Für feinere Töne geschaffen

BZ-SERIE: Gerhard Müller kennt die kleine Orgel in der Offnadinger Kirche Heilig Kreuz gut.

EHRENKIRCHEN. Gerhard Müller nimmt seine Fingerspitzen von den Tasten und blickt nach vorne zum Altarraum. Der Klang der kleinen, aber feinen Orgel hallt nach. Müller rümpft die Nase und hebt den Zeigefinger in die Luft. "Da! Jetzt hängt sie wieder." Im Winter komme das oft vor. Der Ton klingt weiter. Das Register bleibt durch das sich bei Kälte verändernde Holz hängen – in der Kirche Heilig Kreuz in Offnadingen.

Müller war hier jahrelang Organist in Offnadingen. Nicht nur das: Auch den Kirchenchor hat er geleitet. Diese Aufgaben hat vor fünf Jahren seine Tochter Katharina Keller übernommen. So hat Müller Zeit, selbst im Kirchenchor mit zu singen und das Seniorenchörle, das 2000 gegründet wurde, zu leiten. "Musik ist wichtig und hält fit", sagt er und trifft sich so zur wöchentlichen Probe mit Senioren aus Ehrenki rchen, Merdingen und der ganzen Umgebung.

Der frühere Lehrer und seine Familie sind tief mit der Kirche, speziell mit der in Offnadingen, verbunden. Seine Frau, Friedericke, ist Vorsitzende des Kirchenchors und als Messdienerin tätig. Sein Onkel, ein pensionierter Pfarrer, hat jahrelang bis zu seinem Tod vor zehn Jahren den Gottesdienst in der kleinen Kirche gehalten. Müller kennt die Kirche gut, sie ist wie ein zweites Wohnzimmer für ihn. So war es auch Ehrensache, dass er sich gegen Ende der 1970er Jahre um die Renovierung des Gotteshauses kümmerte. Er stellte Anträge auf finanzielle Unterstützung und kümmerte sich um die Arbeiten. Während die Handwerker den Innenraum der Kirche renovierten, wurden die Gottesdienste 1983 im Gasthaus gegenüber abgehalten. Müller schmunzelt noch heute bei dem Gedanken daran.

Die Orgel war zu diesem Zeitpunkt bereits renoviert und musste deshalb lediglich vom Staub, der durch die Arbeiten in der Kirche entstanden war, befreit werden. Das Instrument wurde schon im Jahr 1972 gegen den Holzwurm behandelt. Die Firma Fischer & Krämer übernahm diese Arbeiten. Gebaut wurde die Orgel 1857 von Jacob Forrell aus Freiburg. "Mit ihm scheint es wohl öfter Ärger gegeben zu haben", berichtet Müller. Er habe viel zu lange für die Arbeiten gebraucht, den Preis plötzlich enorm erhöht, und die Gemeinde sei sehr verärgert gewesen. "Irgendwann haben sie sich aber dann wohl doch geeinigt, und die Orgel kostete letztlich 1250 Gulden", sagt Müller. Er habe allerdings gelesen, dass Forrell öfter mal Pfarrgemeinden gegen sich aufbrachte. Die Orgel steht noch so in Offnadingen, wie Forrell sie gebaut hatte. Lediglich ein elektrischer Blasebalg wurde eingebaut, und die Prospektpfeifen, also die von außen sichtbaren Pfeifen, wurden erneuert.

Für Müller ist die Orgel eine ganz besondere. "Man muss sie mit Gefühl spielen und kann nicht einfach so in die Tasten hauen", erklärt er. Die Orgel sei eher für die feineren Töne geschaffen, da sie auch nur einen kleinen Raum erfüllen muss mit ihrem Klang. Auch moderne Stücke sind nicht für die Offnadinger Orgel gemacht, findet Müller. "Ich kenne unsere kleine Orgel gut, so oft wie ich auf ihr gespielt habe."

Bei Kälte bleibt ab und

zu ein Register hängen

Orgel zu spielen hat er erst relativ spät gelernt. Sein Lehrer war Pater Heinz Faller. Täglich übte er mehrere Stunden, so dass er nach zwei Wochen das erste Lied spielen konnte.

"Bis ich 1968 in Kirchhofen angefangen habe, Gottesdienste zu begleiten, hat es einige Zeit gedauert", erzählt Müller heute. 1975 übernahm er den Offnadinger Kirchenchor und 1984 schließlich den dortigen Orgeldienst. Seither weiß er, dass bei Kälte ab und zu das Register hängen bleibt und der Ton ungewollt weiterklingt in der kleinen Kreuzkirche.

von Sophia Hesser
am Do, 02. April 2015

OFFNADINGER ORGEL IN DER KIRCHE HEILIG KREUZ

- 1857 erbaut von Jacob Forrell, Freiburger Orgelbauer

- 1972 restauriert von Fischer & Krämer

- 10 Register

- 556 Pfeifen

Weitere Teile der BZ-Orgelserie gibt es unter mehr.bz/orgelserie
 

Autor: she

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