Kandidatencheck

Gerhard Zickenheiner (Grüne) im Wahlkreis 282 Lörrach-Müllheim

Der Umbau der Gesellschaft für die Energiewende und das nicht gegen, sondern mit der Wirtschaft: Das ist ein roter Faden für Gerhard Zickenheiner. Der 56-Jährige kandidiert erstmals für den Bundestag und sieht sich keineswegs nur als Zählkandidat, steht er doch auf Platz 14 der Landesliste. Erreichen die Grünen in Baden-Württemberg 15 Prozent der Zweitstimmen, hätte er damit tatsächlich Aussichten auf ein Ticket nach Berlin.

von Michael Baas
am Di, 29. August 2017

"Was ich im Sinn habe..."

"Für mich ist die Klimafrage ein zentrales Thema, und wenn wir das Gefährdungspotential für uns und die Welt anschauen, sieht man, dass das wohl gravierendere Auswirkungen haben wird, als viele andere Fragen dieses Wahlkampfes. Deutschland kann die zugehörigen Zukunftstechnologien entwickeln. Wir haben das Knowhow und die Ingenieure dazu. Wenn wir das schaffen, wird nicht nur das Klima, sondern auch unsere Wirtschaft und unser Land profitieren."  

Autor: alb

"Was ich anpacken will..."

"Wir müssen zur Energiewende heran an die Verkehrspolitik und überlegen, welche Mobilität wir in zehn oder 15 Jahren haben wollen. Der zweite Punkt, an dem etwas getan werden muss, ist der Wohnungsbau und die Fördermechanismen. Wir brauchen Strukturen, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen für die, die nicht aus dem Vollen schöpfen können. Da haben wir jahrelang zu wenig getan und einen Rückstand, der in zwei Jahren gar nicht aufzuholen ist."  

Autor: alb

"Mein Herz schlägt für..."

"die Region. Ich bin ein Schwarzwälder-Markgräfler. Ich komme von hier und bin nach dem Studium hierher zurückgekehrt, weil mir die Gegend am Herzen liegt. Unsere Kulturlandschaft und insbesondere unsre kleinteilige und diversifizierte Landwirtschaft sind für mich beispielhafte Gegenmodelle zur Industrielandwirtschaft und Massentierhaltung. Regionale Produkte, lokale Märkte, das wünschen sich auch die Bürger.  

Autor: alb

"An die Nieren geht mir..."

"Eine Doppelmoral, wie sie Europa zum Beispiel im Umgang mit den Flüchtlingen zeigt: Menschenrechte hier und Abschottung am Mittelmeer. Aber auch eine Politik des Bundesverkehrsministeriums, die, wie wir es beim Diesel erleben, die Interessen der Industrie stärker gewichtet als die der Bevölkerung und einen Betrug an der Bevölkerung duldend mitträgt. Das geht gar nicht."  

Autor: alb

Drei Ziele...

... für meinen Wahlkreis

» Genug bezahlbaren Wohnraum
Auch zukünftig für unsere Region: ein funktionierendes, offenes Europa
» Unterstützung unserer bäuerlichen Landwirtschaft statt Massentierhaltung und Industrielandwirtschaft

... für die Bundespolitik

Klima, saubere Energie und Mobilität
» Freiheit und Bürgerrechte
Chancengleichheit und Gerechtigkeit  

Autor: alb

"Beweglichkeit in der Politik..."

"Auf Basis der Umfragen gehe ich davon aus, dass es für Die Grünen wenig Wahlmöglichkeiten gibt. Was meine Themen – Klimawandel, Energiewende, Mobilität und Landwirtschaft – angeht, kann ich in den Koalitionen der vergangenen zwölf Jahre kein funktionierendes Modell erkennen: Schwarz-Gelb konnte es nicht, Schwarz-Rot kann’s nicht, Rot-Grün oder Schwarz-Grün könnte es schaffen, sollten wir in Koalitionsverhandlungen genug Konsens bei diesen Zielen finden."  

Autor: alb

"Mein weiterer Weg führt mich..."

"Hoffentlich in den Bundestag und dort würde ich dann eine Rolle spielen wollen in einem meiner Schwerpunktthemen – also Bauen und Wohnen, der Agrarpolitik oder im Bereich Verkehr und Mobilität. Grundsätzlich ist es mir ein Anliegen, mehr Praxis in die Politik hineinzutragen."  

Autor: alb

ZUR PERSON: Gerhard Zickenheiner

Der 56-Jährige war lange parteilos und lebt mit seiner Lebensgefährtin in Lörrach. Neben dem Architektur- und Planungsbüro betreibt er eine Höhenlandwirtschaft mit Schafen und Ziegen.

Geboren: 1. April 1961 in Lörrach
Wohnort: Lörrach
Beruf: Architekt und Regionalentwickler

Karriere: Nach diversen Stationen in Lörrach, Frankfurt und Barcelona hat er 1995 ein Büro in Lörrach eröffnet.
Ausbildung: Architekturstudium sowie ein Masterstudium in Gemeinde-, Stadt- und Regionalentwicklung in Luzern.

Parteimitglied seit 2011

http://www.gerhard-zickeneiner.de  

Autor: alb

NACHGEHAKT: Info

Quereinsteiger mit Dickschädel-Qualitäten

Gerhard Zickenheiner ist ein politischer Quereinsteiger. In den Kreistag zum Beispiel kam er erst mit der Kommunalwahl 2014. Auch auf der Landesliste der Grünen ist er einer der wenigen Nichtparlamentarier auf den aussichtsreicheren Plätzen. Darauf ist er sogar ein bisschen stolz. Der Architekt und Regionalplaner – darauf legt er Wert – verkörpert eine Rückbesinnung der Politik auf die Zivilgesellschaft oder auch deren Wiederentdeckung. Den Anspruch, mehr Praxiserfahrungen in die Parlamente zu bringen, vertritt er jedenfalls glaubwürdig. Klassische grüne Themen – Verkehr, Nachhaltigkeit, Ökologie in allen Facetten, die Energiewende – sind ihm indes seit Jahren geläufig. So kümmerte er sich beruflich nicht zuletzt um Projekte, die viel mit dem Stadtraum und der Region zu tun haben, aber wenig mit klassischem "Häuslebauen". In Lörrach regte er zum Beispiel das Wiesionen-Projekt am Wiese-Ufer an und er war ein früher Fürsprecher des Naturparks Südschwarzwald, den er inzwischen als Berater begleitet. Das Verhältnis von Stadt und Landschaft markiert daher einen ebenso wichtigen Bezugpunkt wie der Umbau der Gesellschaft unter den Vorzeichen der Energiewende. Zickenheiner gehört dabei zu denen, die nicht müde werden, wirksamere Strategien zu fordern, um die Position der regionalen Landwirtschaft im Wettbewerb mit der globalisierten industriellen Lebensmittelproduktion zu stärken. Das gilt für ihn indes auch jenseits der Region. Denn getreu der Maxime lokal handeln, global denken, ist es ihm auch ein Anliegen, die Landwirtschaft in Afrika nicht durch subventionierte Agrarexporte aus der EU zu destabilisieren. Das nämlich ist ein Grund, der dazu führt, dass Menschen dort zu den Flüchtlingen werden, die Europa dieser Tage wieder mühsam einzuhegen versucht. Auch an dem Punkt vertritt er im Übrigen eine klare Position. Europa dürfe keine Doppelmoral pflegen, dürfe außerhalb des Kontinents keine anderen Maßstäbe anlegen als innerhalb. "Das ist ein No-Go", sagt er dazu, und fordert klare Einwanderungsregeln. Der 56-Jährige steht unter dem Strich so für ein Denken, das sich an der Realität orientiert und auch mal quer liegt zur Parteilinie. Einen Schwarzwälder-Markgräfler Dickschädel nennt er sich selbst. Mitunter ist das eine Eigenschaft, die nützlich ist, um politische Ziele zu erreichen.  

Autor: alb


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