Freiburg

FWTM-Chef freut sich über den 10. Freiburg-Marathon

Gäbe es ihn nicht, man müsste ihn erfinden. Wenn Bernd Dallmann vom Freiburg-Marathon spricht, ist Begeisterung, ja sogar ein bisschen Emotionalität zu spüren.

Nicht nur, dass Dallmann demnächst ins Training einsteigt, schließlich möchte der Geschäftsführer der Freiburg Wirtschaft, Touristik und Messe GmbH (FWTM) bei der zehnten Auflage am Sonntag, 7. April, wieder mit dabei sein. Für den 61-Jährigen ist der Laufevent schon deshalb eine tolle Sache, weil die Stadt Freiburg dafür nichts berappen muss. Dafür erhält das Image Streicheleinheiten: Die Veranstaltung, die stets früh in der Laufsaison, Anfang April, über die Bühne geht, gilt inzwischen als ebenso populär wie gut organisiert.

Dallmann kann sich also die Hände reiben. Einst gab es das Angebot eines Kölner Veranstalters, der 100 000 Euro dafür haben wollte, die Laufszene in Freiburg am Start zu sehen. Abgewunken wurde damals, ebenso, als die Freie Turnerschaft (FT) als örtlicher Verein das Wagnis stemmen wollte. "Hätte die FT ein Defizit gemacht, wäre die Stadt am Zug gewesen, den Verlust auszugleichen", sagt Dallmann, der dann froh war, als Anfang der 2000er-Jahre der Münchner Gernot Weigl mit seiner Agentur Runabout an Freiburg Interesse bekundete.

Dallmanns Zufriedenheit hatte ihren Grund: Weigl, der einst auch den München-Marathon auf den Weg gebracht hat, war bereit, Freiburg das Spektakel quasi zu schenken. Das Risiko liegt beim Veranstalter. Das war eine der Voraussetzungen, die Weigl seinerzeit die Tür im Breisgau öffnete. Doch nicht nur Weigl, der von den Teilnehmern Startgebühren erhebt, verdient in Freiburg. Auch der Stadt bringt der Lauf Geld ein. Umwegrentabilität wird so etwas genannt.

Als Beispiel zieht Dallmann Zahlen aus dem Jahr 2008 heran. Damit niemand auf seinen Kosten sitzen bleibt, muss mit der Laufveranstaltung mittlerweile eine stattliche Summe erwirtschaftet werden. 2,5 bis 2,7 Millionen Euro Umsatz sind notwendig, um alle Kosten zu decken. So werden dem Veranstalter Gebühren für Hilfspersonal ebenso wie fürs Rote Kreuz, die Müllabfuhr oder die benötigten Absperrgitter in Rechnung gestellt. Und natürlich verlangt die FWTM Miete für die Messehallen am Flugplatz, vor deren Türen nicht nur Start und Ziel aufgebaut sind. Die Hallen beherbergen auch eine von Runabout organisierte Laufmesse, die sich inzwischen großer Beleibtheit erfreut. Mittlerweile wird dort über eine Million Euro umgesetzt. Hinzu kommen Faktoren wie die gute Hotelbelegung am Marathon-Wochenende. Ausgebucht ist da manches Haus, da laut einer Erhebung 80 Prozent aller Teilnehmer einen bis drei Begleiter mit in die Stadt bringen – auch zur Freude des Einzelhandels. Bei etwa 10 000 Startern ist das eine ganze Menge.

Rund 50 000 Personen tummeln sich beim Marathon als Tagesbesucher in der Stadt, wobei rund die Hälfte von außerhalb kommt. Für Dallmann jedenfalls ist der Lauf nicht mehr wegzudenken. Offenbar auch für Weigl nicht, der eigenem Bekunden zufolge jedes Jahr gerne wieder nach Freiburg kommt. Das Geschäft ist offenbar ein gutes.

Für den Chef der FWTM ist es nicht nur der angenehme Umstand, dass "für relativ wenig Aufwand" eine tolle Atmosphäre in die Stadt gezaubert werden kann. Der Event, so der Wirtschaftsförderer, habe Freiburg auch in der Laufszene bundesweit bekannt gemacht. Einen riesigen Imagegewinn diagnostiziert er, in der Beliebtheit und der Konstanz sieht Dallmann Freiburg unter den Top Ten bundesweit. Basel und Karlsruhe, sagt er beiläufig, hätten da Lehrgeld bezahlen müssen. In beiden Städten sei der Marathon vom Veranstaltungskalender verschwunden.

In Freiburg dagegen treffe der Marathon samt den dazu angebotenen Laufstrecken die Bedürfnisse der Bevölkerung am richtigen Punkt. Laut Dallmann heißt das: Der Lauf ist nachhaltig, harmonisch, er macht keinen Ärger, wird rundherum akzeptiert – und das Rahmenprogramm samt der aufspielenden Bands an der Strecke wird toleriert. Minimal sind Dallmann zufolge die negativen Aspekte. Die Eingriffe in den Verkehr bezeichnet er als kaum wahrnehmbar, zumal die Veranstaltung stets sonntags über die Bühne geht.

Deshalb könne es jetzt nur darum gehen, sich am Markt zu behaupten. Möglicherweise ist das nicht ganz so einfach. Auch der Läufer Dallmann hat nämlich registriert, dass der Marathonboom deutlich nachgelassen hat. Es wundert ihn auch nicht, dass die Zahl der Läufer, "die sich so etwas antun", schwindet. Denn: "Für viele geht es doch darum, sich zu beweisen", sagt er. Habe man den Lauf über 42 Kilometer dann einmal geschafft, sei es für nicht wenige auch genug.

Zukunftsängste hat Dallmann gleichwohl keine. Die Breite des angebotenen Laufspektrums führe viele, gerade Schüler und Teilnehmer von Firmensportgruppen wiederum ans Laufen heran. "Das kann dann ein motivierendes Gruppenerlebnis sein", dem nicht zuletzt auch eine nicht zu verkennende gesundheitspolitische Funktion zukomme.
von Michael Dörfler
am Sa, 16. März 2013 um 00:00 Uhr

Badens beste Erlebnisse