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Freiburg Marathon: Rückwärts laufen für einen guten Zweck

Jeder Kilometer ist bares Geld: Ralf Klug aus Kandern bestreitet den Freiburg Marathon rückwärts laufend – und das für einen guten Zweck. Zeitdruck verspürt er dabei nicht.

Klug, Ralf, Jahrgang 1964, Startnummer 872, TSV Kandern. Einer von circa 11 000 Läufern, die am kommenden Sonntag beim Freiburg Marathon starten. Eins jedoch ist verwunderlich: Dass der Mann in Kabul, Afghanistan, im Fitnesscontainer auf dem Gelände der Deutschen Botschaft trainiert, für jeden Kilometer Geld für Kinder erläuft – und dafür rückwärts läuft.Der in Kandern im Schwarzwald aufgewachsene Vater von drei Kindern, der seit mehr als 20 Jahren für das Auswärtige Amt als Techniker arbeitet, sieht es ganz unaufgeregt: "Ich will einfach durchkommen, in sechs Stunden." Wenn er das schafft, gehen 1500 Euro, welche die Winzergenossenschaft Hügelheim mit 37,50 Euro pro Kilometer sponsert, an die Initiative "Kinder unterm Regenbogen" von Radio Regenbogen.

Ralf Klug war schon immer einer, der Spaß an Herausforderungen hatte. Drachenfliegen, Mountainbiking, rückwärts Skifahren. Seine Bestzeit beim Marathon – vorwärts – liegt bei 2 Stunden 58 Minuten (1987 in Hamburg). Sein Lebensweg hat ihn nach Indien, Kenia, Pakistan und Afghanistan geführt. Immer waren Frau und Kinder dabei, außer in Kabul, wo er seit 2011 lebt und "die Bedingungen für die Familie nicht so günstig sind". Die Erfahrungen in diesen Ländern hat ihm bewusst gemacht, "welch’ Glück es ist, im Schwarzwald geboren zu sein und nicht in Matare Valley in Kenia, einem der größten Slums der Welt".

Zum Rückwärtslaufen ist er vor drei Jahren gekommen. Erst waren es knapp vier Kilometer, dann 20, im Jahr 2009 ist er in Prag den Marathon erstmals rückwärts gelaufen. Er ist dabei nicht nur mit einem ungewöhnlichen Blickwinkel unterwegs, wenn er den anderen Läufern ins Gesicht sieht, er hat vor allem eine Botschaft auf dem Weg zum Ziel: "Ich möchte durch meine Aktionen die Frage aufwerfen, ob wir gesellschaftlich mit dem richtigen Tempo in die richtige Richtung laufen." Und ob da nicht bei manchem Überholmanöver eine Schneise der Verwüstung zurückbleibt.

Gestürzt ist er noch nie, und Vertrauen hat der Mann, der im Juni 2012 die 100 Kilometer bei den Bieler Lauftagen auf dem Plan hat – selbstverständlich rückwärts. Er würde sich freuen, wenn er in Freiburg am Sonntag lautstark unterstützt wird – am liebsten auf alemannisch. Im Ziel werden seine Mutter, sein Bruder und Freunde warten. Seine Frau und die Kinder drücken ihm von Potsdam aus, wo sie derzeit wohnen, die Daumen. Ralf Klug wirkt unglaublich bescheiden, als er durch die Telefonleitung aus Kabul sagt: "Der Lauf soll auch ein kleiner Dank an die Heimat und die Jungs vom TSV Kandern sein, die in Prag zu meinem ersten Rückwärtsmarathon zur Unterstützung angereist sind. Und hier im Schwarzwald habe ich schließlich das Laufen gelernt."

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von Annette Aly
am Fr, 30. März 2012 um 15:00 Uhr

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