungsfähig bleiben zu können. "Diese Maßnahmen fordern uns sehr", so Kortüm. Bei Bedarf könne die Zahl der Betten und der Beatmungsmöglichkeiten für Patienten deutlich erhöht werden.

"Wichtig ist es, dass wir jetzt unserer Patienten und das Personal schützen", sagte der Chefarzt. Daher sei ein Besuchsverbot ausgesprochen worden. Nur in dringenden Fällen, wie beim nahenden Tod eines Patienten oder bei Geburten sei eine Ausnahme möglich. "Unsere Mitarbeiter sind von der aktuellen Entwicklung natürlich sehr stark betroffen, aber ich nehme eine hohes Engagement und wilde Entschlossenheit wahr", sagte er. Bonndorfs Bürgermeister Michael Scharf bedankte sich ausdrücklich bei allen, die derzeit mit ihrer Arbeit einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten.

Die größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg

Auch die SPD-Bundestagsabgeordnete und Kreisrätin Rita Schwarzelühr-Sutter, schloss sich dem Dank an. "Danke an alle, die die Grundversorgung und das Gesundheitswesen aufrecht erhalten", sagte sie. Die Politik wisse um die großen Existenzängste der Bürger und suche nach Lösungen. Sie habe angeregt bestimmte Grenzübergänge für einige Stunden pro Tag für Berufspendler wie deutsches Pflegepersonal, das in Schweizer Kliniken arbeite, zu öffnen. Genaueres könne sie jedoch noch nicht sagen. "Wir bitten um Geduld", so die Bundestagsabgeordnete.

Kein Verständnis habe er für Jugendliche, die sich zu sogenannten Coronapartys treffen, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete und Kreisrat Felix Schreiner. "Das ist die größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Wer weiter Partys feiert und sich so verhält, als wäre alles normal, ist in meinen Augen asozial", betonte er.

Der überregionale Lkw-Verkehr müsse aufgefangen werden. Für Lieferverkehr seien zudem sogenannte Fast Lanes geplant. "Bei allem was kommt, wünsche ich mir unbürokratische und schnelle Entscheidungen", sagte Schreiner.
von Annika Sindlinger
am Fr, 20. März 2020 um 18:21 Uhr

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