Ganz außer Dienst ist die Orgel nicht

BZ-SERIE: In Denzlingens ehemaliger Pfarrkirche St. Josef steht eine Orgel aus der Werkstatt von Wilhelm Bader aus Hardheim.

DENZLINGEN. Gebraucht wie das Kirchengebäude selbst, war die erste Orgel, die in der 1913 eingeweihten St. Josefskirche den Gesang der kleinen katholischen Gemeinde begleitete. Während die Kirche aus Emmendingen stammte, dort abgetragen und in Denzlingen an der Glotter wieder Stein für Stein aufgebaut worden war, hatte das Instrument der Überlinger Orgelbaufirma Schwarz & Sohn zuvor in Schonach seinen Dienst verrichtet.

Eine Orgel, die bis dahin in der kleinen St. Josefskirche an der Hinterhofstraße, dem heutigen Kindergarten St. Josef, Chor und Gemeinde begleitet hatte, war noch 1913 an das "Armenkinderhaus" in Riegel als Spende abgegeben worden, was für die Großherzigkeit angesichts der neuen Kirche spricht. Zumal der Kirchengemeinde selbst das Geld für ein neues Instrument fehlte. Die katholische Gemeinde zählte damals 560 Mitglieder, was knapp 30 Prozent der Bevölkerung entsprach. Von diesen hatten jedoch nur 15 von 357 Denzlingern das Bürgerrecht.

1959 hatte der Stiftungsrat entschieden, die Orgel aus Schonach, die immer mal wieder repariert und so in Gang gehalten worden war, durch ein neues, deutlich mehr bietendes Instrument zu ersetzen. Pünktlich zur Feier des 50-jährigen Bestehens der Kirche erklang die neue Orgel der Firma Bader.

"Mit dem neuen Instrument hat sich 1963 die Kirchengemeinde klanglich ganz neu aufgestellt", erinnert sich Josef Fischer an die Freude über das neue Instrument. Der heute 86-Jährige, der 1961 die Leitung des Kirchenchores übernommen hatte und auch Organist der Gemeinde war, hatte seine ersten Lehrstunden als Orgelspieler bereits in den 40er Jahren auf dem Vorgängerinstrument erhalten. "Zu einem günstigen Preis erhielt die Gemeinde ein ordentliches Instrument", so Fischer, der auch heute noch immer wieder auf der Orgel spielt. Dass die Grundstimmung einer barocken Disposition folgt, kommt ihm, der von Jugend an von der Kirchenmusik Bachs fasziniert war, dabei entgegen.

Auf ganz andere Weise kam Fischer seine Ausbildung zum Feinmechaniker beim Orgelspiel zugute. "Oft sind einzelne Töne ausgefallen", erklärt er zu baulichen Defiziten, denn mechanische Verbindungen seien teils mit einfachem Blech ausgeführt gewesen, das wenig Standhaftigkeit bewiesen habe. "Immer wieder, wenn etwas kaputt ging, habe ich sie mit Material, das ich passend bei meiner Arbeit als Fernmeldetechniker fand, ersetzt", so Fischer. Daneben habe eine geringe Stimmkonstanz, beispielsweise der Krummhörner, im abverlangt, das Instrument selbst zu stimmen.

Nachdem die Kirche 1976 mit der Weihe der neuen St. Jakobuskirche ihren Status als Pfarrkirche verlor, erklang auch die Orgel nicht mehr so häufig. Doch ganz außer Dienst ist sie nicht, denn die Kirche wird immer wieder gerne für Tauffeiern, Hochzeiten oder Trauerfeiern genutzt.

von Markus Zimmermann
am Do, 08. Januar 2015

BADER-ORGEL

- Firma: Orgelbau Wilhelm Bader aus Hardheim

- Baujahr: 1963

- Register: 23 Register, die über zwei Manuale und ein Pedal gespielt werden

- Pfeifen: 1442 klingenden Pfeifen

Weitere Serienteile und Erklärstücke rund um das Thema Orgel gibt es unter http://mehr.bz/orgelserie
 

Autor: mzd

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