Laufsport

Freiburg-Marathon: Kürzere Strecken sind gefragt

Wann ist ein Marathon ein Marathon? Der Trend geht zur Kurzstrecke. Bei der neunten Auflage des Freiburg wird nur ein Achtel bis ein Zehntel die klassische Strecke zurücklegen.

Der Sänger Herbert Grönemeyer hat einst die Frage gestellt: "Wann ist der Mann ein Mann?" Er mag bei den einen Sinnstiftendes bewirkt und bei den anderen Sinnkrisen ausgelöst haben mit der Frage – jedenfalls wurde eifrig über das Thema diskutiert. Solche Wellen wird die folgende Frage zwar keine auslösen, aber eingefleischte Lauf-Enthusiasten können sich dennoch in Rage reden: "Wann ist der Marathon ein Marathon?"

Wenn in rund einer Woche, am Sonntag, 1. April, die neunte Auflage des Freiburg-Marathons ausgetragen wird, dann werden voraussichtlich wieder zwischen 10.000 bis 11.000 Menschen mitlaufen – aber nur etwa ein Achtel bis ein Zehntel von ihnen wird die klassische Distanz über 42,195 Kilometer zurücklegen. 1520 Sportlerinnen und Sportler haben sich für die Marathondistanz angemeldet, 6263 für den Halbmarathon, 916 Frauen und Männer für die sogenannte Marathonstaffel (dabei rennen zwei Teilnehmer jeweils 14 Kilometer und die anderen beiden jeweils 7 Kilometer) – und 1183 Schüler wollen beim S’Cool Run an den Start gehen. Zwar sind noch Nachmeldungen möglich, aber im Großen und Ganzen wird sich an den Zahlen nicht mehr viel verändern.

Am 1. April werden sich von den 1520 gemeldeten Marathonläufern dann noch einige Dutzend entschließen, doch lediglich eine Runde und damit den Halbmarathon zu rennen, so dass am Ende vielleicht nur 1100 bis 1200 Athleten finishen werden, also das Ziel nach 42,195 Kilometern erreichen. An der Bezeichnung Freiburg-Marathon wird sich dennoch nichts ändern. "Wenn die Marathonstrecke angeboten wird, dann darf sich das Rennen auch Marathon nennen", sagt René Rosin.

Der Pressemitarbeiter beim Freiburg-Marathon-Veranstalter Runabout ergänzt: "Selbst wenn das Verhältnis 1:1000 wäre, also nur zehn von 10.000 Startern die 42,195 Kilometer in Angriff nehmen würden, darf der Ausrichter seine Veranstaltung Marathon nennen." Allerdings sei ein solches Verhältnis nicht wünschenswert, schließlich müssten die Veranstalter auch auf die Wirtschaftlichkeit eines Rennens achten.

Aber ist der Freiburg-Marathon denn dann nicht eine Mogelpackung, wenn nur ein Achtel bis ein Zehntel der Teilnehmer die Marathondistanz zurücklegt? "Nein", sagt Rosin, "schließlich haben wir ja die klassische Distanz im Angebot".

Klar ist indes, dass im Laufsport der Trend inzwischen zu kürzeren Distanzen geht. Das wird durch folgenden Umstand deutlich: Die Zahl der Finisher über die klassischen 42,195 Kilometer war in Deutschland 2011 rückläufig – so wie in den drei vorangegangenen Jahre auch. In Freiburg ist dieser Trend zu kürzeren Distanzen und weniger Qual ebenfalls zu spüren: Im Rekordjahr 2005 gab es für die Marathondistanz 2937 Meldungen – nun, sieben Jahre später, sind es nur noch etwas mehr als die Hälfte – trotz neuer und wohl attraktiverer Strecke.



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von Georg Gulde
am So, 25. März 2012 um 11:18 Uhr

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