Experiment Baugruppe

BZ-SERIE (TEIL 11): Auch die Bauwilligen der Gruppe "Baumhaus" möchten im geplanten Neubaugebiet Gutleutmatten zum Zug kommen.

Heute geht’s um die Gartenfrage. Allerdings weniger um Buschbohnen oder Schneckenfallen, nein, es geht um das Sondernutzungsrecht an Gartenflächen. Ums Grundsätzliche – wer eigentlich irgendwann mal vor der Terrasse Bohnen aussäen darf. Es ist ein zartes Pflänzchen, das hier gehegt wird: eine Baugruppe, die irgendwann mal im geplanten Haslacher Neubaugebiet Gutleutmatten ein Stadthaus für vier oder sechs Familien mit Kindern hinstellen möchte. Die Gruppe ist optimistisch. Sie hat sich den Namen "Baumhaus" gegeben.

An diesem Dienstagabend im Gewerbegebiet Hochdorf beugen sich sieben Männer über Pläne, jede Menge Pläne. Mittendrin: Hermann Hallenberger von der Zimmerei Grünspecht, in deren Räumen man sich seit einem Jahr trifft und der die Baugruppe organisiert. Die Zimmerei hat Erfahrung und schon einige Gruppen gemanaged, zum Beispiel im Rieselfeld. Baugruppenmitglied Bodo-Wolfram Hager hatte Hallenberger wegen Gutleutmatten angestupst, der schaltete daraufhin Anzeigen: "Wir organisieren eine Baugruppe! Melden Sie sich frühzeitig, der Andrang wird groß sein!" So war es auch.

Noch plant die Gruppe auf gut Glück. Zwar ist sicher, dass auf Gutleutmatten ein Neubaugebiet entstehen wird, wann jedoch die einzelnen Grundstücke bebaut werden können, weiß man noch nicht – welche Baugrundstücke wie genutzt werden, ob von Baugruppen, von Bauträgern oder mit sozialem Wohnungsbau, das entscheidet der Gemeinderat vor der Sommerpause. Die Vermarktung der Grundstücke soll Ende 2013/Anfang 2014 beginnen.

Allein die Zimmerei Grünspecht hat für Gutleutmatten zwei Baugruppen am Start, insgesamt, schätzt Hallenberger, machen sich rund 15 Baugruppen Hoffnungen. Das wird eng: Für Baugruppen sind dort gerade mal 30 Prozent der Flächen im westlichen Abschnitt, also sechs Grundstücke reserviert. Und Gutleutmatten in Haslach gilt als einzig größeres Gebiet in ganz Freiburg, auf dem Baugruppen zum Zuge kommen könnten. Ein Unding, finden die Mitglieder unisono: "Was Besseres kann der Stadt doch gar nicht passieren, als dass sich Baugemeinschaften engagieren", meint Hager. "Wir wollen, dass mindestens die Hälfte der Fläche an Baugruppen vergeben wird", sagt Hermann Hallenberger.

Die, die sich hier zusammengefunden haben, haben bereits konkrete Vorstellungen, wie ihr Gemeinschaftshaus aussehen soll: Es wird ein Holzhaus werden, der Quadratmeterpreis wird bei 3675 Euro schlüsselfertig gedeckelt. Gerade sind sie dabei, die Grundrisse zu entwerfen und zu überlegen, wie teuer die einzelnen Wohnungen innerhalb des Hauses werden. Ach ja, mit Tiefgarage oder ohne? In einer Baugruppe zu bauen, hat Vorteile, finden sie. Man kann die Planung mitbestimmen, die Hausbewohner lernen sich bereits vor dem Einzug kennen, es ist günstiger als beim normalen Bauträger. "Ich hatte keine Ahnung von Baugruppen, hatte nur das Inserat gelesen", sagt einer. Bald werden sie einen Vertrag abschließen, um als Gesellschaft bürgerlichen Rechts gemeinsam zu planen. Sie investieren Zeit und Geld in der Hoffnung, dass sie irgendwann mal auf Gutleutmatten wohnen werden, in ihrem selbst entworfenen Haus. Es könnte klappen. "Letztendlich ist es für jeden von uns ein Experiment", sagt einer. Alle nicken.

Nächsten Samstag lesen Sie:
Zwischen Auftrag und Ertrag: die städtische Wohnungsgesellschaft Stadtbau.

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von Simone Lutz
am Sa, 30. März 2013

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