Für romantische Musik geschaffen

BZ-WEIHNACHTSSERIE: Auf der Schäfer-Orgel in der Ihringer Kirche haben schon viele hochkarätige Organisten gespielt.

IHRINGEN. "Unser Instrument ist eine romantische Orgel", sagt der Ihringer Pfarrer Peter Boos. Ein Jahr nach Einweihung der evangelischen Kirche, 1878, wurde die Schäfer-Orgel aus Heilbronn in Betrieb genommen. Über Jahrhunderte hinweg waren die Schäfers eine an verschiedenen Orten ansässige Orgelbauer-Familie, deren Instrumente bis heute in Kirchen im ganzen süddeutschen Raum erklingen. Die Heilbronner Werkstatt gründete Carl Heinrich Schäfer (1810 – 1887).

In den 1870er Jahren hielten industrielle Bauweisen Einzug in den Orgelbau. "Anstelle von Schleifladen, die mit Seilzugtechnik die Töne erzeugten, verwendete Schäfer Kegellager, in denen sich Wellen drehten", erläutert Pfarrer Boos. Um 1900 wechselte man die Technik, später wurden die Kegelladen erneut eingebaut. Sie haben den Nachteil, dass die Abdichtungen der Orgelpfeifen bis heute aus Leder bestehen.

"Das Naturmaterial reagiert empfindlich auf Staub, Feuchtigkeit und Wärme, wodurch manchmal stimmliche Unreinheiten auftreten", erklärt Pfarrer Boos. Die "alte Dame" habe eben ihre Marotten, sagt er über das unter Denkmalschutz stehende Instrument mit seinen 25 Registern, den zwei Manualen und einem Pedal. Erst in den 1920er Jahren wurden die bis dahin verwendeten Blasebalge – zwei Personen mussten sie permanent per Fuß bedienen – durch ein elektrisches Gerät ersetzt. Bis auf ein Zungenregister sind nur Labialregister eingebaut, was der Ihringer Orgel einen für die Romantik klangtypischen Ton verleiht. Die in dieser Epoche entstandene Orgelmusik, etwa von Franz Liszt, Cesar Franck, Max Reger oder Charles Widor, dem Orgellehrer von Albert Schweitzer, kann auf ihr sehr gut gespielt werden. Für Barockwerke, etwa Orgelkompositionen von Bach und Händel, eignet sie sich weniger.

Eine Besonderheit der Ihringer Orgel ist der klassizistische Prospekt, womit das Erscheinungsbild der Orgel gemeint ist. Der "umgedrehte" Spieltisch ermöglicht dem Organisten, das Geschehen in der Kirche zu beobachten. Das erleichtert die Spielführung während des Gottesdienstes.

Einmal jährlich muss das Instrument gestimmt werden. Heute ist im Orgelprospekt ein Luftbefeuchter installiert, der die Luftfeuchtigkeit konstant auf 70 Prozent hält. Das verhindert ein Verziehen der hölzernen Züge des Instruments.

Jeden Sonntag erklingt die Orgel während des Gottesdienstes. Im Ihringer Organisten-Pool teilen sich fünf Musikerinnen und Musiker diese Aufgabe. Viele hochkarätige Musiker haben auf der Ihringer Orgel gespielt. Pfarrer Boos erinnert an die Gastspiele bei den Klassikfesten, die vor einigen Jahren in dem Winzerdorf stattfanden. Oft lobten die Musiker die außergewöhnlich schönen Klangfelder des Instruments, von denen der Pfarrer sagt, dass sie nicht leicht zu erspüren sind.

Die in Ihringen lebende Organistin Annkathrin Keil organisiert regelmäßig Musikbegegnungen, bei denen sie mit anderen Instrumentalisten Orgelmusikwerke aufführt.

Termin: Am Sonntag, 7. Dezember um 20 Uhr tritt Annkathrin Keil in der Ihringer Kirche zusammen mit dem Trompeter Simon Schäfer auf. Auf dem Programm des Adventskonzerts stehen Werke von Bach, Telemann und Mozart.

von Kai Kricheldorff
am Sa, 06. Dezember 2014

DIE IHRINGER ORGEL

1877 wurde der Bau der Orgel für die neue evangelische Kirche in Ihringen beim Heilbronner Orgelbauer Carl Heinrich Schäfer in Auftrag gegeben. 1878 erfolgten der Einbau auf der Empore des kurz zuvor eingeweihten Gotteshauses und die Inbetriebnahme des Instruments. Es verfügt über 25 Register, zwei Manuale und ein Pedal.

Mehr zum Thema gibt es unter http://mehr.bz/orgelserie
 

Autor: kff

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