Frauenverein

Frauenverein

Unter Frauenvereinen verstand das 19. Jahrhundert vornehmlich karitativ orientierte Vereine, die hauptsächlich Frauen organisierten. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Begriff in der Regel nur noch für die Badischen Frauenvereine, die Mitglied der Rot-Kreuz-Bewegung wurden, verwendet. Bereits 1814 war Marie Elisabeth Lotzbeck Lahrer Vertreterin eines Frauenvereins im Großherzogtum Baden zur Unterstützung kranker und verwundeter Krieger, der 1816 wieder aufgelöst wurde. 1824 wurde ein Frauenverein zur Erziehung und Ausbildung armer Waisen gegründet, während sich in der Schlussphase der Revolution von 1848/49 ein republikanischer Verein deutscher Frauen und Jungfrauen zur Unterstützung der Bürgerwehr zusammenschloss. Auf Anregung des Stadtpfarrers Johann Georg Philipp Doll wurde am 27. November 1849 als vorbeugende Maßnahme gegen die grassierende Armut und damit zusammenhängende revolutionäre Bewegungen der Frauenverein Lahr gegründet. Die erste Präsidentin des Vereins, der vornehmlich Frauen aus der Lahrer Oberschicht und dem gehobenen Mittelstand organisierte, war Caroline Deimling. Der Verein engagierte sich besonders in der sich zunehmenden institutionalisierenden Armenfürsorge der Stadt und stellte etwa seit 1863 je eine Oberin in den zehn Fürsorgebezirken der Stadt. Nach 1859 schloss sich der Frauenverein dem Badischen Frauenverein an und wurde so 1866 Mitglied der Rot-Kreuz-Gesellschaft. Neben die Fürsorgetätigkeit trat nun die ambulante Hilfe im Kriegsfall. Die Zahl der Mitglieder stieg rasch auf 237 im Jahr 1881 und 409 im Jahr 1906. In enger Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung organisierte der Frauenverein die Arbeitsschulen (die Haushaltsunterricht für die Schülerinnen anboten), Kochschulen sowie aufsuchende Sozialarbeit und Waisenfürsorge. Mit der Professionalisierung und Bürokratisierung des Fürsorgewesens nach 1918 ging die Bedeutung des Frauenvereins in diesem Bereich zurück. Besonders bei der Wöchnerinnenpflege blieb er bedeutsam, 1925 hatte er noch 306 Mitglieder, der bereits 1844 gegründete und 1898 vom Frauenverein übernommene Wöchnerinnenverein 200 weitere. 1933 war nur noch die Vereinsabteilung der Krankenpflege arbeitsfähig, am 1. Dezember 1937 wurde auch dieser letzte Rest des Frauenvereins Lahr in die NS-Volkswohlfahrt zwangseingegliedert, am 9. Dezember 1938 wurden alle Frauenvereine per Gesetz aufgelöst. Die Nachfolgerinnen von Caroline Deimling, die 14 Jahre lang als Präsidentin fungiert hatte, waren bis dahin Juli Stoesser (1863 bis 1882), Adelheid Stoesser (1882 bis 1922), Mina Wäldin (1925 bis 1929), Clara Brauch (1929 bis 1935), Bertha Köderitz (1935/36) und Elisabeth Schmidt (1936 bis 1938).

Bisher erschienene Beiträge im Netz unter http://www.badische-zeitung.de/ lahr-lexikon
von tmi
am Mo, 02. September 2013


Badens beste Erlebnisse