FußballArena und Eissporthalle?

Flugplatz wird als möglicher Stadion-Standort geprüft

Der Freiburger Flugplatz soll als Standort für das SC-Stadion geprüft werden: Das fordert die Mehrheit des Gemeinderats – und schielt auch auf die ganz große Lösung mit Stadion, Trainingsgelände und einer neuen Eishalle.

Der Flugplatz ist nun auch offiziell zurück im Stadionrennen. Die Fraktionen von Junges Freiburg/ Die Grünen, SPD, Unabhängigen Listen und Freien Wählern haben jetzt beantragt, dass für das neue Standortgutachten auch der Flugplatz unter die Lupe genommen wird. Da die Fraktionen, die hinter dem Antrag stehen, mit 33 von 48 Gemeinderäten über eine klare Mehrheit im Stadtparlament verfügen, muss die Stadtverwaltung den Antrag übernehmen.

Damit wird neben den Optionen Hettlinger bei der Messe und Hirschmatten am Zubringer-Mitte eine dritte Variante geprüft. Untersucht werden soll die Wirtschaftlichkeit des Standorts Flugplatz und die Finanzierbarkeit. Die Stadträte wollen von den Gutachtern auch wissen, ob die ganz große Lösung möglich ist. Die hieße: Stadion samt SC-Trainingsgelände, dazu eine Eissporthalle – und das alles bei weiterer fliegerischer Nutzung. Untersucht werden sollen auch Stadion-Modelle – mit und ohne Eishalle – bei Aufgabe des Flugbetriebs.

Skepsis beim Oberbürgermeister

"Aus Gesichtspunkten der Stadtentwicklung wäre der Flugplatz für das Stadion ideal", sagt Grünen-Stadtrat Eckart Friebis. Es gebe keine direkten Anwohner, es sei genug Fläche vorhanden, auch Parkplätze seien an der Messe schon da und könnten mitgenutzt werden. Zudem bestehe mit der neuen Messelinie ein idealer Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr. Und – anders als bei der Alternative Hettlinger – könnte auch das Trainingsgelände zum Stadion hinzu gebaut werden. Deswegen müsse der Flugplatz auf jeden Fall untersucht werden. "Wenn nachher nachvollziehbare Gründe aufgezeigt werden, warum es nicht geht, werden wir das akzeptieren."

OB Dieter Salomon hatte sich zuletzt in Sachen Flugplatz sehr skeptisch gegeben. Er verwies auf teilweise bis zum Jahr 2031 laufende Verträgen mit insgesamt 13 Pächtern auf dem Areal. Ein Teil der Verträge könnte zwar vorzeitig gekündigt werden, dann müsste die Stadt aber die Vertragspartner entschädigen. Zudem befänden sich auf dem Flugplatzgelände geschützte Biotope und auch sogenannte Ausgleichsflächen von rund 20 Hektar, die wegen des Flächenverbrauchs anderer Bauprojekte an dieser Stelle freigehalten werden müssen.

Gemeinderäte fordern Neubewertung

Bei einem Bürgerentscheid im Jahr 1995 hatten sich 70 Prozent der Freiburger Wähler gegen eine Schließung des Flugplatzes ausgesprochen. Die Wahlbeteiligung lag bei 38 Prozent; die Flugplatz-Befürworter verfehlten damit jedoch das notwendige Quorum, das ihr Votum bindend gemacht hätte. Der Gemeinderat hielt sich damals aber trotzdem an das Bürgervotum.

"Wenn eine Gemeinderatsmehrheit sich für den Standort Flugplatz entscheiden würde, bliebe uns Flugplatznutzern gar nichts anderes übrig, als wieder ein Bürgerbegehren und einen Bürgerentscheid anzustreben", sagt Udo Harter, CDU-Gemeinderat und Chef der FFH Südwestdeutschen Verkehrsfliegerschule. Harter hat als Pächter einen Langzeit-Vertrag bis 2031. Er erklärt: "Ich werde nicht für eine Entschädigung das Feld räumen, sondern nur wenn ich juristisch dazu gezwungen werde". Er kritisiert die Ratsfraktionen, die nun den Flugplatz wieder aufs Tapet bringen: "Es ist eine unausgewogene Stadtpolitik, wenn man eine Infrastruktur-Einrichtung gegen eine andere ausspielt."

In der umfassenden Stadion-Standortanalyse des Büros Albert Speer & Partner vom Oktober 2011 hatte der Flugplatz gute Noten bekommen. Damals waren insgesamt 24 Standorte untersucht worden, von denen am Ende jedoch nur noch Hettlinger und Hirschmatten übrigblieben. Im am Dienstag vorgelegten Antrag der vier Ratsfraktionen heißt es nun, dass die Bewertung der 24 Standorte nun noch einmal aktualisiert und neu bewertet werden sollen. Die gemeinderätliche Arbeitsgruppe, die nach einem Stadion-Standort sucht, soll dann entscheiden, ob noch weitere Varianten in das Gutachten aufgenommen werden.

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von aktualisiert 16 Uhr, Joachim Röderer
am Di, 04. Dezember 2012 um 12:45 Uhr

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