Fundgrube für ausgefallene Sachen

Christine Lässle schließt ihren Secondhandladen Pepita zum 1. Juli altersbedingt, eine Nachfolgerin ist noch nicht in Sicht.

LAHR. Mode beeinflusst das tägliche Leben. Mal offensichtlich, mal eher versteckt, beim einen mehr, beim anderen weniger, aber keiner kann sich ihr komplett entziehen. Die Badische Zeitung stellt in der Serie "Mode in Lahr" verschiedene Facetten und Menschen der Modewelt in und aus Lahr vor. Heute: Christine Lässle und ihr Secondhandladen Pepita.

Eine Glocke klingelt durchdringend, wenn man die wenigen Stufen hochsteigt und durch die Glastür den Laden von Christine Lässle am Werderplatz 7 betritt. Die Atmosphäre drinnen hat etwas von einem Wohnzimmer: Antiquierte Handspiegel liegen neben Perlenketten, Vasen und Silberbesteck, in Regalen an den Wänden stehen Schuhe und Taschen – eine Atmosphäre zum Wohlfühlen und Stöbern. Wer möchte, bekommt einen Kaffee.

Man sieht sofort, hier hängen nur ausgewählte Kleider auf den Bügeln, jedes einzelne Stück wandert durch die Hände von Christine Lässle, bevor es den Weg auf die Stange findet. "Es war mir immer schon wichtig, nicht wahllos alles anzubieten. Ich achte auf hochwertige Materialien und gute Firmen. Kleider von Billiganbietern bekommt man bei mir nicht", bestätigt sie.

Mehr als 30 Jahre lang hat Christine Lässle den kleinen Laden geführt, zuerst in der Kaiserstraße, später am Werderplatz. Am 30. Juni wird sie ihre Ladentür zum letzten Mal aufschließen. Danach wird Lahr um eine Modefacette ärmer sein, denn ob es eine Nachfolgerin gibt, ist noch ungewiss. "Momentan sieht es eher nicht danach aus", sagt Christine Lässle.

Ihren Laden hatte sie im Juni 1984 eröffnet, nach der Erziehungszeit für ihren Sohn. "Ich war Anfang 30 und kannte mich im Textilbereich gut aus, da ich eine Lehre als Einzelhandelskauffrau in diesem Bereich absolviert hatte. Ich wollte es mit etwas Neuem versuchen, was es so in Lahr noch nicht gab." Der Versuch klappte, bis heute hat Christine Lässle einen festen Kundinnenstamm, nur wenige Männer kommen in den Laden.

Doch ihre Kundinnen sind gemeinsam mit ihr älter geworden, jüngere Leute kommen inzwischen seltener. Sie selbst sagt: "Ich bin jetzt 65 Jahre alt, vielleicht habe ich den Bezug zu den 15 bis 20-Jährigen verloren, aber ich habe den Eindruck, dass sich die Jugendlichen heute sehr nach dem Massengeschmack kleiden. Sie sehen doch alle irgendwie gleich aus und wollen auch nicht wirklich hervorstechen."

Als sie den Laden aufgemacht habe, sei es genau andersherum gewesen, erzählt sie. Die Jugendlichen hätten sich ihren Look selbst zusammengestellt und Einzelstücke seien heißbegehrt gewesen. "Ich verstehe es auch nicht wirklich: Immer mehr junge Leute ernähren sich vegan oder vegetarisch, achten also auf bewusste Ernährung, kaufen aber ihre Kleidung in Billigläden, die nun wirklich nicht nachhaltig produzieren. Das passt doch nicht zusammen, das widerspricht sich." Sie selbst ist im Nachhinein stolz auf ihre eigene Ökobilanz. Sie habe immer nachhaltig gearbeitet und sich auch selbst fast nur mit Stücken aus ihrem Laden eingekleidet.

Hochwertige Taschen und Schuhe sind willkommen

Auch sie ist von Kopf bis Fuß stilvoll in Secondhandmode gekleidet. "Ich sitze ja an der Quelle und schaue mir alle Stücke an, da kann ich mir schon mal etwas zur Seite legen, wenn es mir gefällt."

Auch für Christine Lässle ist es wichtig, Trends zu beobachten und am Puls der Mode zu sein, um ihren Kunden das bieten zu können, wonach sie suchen. Im Unterschied zu anderen Läden, kauft sie ihre Waren jedoch nicht selbst ein, sondern wartet darauf, dass die Leute ihr die Kleidung bringen, die sich verkaufen lässt. "Ich habe natürlich am meisten Interesse an ausgefallenen Sachen, aber auch hochwertige Taschen und Schuhe lassen sich gut verkaufen, weil diese neu sehr teuer sind", erklärt sie.

Sie sieht inzwischen mit einem Blick, ob ein Kleidungsstück in ihren Laden passt oder nicht. Auf einen bestimmten Stil legt sie sich dabei nicht fest, sie versucht vielen gerecht zu werden und möchte ihre Kunden entscheiden und auswählen lassen.

Ihr eigener Stil? "Oh, das ist schwer, den findet man irgendwann intuitiv. Für mich ist es wichtig, dass ich mich wohlfühle. Das Material muss stimmen und ich muss das Gefühl haben, dass das Stück mir steht." Früher habe sie sich oft noch mehr gestylt, heute gehe sie eher leger zur Arbeit. Doch noch immer strahlt sie eine gewisse Eleganz aus. Schmunzelnd erzählt sie: "Meine Mutter trug früher nur Röcke, das konnte ich nie leiden. Ich wusste immer: Ich trage auch mit 65 noch Jeans."
von Hannah Fedricks Zelaya
am Sa, 11. März 2017


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