Marathon 2011

Freiburg-Marathon: „Mach langsam, Achim!“

Achim Stoll aus Ettenheim-Altdorf quälte sich bei Hitze über 42,195 Kilometer – wie rund 1500 andere Teilnehmer auch.

FREIBURG. "Boooh, war das hart", sagt Achim Stoll aus Ettenheim-Altdorf. Als einer von rund 1500 Läufern nahm er gestern beim Freiburg-Marathon die klassische Strecke in Angriff und beendete sie auch – nach 4:44 Stunden. Stellvertretend für das Heer der Hobbysportler, die bei Langstreckenläufen alle von ähnlichen Sorgen und Nöten geplagt werden: Hier der Erfahrungsbericht des 44-jährigen Kfz-Schlossers, der sich, wie 2010 bei seinem ersten und bislang einzigen Marathon, mit der AOK-Laufgruppe in Lahr auf das Rennen vorbereitete.

»Start: Schön, dass ich kein Allergiker bin. Neben mir blüht und niest es, dass es eine wahre (Pollen)Pracht ist. Man denkt ja, die meisten Teilnehmer seien sehr gesund. Doch wenn man zählen müsste, wie oft hier "Gesundheit" gerufen wird, dann kann man seine Zweifel bekommen.

»5 Kilometer: Noch bin ich damit beschäftigt, die Füße zu sortieren und dem Vordermann nicht auf dessen Latscher zu treten. Der richtige Laufrhythmus geht erst später los.
»10 Kilometer: So langsam komme ich ins Rollen. Schritt für Schritt ein Genuss. Jetzt beginnt die schönste Zeit des Rennens.
»15 Kilometer: Wow, diese Zuschauermassen. Kein Vergleich zum Lauf 2010, als wir Marathoni uns abgehängt vorkamen, da wir nicht mit, sondern nach den Halbmarathon-Läufern an der Reihe waren. Jetzt muss ich mich zügeln. Nun bloß nicht mit den Halbmarathon-Startern mithalten wollen. Mach langsam, Achim! Jedes Mal, wenn ich auf die Uhr schaue, bin ich zu schnell unterwegs. Gut, dass ich nun einen Trainingskollegen begleiten kann, der nur den halben Marathon laufen will, sich aber etwas schwer tut. Durchs Laufen neben ihm, kann ich zumindest nicht überpacen.
»21 Kilometer: Oh, haben es die Starter gut, die so vernünftig waren, nur den Halbmarathon zu rennen. Sie können jetzt ins Ziel abbiegen. Ich habe mir den Marathon vorgenommen – dann ziehe ich das jetzt durch. Auch wenn’s bestimmt bald wehtun wird. Aber ein Indianer kennt kein Schmerz – und ein Kreisliga-B-Fußballer vom SC Orschweier schon gar nicht.
»25 Kilometer: Welch ein Unterschied. Im vergangenen Jahr, als ich meinen ersten Marathon überhaupt gelaufen bin, hat mir auf der endlos erscheinenden Straße nach dem Messegelände Wind und Regen entgegengepeitscht, ich habe gefroren wie ein Schlosshund. Und die Krämpfe fingen an, die ich damals bis zum Ziel nicht mehr richtig los wurde. Aber heute, alles anders. Hitze, keine Krämpfe – jedoch noch 17 Kilometer zu rennen.
»30 Kilometer: Den Weitblick meiner Fußballerkollegen aus der Ortenau kann man nur bewundern. Als ich 2010 gefragt hatte, ob nicht doch mal einer von ihnen mitmachen wolle beim Marathon, da habe ich äußerste Ablehnung erfahren. Ich konnte noch so sehr von Glückshormonen schwärmen. Jetzt, zu dieser Zeit, spielen die Jungs Fußball, laufen bestimmt mal wieder weniger als der Trainer es haben will, und ich quäle mich hier Schritt für Schritt. Ungerechte Welt. Warum lauf ich hier nur mit?

»Kilometer 35: Ich sehe meine Frau. Sie schlotzt genüsslich ein Eis. Soll ich aussteigen und mich zu ihr setzen? Nein. Ich habe ihr versprochen, dass dies mein letzter Marathon sein wird. Denn der Trainingsaufwand ist so gewaltig. Aber bei meinem letzten Marathon aufgeben, das kommt nicht in die Tüte. Also weiter! Jetzt freue ich mich schon auf die findige Familie in Zähringen, die vier Stunden lang mit dem Gartenschlauch dasteht und die Läufer kühlt. Wahrscheinlich werde ich eine ganze Minute beim Gartenschlauch verweilen und mit bei jedem Familienmitglied persönlich bedanken für das erfrischende Nass.
»40 Kilometer: Seit einigen Minuten schmerzen die Füße unerträglich. Ich kann kaum noch laufen, meist gehe ich. Das ändert sich erst wieder, als ich das Ziel sehe. Ja, ich werde finishen. Ich bin erledigt und das Thema Marathon ist es für mich auch. Aber den Fußballern meines Vereins, diesen Ignoranten, lege ich einen Marathon wärmstens ans Herz.

von Georg Gulde
am Mo, 04. April 2011

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