Märkte in Freiburg (12)

Bei Ukulele-Klängen Gemüse in Betzenhauen kaufen

Hinter dem Tor-Kunstgebilde am Betzenhauser Torplatz sind dienstags und freitags immer Marktstände.

BETZENHAUSEN. Es ist Herbst – das ist auf dem "Betzenhausener Wochenmarkt" nicht zu übersehen: Neben Kürbissen zum Essen und als Schmuck gibt’s Trauben, Äpfel und Birnen. Besser wahrzunehmen wären die leuchtenden Herbstfrüchte und alles andere, wenn die Stände nicht hinter dem Tor-Kunstwerk am Betzenhauser Torplatz verborgen wären. Die Marktleute hoffen, dass sich das bei der Neugestaltung des Platzes ändert. Ansonsten mögen sie den Platz, den sie seit Anfang 2016 nutzen, davor war der Markt rund um die Passage an der Sundgauallee 55.

Eigentlich ist Barbara Karle (51) noch mitten in der Arbeit – doch schon bleibt eine Frau stehen und fragt: "Was soll das Sträußchen kosten?" Sie zeigt auf das kleine Gebinde mit einem Zierkürbis, Kastanien und Blumen, das Barbara Karle gerade zusammensteckt. "6,50 Euro", ist die Antwort, und die Kundin nickt.

Als Barbara Karle noch grüne Blätter dazu nehmen will, gibt’s Widerspruch: "Lieber nicht – jetzt sieht es so schön herbstlich bunt aus." Sonderwünsche sind möglich und erwünscht, wenn Barbara Karle ihre Kunstwerke bastelt. Sie ist Floristin und hatte früher ein Geschäft in Bad Krozingen. Wegen der hohen Ladenmiete verkauft sie seit 2002 nur auf Märkten, in Vauban und seit drei Monaten auch hier. Viele Blumen – zurzeit vor allem Rosen und Sonnenblumen – stammen aus ihrem Garten in Pfaffenweiler, außerdem kauft sie einiges in Gärtnereien der Umgebung, im Winter vom Großhändler. In der kalten Zeit ersetzt sie die Schnittblumen durch Gestecke, vor allem rund um die Weihnachtszeit. Natürlich verkauft sie von ihren Waren und Kunstwerken nie riesige Mengen, aber die Mühe, die sie in ihre Basteleien steckt, zahlt sich aus: Sie kann davon leben und hat auch nach der kurzen Zeit in Betzenhausen schon Stammkunden. Denen ist auch Mogli bestens bekannt, ihr schwarzer Hund, der sie immer begleitet. Bei Peter Graef (60) am Stand neben ihr gibt’s eine andere Besonderheit: Er hat seine Ukulele dabei und nutzt die Zeit zwischen den Kunden zum Üben.

Er ist Musiker, spezialisiert auf Singen und Percussion, mit der Ukulele ist er noch Anfänger. Seit vier Wochen steht er immer freitags auf dem Betzenhauser Markt und verkauft den Honig von seinen zurzeit vier Bienenvölkern, die er seit drei Jahren hat – oder wie derzeit den Honig eines Freundes, weil sein Honig schon ausverkauft ist. Und dann sind da die Pflanzenseifen seiner Frau Karin Graef, die eine therapeutische Praxis in Ballrechten-Dottingen hat. Dazu kommen mit dem eigenen Brennofen selbst angefertigte bunte Seifenschalen und Keramikschüsseln oder -becher. Bisher läuft der Verkauf nebenberuflich, doch das Paar hofft, später dauerhaft die Rente damit aufbessern zu können – beide sind Freiberufler und haben keine hohe Rente zu erwarten, erzählt Peter Graef.

Dazu kommt, dass er die Marktkultur wichtig findet. Der "Betzenhausener Wochenmarkt" könnte noch ausgebaut werden, finden der Metzger Kurt Binder, der Vorsitzender des Marktvereins ist, in dem sich Anfang des Jahres einige der Händler zusammengeschlossen haben, und Wolfram Hertrampf, der kein Händler, aber als Engagierter vom Stadtteiltreff Betzenhausen Schriftführer im Marktverein ist. Bisher gibt’s neben den Blumen, dem Honig und den Seifen zwei Stände mit Obst und Gemüse – Bio und konventionell –, Fleisch und Käse. Was fehlt, sind unter anderem Brot, Nudeln, Oliven und ein Kaffeestand. "Der Markt hätte viel Potenzial", findet Jan Michalski (59), der den Bioland-Stand betreibt. Sein Schwerpunkt sind Beeren – momentan gibt’s die letzten Himbeeren –, in kleinerem Umfang baut er Gemüse an, manches kauft er von Kollegen dazu, Exotisches vom Bio-Großhändler Rinklin.

Seine eigene Geschichte erscheint ihm wie ein Traum: Vor rund 30 Jahren zog er aus Polen nach Denzlingen und lernte jahrzehntelang im Bio-"Südhof" der Familie Höfflin alles, was in der Bio-Landwirtschaft wichtig ist. 2011 erfüllte er sich seinen Traum und übernahm mit seiner Frau bis dahin vom "Südhof" gepachtete Beeren-Felder. Das baute er aus. 2014 kamen der Kauf seines Hofs in Sexau und eines Stücks Acker dazu. Dienstags und freitags ist nachmittags der Hofladen geöffnet, dazu kommt der Verkauf in Betzenhausen und mittwoch- und samstagvormittags an einem Stand in Haslach an der Carl-Kistner-Straße.

"Betzenhausener Wochenmarkt": Immer dienstags und freitags von 8 bis 13 Uhr am Betzenhauser Torplatz. Ansprechpartner ist der Metzger Kurt Binder, Tel. 07642/40674, E-Mail-Adresse: metzgerei-binder@gmx.de.
von Anja Bochtler
am Sa, 23. September 2017

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