Das Wormser Konkordat

GEISTESBLITZ: Friede auf Erden

Was hatte dieser Streit Kaiser Heinrich IV. nicht alles eingehandelt: 50 Jahre Konflikt mit dem Papst, den Kirchenbann und die Exkommunikation, einen Kniefall im Büßergewand, einen Aufstand der ihm untergebenen Fürsten und eine bewaffnete Rebellion des eigenen Sohnes. Erst diesem, Heinrich V., blieb es vorbehalten, die Sache beizulegen. Vor 911 Jahren, am 23. September 1122, unterzeichnete er mit dem Kontrahenten in Rom das Wormser Konkordat. Damit war entschieden: Die Zeit, in der Kaiser und Fürsten allein darüber entscheiden durften, wer in ihrem Herrschaftsgebiet den Bischofsstuhl besteigen durfte, war endgültig vorbei. 1070 hatten sich der deutsche Kaiser Heinrich IV. und Papst Gregor VII. über diese Frage in die Haare gekriegt, am 2. Februar 1077 schien der sogenannte Investiturstreit zunächst entschieden, der Pontifex zwang Heinrich vor der Burg Canossa reumütig in den Schnee. Dieser wollte mit der Unterwerfung einem Aufstand der eigenen, von Rom aufgestachelten Fürsten die Unterstützung des Papstes entziehen. Der Frieden war nur vorläufig: Auch in den folgenden Jahren hintergingen sich Heinrich und Gregor und setzten sich gegenseitig ein und ab. Ähnlich machten es die Nachfolger. 1122 waren beide des Streits müde. Mit dem Konkordat stand fest: Fortan durften die Kirchenleute ihre Hirten selber wählen, ein kaiserlicher Abgesandter durfte aber in Streitfragen schlichten. Die weltliche Macht wurde den Bischöfen vom Kaiser, die geistliche von der Kirche verliehen – in Zukunft konnte keiner mehr ohne den anderen.

Korrektur: Durch einen technischen Fehler wurden auf der letzten Wissensseite die Kolumnen aus der Vorwoche abgedruckt. Wir bitten dafür um Entschuldigung.
von mich
am Sa, 24. September 2011

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