Es kann nie zu viel Kultur geben

Podiumsdiskussion mit den OB-Kandidaten / Schärfung des kulturellen Profils ist für alle ein Thema, der Weg dahin unterschiedlich.

RHEINFELDEN. Die Fragestellung einer weiteren Diskussion mit den OB-Kandidaten eröffnete für Antworten ein weites Feld: "Wie viel Kultur braucht Rheinfelden?", hieß es am Freitagabend im Lesesaal der Stadtbibliothek. Dorthin hatten Vertreter von Volkshochschule, Musikschule, Kulturamt und Freizeitpark Tutti-Kiesi eingeladen. Den knapp hundert Besuchern vermittelten die drei Kandidaten grundsätzlich den Eindruck, dass sie Kulturarbeit in ihrer Vielschichtigkeit als lohnenswert und wichtig für die Stadt – auch für ihre Außenwirkung – betrachten.

Raimund Kagerer, der als Redakteur des grenzüberschreitenden Kulturmagazins "2 x Rheinfelden", die Veranstaltung moderierte, hatte zu Beginn das Porträt einer deutschen Stadt mit vergleichbaren Zügen als Diskussionsgrundlage in den Raum gestellt. Kernaussage: Es gibt große kulturelle Vielfalt, doch der Reichtum wird von den Einheimischen nicht wirklich wert geschätzt, weil es an Identifikation fehle. Ob in Rheinfelden das Modell der Projektstadt greifen könnte, dass jeder Euro für Kulturarbeit auch für die Wirtschaft investiert wird, blieb letztlich unbeantwortet. Dennoch arbeiteten sich die Kandidaten mit unterschiedlichen methodischen Ansätzen am Thema konsequent ab. Die Fragen aus den Besucherreihen zielten allerdings oft weniger aufs große Ganze, die Frage nach der Qualität von Kulturarbeit und Konzepte, als vielmehr auf die Facetten im Alltag, wozu auch der Auftritt der Innenstadt als kulturellen Visitenkarte gehörte.

38 stimmungsvolle Bilder aus der Fülle der Kulturarbeit in Rheinfelden vom Vereinskonzert bis zum Straßentheaterfestival, die Kulturamtsleiter Claudius Beck präsentierte machten zunächst einmal deutlich, dass auf allen Ebenen viel geboten wird, angefangen vom Kindergarten über die Schule bis zum Austausch mit den Partnerstädten über Grenzen. Diese Vielschichtigkeit fand volle Anerkennung bei Klaus Springer, Cornelia Rösner und Klaus Eberhardt.

OB-Kandidatin Rösner sah "genügend Leuchttürme" im Angebot der Vereine, die bereits ungeheuer viel bieten und bei 1,9 Millionen Euro zum Unterhalt der Bildungseinrichtungen und Förderungen einen hohen Einsatz der Stadt. Dennoch sei ihrer Meinung nach "noch viel zu tun", um das kulturelle Profil zu schärfen. Welche Art von Kultur mit welchen Akteuren auszubauen ist, müsse mit den Beteiligten überlegt werden. Grundsätzlich aber stelle Kultur "Lebensmittel für die Seele" dar. Cornelia Rösner bekräftigte ihre Überzeugung, dass sie es als Vision für sinnvoll halte, das Kulturamt aus dem städtischen "Verwaltungsapparat" auszugliedern. Eine Lösung könnte darin bestehen, einen Trägerverein zu bilden, der städtische Zuschüsse erhalte, und Sponsoren mobilisiere, denn "städtische Veranstaltungen sind nie rentabel", so Rösner. Dies erfordere aber auch eine entsprechende klare politische Haltung.

Klaus Eberhardt (SPD) stellte der Überlegung entgegen, dass Kulturarbeit, weil sie die Öffentlichkeit bewege, auch "Debatten" brauche und zu wichtig sei, "um sie auszugliedern". Der Gemeinderat müsse sich darüber aber Gedanken machen. Kulturarbeit unter dem Dach der Stadt könnte sich mit Unterstützung eines Kulturrings als sinnvoll erweisen. Grundsätzlich müsse der "Wettbewerb der Ideen" darüber entscheiden, was wie gefördert werde. Es könne nicht nur einfach Geld bereit gestellt werden. Und mit dem Angebot von Basel sich anzulegen "wird schwerfallen", meinte Eberhardt. Es werde darum gehen "Nischen zu suchen", um Stärken zu entwickeln. Dabei stellte er als Idee in den Raum die Kunstform Film, die sich mit Schulen und Kindern und Jugendlichen entwickeln lasse.

Mit Blick auf die Baukultur hielt Eberhardt es für wichtig "vertrauliche Plätze" zu erhalten. Was aus der nachgefragten ED-Villa in der Rheinbrückstraße werden soll, ließen alle Kandidaten offen.

Alle drei Kandidaten bekräftigten ihr Interesse an Integrationsarbeit im Sinne kultureller Vielfalt, betonten aber auch, dass schon viel geleistet werde. Patentrezepte zur optischen Verbesserung des städtischen Entrees an der Stadtbibliothek gab es nicht. Als Denkansatz brachte Cornelia Rösner ein, leerstehende Schaufenster mit Kunstausstellungen übergangsweise zu beleben. Klaus Eberhardt hielt diesen Apsekt angesichts der einladenden Angebotsfläche der Bibliothek nicht für ganz vorrangig, auch wenn er sich "vieles schöner vorstellen" könne.

Ein Dossier zur Wahl finden Sie im Internet unter http://mehr.bz/obwahl-rheinfelden
von Ingrid Böhm-Jacob
am Mo, 16. April 2012


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