Felix Fischer ist erster Bewerber

Bewerbungsfrist für die Endinger Bürgermeisterwahl hat offiziell begonnen / Teninger Jurist nennt erste Ideen und Ziele.

ENDINGEN. Das Rennen ist offiziell eröffnet: Seit Samstag läuft die Bewerbungsfrist für die Bürgermeisterwahl am 11. November in Endingen. Bis Montag, 7.30 Uhr, ging im Rathaus eine Bewerbung ein – die von Felix Fischer aus Teningen. Er hatte seine Kandidatur bereits im Vorfeld angekündigt. Fischer wird damit aller Voraussicht nach den Stimmzettel anführen, doch amtlich ist das erst, wenn der Gemeindewahlausschuss nach Ablauf der Frist im Herbst die Bewerbungen offiziell zulässt.

Montag, 7.25 Uhr: Hauptamtsleiter Michael Kindler und Mitarbeiter Marco Krüger warten im Treppenhaus der Kornhalle am Marktplatz. Alle Bewerbungen, die bis 7.30 Uhr an diesem Morgen im Briefkasten landen, gelten laut Gemeindeordnung als gleichzeitig eingegangen seit Beginn der Bewerbungsfrist am Samstag. Doch das Losverfahren um die Platzierung auf dem Stimmzettel wird nicht erforderlich: Nur zwei Kuverts liegen im Kasten und nur eines davon ist eine Bewerbung für die Bürgermeisterwahl. Auch per Fax ging bis zu diesem Zeitpunkt nichts ein, doch laut Ausschreibung ist ohnehin eine schriftliche Bewerbung "in einem verschlossenen Umschlag mit der Aufschrift Bürgermeisterwahl" gefordert.

Der einzige derartige Brief an diesem Morgen stammt von Felix Fischer. Der 27-jährige Jurist im Referendariat und Unternehmer im Nebenerwerb aus dem Teninger Ortsteil Bottingen hatte bereits im Vorfeld seine Bewerbung öffentlich bestätigt. Fischer ist 27 Jahre alt, ledig, liiert und Kreisvorsitzender der FDP, der er seit 2008 angehört. 2017 kandidierte er für die Liberalen für den Bundestag, politisch aktiv ist er aber nicht nur für die FDP, wo er Beisitzer im Landesvorstand ist, sondern auch in der Teninger Kommunalpolitik. Seit zehn Jahren macht Felix Fischer ehrenamtlich Politik. 2014 gründete er mit anderen Mitstreitern die Ökologisch-liberale Liste (ÖLL) Teningen, die aktuell einen Bürgerentscheid zur Abschaffung der unechten Teilortswahl in Teningen anstrebt. Generell sei auf kommunaler Ebene die Parteibrille fehl am Platz, betont Fischer, doch ein liberales Menschenbild könne schon helfen, ist er überzeugt.

Fischer wurde in Emmendingen geboren und wuchs in Teningen auf. Nach der Realschule machte er das Abitur auf dem Wirtschaftsgymnasium, baute parallel eine Firma auf, die Geräte zur Pflege von Sportrasenplätzen entwickelt und vertreibt, und studierte Jura in Konstanz. 2017 machte er dort den Abschluss als Magister Juris und arbeitete als Rechtsreferendar am Oberlandesgericht Karlsruhe mit Stationen beim Amtsgericht Emmendingen und der Staatsanwaltschaft Freiburg. Aktuell absolviert Fischer die Station in einer Rechtsanwaltskanzlei, seine Verwaltungsstation im Zuge des Referendariats werde ab Herbst das Bürgermeisteramt in Teningen sein. Das abschließende 2. Examen folge im Frühjahr 2019.

Den Anstoß zur Kandidatur lieferte die Endinger Bürgergemeinschaft (EBG) nach der Bundestagswahl, erzählt Fischer im BZ-Gespräch. Er führte seit Februar diverse Gespräche und kam nach positiver Resonanz zu der Überzeugung, dass er in Endingen antreten will. "Hier passt einfach alles", betont der Kandidat. Einen gewissen Bezug zu Endingen habe er immer gehabt und auch seiner Partnerin gefalle die Kaiserstuhlgemeinde. "Die Stadt hat Potenzial", betont Fischer, und sie erlaube von ihrer Größe her, mit den Menschen unmittelbar im Kontakt zu bleiben. Als Bürgermeister könne man Akzente setzen und mehr bewegen als etwa in der Bundespolitik. "Ich bin gerne Jurist, aber Politik ist mein Herzensthema", sagt Fischer. Und juristisches Wissen sei elementar fürs schnelle Einarbeiten in neue Sachverhalte und Themen.

"Frische Ideen", "Mehr Miteinander" und "Neue Strukturen" lauten die Überschriften über Fischers Vorstellungen zur Bürgermeistertätigkeit in Endingen. Die Homepage mit seinen Ideen und Zielen ging am Wochenende bereits online. Hier lädt der Kandidat auch zum Dialog über Themen und Ideen ein.

In vielen Bereichen sei Endingen gut aufgestellt, so Fischer. Große Sprünge seien angesichts der anstehenden Investitionen ins Schulzentrum und die Abwasserbeseitigung nicht drin, weshalb es gelte, eher strukturell zu arbeiten. Fischer: "Mehr Miteinander kostet nicht gleich viel Geld, erlaubt aber, Akzente zu setzen." Man müsse das erreichte Niveau halten und ausbauen – sowohl gesellschaftlich als auch in Sachen Gewerbe und Tourismus. Der Bürgermeister sei hier Bindeglied zwischen allen Akteuren. Handlungsbedarf sieht Fischer im Bereich Digitalisierung im Rathaus für einen besseren Bürgerservice. Auch die Kommunikation lasse sich in allen Bereichen verbessern – insbesondere aber mit den Winzerdörfern, für die man die bestmögliche Nahversorgung und eine bessere Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr anstreben müsse. Eine Abschaffung der unechten Teilortswahl wäre nach Fischers Überzeugung in Endingen das falsche Signal an die Winzerdörfer. Ohnehin müsste der Anstoß hierfür von den Bürgern kommen. Fürs Miteinander sei auch das aktive Vereinsleben wichtig.

Neue Strukturen sind nach Fischers Überzeugung im Bereich der Stadtverwaltung notwendig. Er halte eine Zusammenführung der auf mehrere Standorte verteilten Verwaltung für wichtig; zudem brauche es für die Bürger erkennbare klare Hierarchien und Ansprechpartner. Vor dem Hintergrund von Landschaftsschutz und Flächenverbrauch seien auch Nachverdichtung, ein Leerstandskataster und Nutzungsstrategien erforderlich.

von Martin Wendel
am Di, 17. Juli 2018

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