Familien in Südbaden

Für die Trabers ist die Familie das wichtigste Auffangnetz

Die Traber-Artisten aus Breisach haben einen abwechslungsreichen und oft gefährlichen Alltag. Die Familie stellt seit Generationen die einzige Konstante dar. "Die Familie ist alles", sagt daher auch Patron Johann Traber senior.

Eine gute Familie ist wie ein Netz, das einen auffängt, wenn man ins Straucheln kommt. Diese Erfahrung haben viele schon gemacht. Doch das Bild vom Straucheln und dem Netz passt wohl selten so gut wie bei der Artistenfamilie Traber aus Breisach. "Die Familie ist alles", sagt Patron Johann Traber senior. Und er meint jedes Wort genau so, wie er es sagt.

Diese Einstellung hat die Trabers über die Jahrhunderte getragen. 500 Jahre können sie ihre Geschichte zurückverfolgen. Stets waren sie Artisten, Seiltänzer, Schausteller. Die Zeiten haben sich geändert, auch bei den Trabers gab es Veränderungen. Johann Traber wohnt mit Frau, Kindern und seinem ersten Enkel zwischen Vogtsburg und Breisach, er ist sesshaft geworden. Doch nach wie vor ist die Familie für ihn das Wichtigste. Und die Strukturen dieser Familie haben sich über die Jahrhunderte bewährt. Schließlich sind die Trabers seit 1799 durchgehend Hochseilartisten. Was die Kinder wissen müssen, vor allem, wie man sich auf dem Seil mit schlafwandlerischer Sicherheit bewegt, das wird von Generation zu Generation weitergegeben. Das Training beginnt quasi mit der Geburt.

"Meine Kinder waren hier in Breisach in der Schule. Aber bei mir war das noch anders", erinnert sich Johann Traber. "Lesen, schreiben und rechnen habe ich vor allem von meiner Mutter gelernt." Schließlich sei die Familie meist unterwegs gewesen, immer auf Tournee, immer auf Achse. Da wechselten Schulen und Freunde oft. Die einzige Konstante war die Familie. "Wir gegen den Rest der Welt. Oder auch mit ihm", beschreibt Johann Traber die Einstellung der Familie. "Der Leitspruch meines Vaters war: ,Tue recht und fürchte niemand‘, danach richte ich mich noch heute", bekräftigt er.

Als sein Sohn, Johann Traber junior, 2006 bei einem Hochseilunfall schwer verletzt wurde, zeigte sich für den Senior, dass das Netz der Familie auch heute noch intakt ist. "Wir haben alles sausen lassen und waren nur bei ihm. In unseren Fahrzeugen ist schon das Gestrüpp gewachsen", erinnert er sich an diese schwierige Zeit.

Die Show geht weiter

Dieser Unfall hat die Familie zwar schwer mitgenommen, völlig aus der Bahn werfen konnte er die Artisten aber nicht. Stürze gehören für die Trabers zum Berufsrisiko – auch wenn sie dieses natürlich so weit wie möglich ausschließen wollen. Die Arbeit auf dem Seil und die Artistik sind die Lebensgrundlage des Clans, deswegen halten die Trabers ohne Wenn und Aber an der Familientradition fest. So machte jüngst Johann junior seiner Freundin einen standesgemäßen Heiratsantrag: Er hielt auf dem Hochseil um ihre Hand an. Verwundern kann einen das nur im ersten Moment, schließlich ist es bei den Trabers auch Tradition, dass die jüngsten Sprösslinge der Familie vor der Taufe übers Seil zum Pfarrer getragen werden. In diese Familie geboren zu werden, bedeutet eben auch, in einen Beruf hineingeboren zu werden. Wo die Kinder der Familie geboren werden, spielte dabei früher keine Rolle. "Mein Bruder Falko wurde in Besançon geboren, mein Bruder Charly in Zagreb. Ich selbst in Stuttgart", erzählt Johann Traber senior.

Früher war die Familie noch mehr unterwegs. Aber auch heute gehört das Reisen zum Alltag der Trabers, zum Beispiel, wenn sie wieder irgendwo auf der Welt einen neuen Rekord aufstellen.

Im Guinness-Buch der Rekorde stehen sie bereits mit mehreren Nummern. Allein Johann Traber senior ist mit fünf Bestleistungen vermerkt. Unter anderem stellte er 1998 in Freiburg den Geschwindigkeitsweltrekord auf einem Hochseil auf. Mit 96 Kilometern pro Stunde raste er damals auf seinem Motorrad das Seil entlang in Richtung Schlossberg. Den Drang zu solchen Höchstleistungen bekommen die Trabers in die Wiege gelegt.

Für seinen bislang einzigen Enkel Mex Anton, noch ein Kleinkind, hat der Senior einen kleinen Rennwagen gekauft. Darin liegt ein Helm. "Da steht sein Name drauf", sagt Traber senior mit Blick auf das jüngste Familienmitglied. Das Netz hält, die Show muss weitergehen.
Familiengedicht

Die Familie der Narren

Von Margot Maria Traber, geb. Spindler
(Mutter von Johann Traber senior)


Ich stamm’ aus der großen Familie der Narren,
von denen der Kluge verächtlich spricht:
Was tut Ihr? Ihr zieht den Thespiskarren,
zur redlichen Arbeit, da taugt Ihr ja nicht.

Was könnt Ihr schon schaffen, was könnt Ihr nützen?
Ihr vertrödelt ja nur die kostbare Zeit,
mit albernen Späßen und dummen Witzen,
Ihr Possenreißer im Narrenkleid.

Was weißt Du, Amtmann,
mit Deinem fetten und feisten Genick?
Dein Amtskleid ist Dir lästige Bürde.
Was weißt Du von uns und unserem Geschick?
Was weißt Du von unserer Würde?

Auf dem Regenbogen stehen,
und fliegen durch die Nacht,
den Himmel offen sehen,
der kleine Stern mit lacht.

In Nebelschwaden eingetaucht,
der Narr steigt auf zum Firmament.
So glaubt ihm doch, dass er Euch braucht,
auch wenn Ihr ihn nicht kennt.

Der Narr gibt, was er geben kann,
auch wenn sein Inneres zerbricht,
was ihn bedrückt, wen geht’s was an,
denn Narren weinen nicht.

Mal ist das Kleid aus schimmernder Seide,
mal ist es aus einfachem Baumwolltrikot,
mal trag ich es hier, morgen und heute,
und übermorgen anderswo.

Ist dann vorüber meine Zeit,
dann streiche ich mit zitternden Händen,
mein liebes, mein altes Narrenkleid,
brauch mich für niemanden mehr verrenken.

Doch will man von uns Narren nichts mehr wissen,
sind erst erloschen die Lichter der Rampenwelt,
wer wird uns da wohl je vermissen,
dann ist das Spiel aus, und der Vorhang fällt.

Mehr zum Thema:
von Felix Held
am Do, 30. Oktober 2014 um 00:05 Uhr

Badens beste Erlebnisse