Marathon 2012

Freiburg Marathon macht Zehntausenden Beine – auf und an der Strecke

Es ist das größte Lauf-Event in Südbaden: Der Freiburg Marathon hat mehr als 10.000 Läufer auf die Strecke und geschätzt 60.000 Zuschauer an die Strecke gelockt – und das bei perfektem Frühlingswetter.

Es ist neun nach elf, die Handbiker sind schon auf der Strecke, der Pulk der Halbmarathon- und Marathonläufer steht am Start. Die Zuschauer zählen von Zehn runter: "… drei, zwei, eins" – ein ohrenbetäubendes Hupen, der Marathon ist gestartet. Läufer, Läufer, Läufer, große und kleine, junge und alte, dicke und dünne, ein Mann mit Schottenrock, eine Frau im Dirndl, ein Rückwärtsläufer, ein Papa mit Sportkinderwagen, ein Mann mit fliegendem grauem Bart. Läufer, Läufer, Läufer. Dann die Marathonstaffel, dann die Schüler mit dem S'Cools Run. Und dann kommen auf der anderen Seite des Messegeländes auch schon die Handbiker ins Ziel.Wenige Stunden zuvor, kurz vor neuen Uhr: Die Aufregung bei einigen Läufern ist schon groß. Sprich: Die mobilen Toilettenhäuschen vor der Messehalle werden bereits zwei Stunden vor dem offiziellen Start nachgefragt. Derweil parken auf dem Messegelände immer mehr Autos ein, aus dem Elsass, der Schweiz, aus Tübingen, Böblingen, Rottweil. Freiburger Kennzeichen sind kaum zu sehen. "Die Freiburger kommen wahrscheinlich mit dem Rad", feixt ein Läufer aus Villingen-Schwenningen.

Menschen mit Nerven aus Stahl

Die Handbiker, die als erste Gruppe starten, sind ebenfalls früh angereist. Immerhin haben die Behindertensportler als einzige ihr Sportgerät einzurichten: die aerodynamisch-schnittigen Liegeräder, die mit Handkurbeln betrieben werden. Die Gruppe ist zwar nur 25 Mann stark, aber international besetzt: einige Franzosen sind dabei, Schweizer, zwei Luxemburger, ein Belgier und sogar zwei Dänen. Man kennt sich, "Hallo", "Bonjour", "Auch hier"? Erstmal die schmalen Reifen aufpumpen, bis sie steinhart sind, dann fahren sich die Handbiker ein.

Langsam füllen sich die Messehallen. Die Läufer holen ihre Startnummern und den Chip, der ihre Zeit messen wird. Erstaunlich viele melden sich noch kurz vor dem Rennen an. Die Schlange bei den Nachmeldungen ist beeindruckend lang – das müssen Menschen mit Nerven aus Stahl sein. Genau wie die, die auf der Sport- und Gesundheitsmesse in Halle 3 noch kurz shoppen gehen, Laufsocken oder T-Shirts kaufen. Währenddessen ziehen sich die anderen um und lassen ihre Kleider in blauen Plastiksäcken von Helfern in vorher abgeteilten Zonen deponieren, passend zur Startnummer. In Zone "Halbmarathon 9.001-9.999" sitzt ein Pärchen und schweigt still. Konzentration.Am Ausgang der Messehallen haben sich ausgesprochen fit aussehende Männer gesammelt, über jedem von ihnen schwebt ein gelber oder roter Helium-Luftballon. Das sind die, die anderen per Luftballon signalisieren, welche Zeit sie laufen, wenn sie dem Luftballon folgen. Gibt es eigentlich ein Gesetz, dass erwachsene Männer beim Marathon oder Halbmarathon kniehohe Kompressionsstrümpfe tragen müssen? Scheint fast so. Draußen lässt sich eine Gruppe in schwarzen T-Shirts fotografieren, darauf steht "Team RP". Welchen Ballons sie folgen werden – keine Ahnung.

Entlang der Laufstrecke rockt es, swingt es, grooved es, Menschen jubeln, Helfer reichen Wasser und Bananenstücke. Aber es gibt auch stille, lange Laufstücke, auf denen die Läufer alleine sind mit dem Patschen ihrer Schuhe auf dem Asphalt, mit dem schweren Atem, mit der Sonne, die kräftig scheint. Dann die nächste Kurve, von weitem hört man schon die Guggenmusik und dann wird es wieder laut. "Lauf", schreien die Zuschauer, "lauf". Die Cracks sind da schon im Ziel, die Schnellsten und Ehrgeizigsten, aber an der Strecke laufen sie weiter und die Menschen jubeln ihnen zu.Auf der Marathon-Distanz passiert bei den Herren Bastian Franz vom VfL Sindelfingen als erster die Ziellinie. Seine Zeit: 2 Stunden, 24 Minuten, 46 Sekunden. Bei den Frauen fährt die Schweizerin Denise Zimmermann die beste Zeit ein. Sie gewinnt den 42-Kilometer-Lauf in 2 Stunden, 55 Minuten und 29 Sekunden.

Beim Halbmarathon holt sich die Startnummer 10 den Titel: Philip Willaschek. Er braucht für die 21 Kilometer 1 Stunde, 9 Minuten und 31 Sekunden. Bei den Frauen siegt Christine Schleifer in 1:18:12. Reinhard Berner, 52, macht seit 25 Jahren Rollstuhlsport, seit acht Jahren fährt er Handbike. Er kommt heute als Elfter ins Ziel, keine überragende Zeit, aber auch keine schlechte. Jetzt ruht er sich noch ein bisschen aus. "Hätte schneller sein können, war aber ganz okay", sagt er, blinzelt in die Sonne und ist zufrieden. Der Freiburg-Marathon ist gut gelaufen.
Marathon in Zahlen

Dran glauben mussten am Sonntag 2200 Kilo Bananen (fair gehandelt), 800 Kilo Hefezopf und etwa 10 000 Bio-Energieriegel, ganz zu schweigen von 1500 Kilo Nudeln und 1200 Liter Tomatensauce (pur oder Bolognese). Den Zahlenmarathon runden 450 Schilder und 4000 Meter Absperrgitter ab – und ein Besenwagen.

Mehr zum Thema:
von Simone Lutz, Alexandra Sillgitt
am So, 01. April 2012 um 15:39 Uhr

Badens beste Erlebnisse