Geschichtsschreibung

Geschichtsschreibung

Nach ersten Anfängen im 18. Jahrhundert zur Herrschaftsgeschichte (Johann Jakob Reinhard, Pragmatische Geschichte des Hauses Geroldseck wie auch derer Reichsherrschaften Hohengeroldseck, Lahr und Mahlberg in Schwaben. Frankfurt/Leipzig 1766) beginnt die eigentliche Lahrer Stadtgeschichtsschreibung 1827 mit Ferdinand Steins "Geschichte und Beschreibung der Stadt Lahr". Dieses Pionierwerk fand – abgesehen von einer zweiteiligen Artikelreihe des Gymnasiallehrers Friedrich Müller um 1855 – erst im ausgehenden 19. Jahrhundert eine breitere Rezeption und Fortsetzung. In rascher Folge erscheinen ab den 1880er Jahren eine große Zahl von Zeitungsartikeln (darunter Adolf Bartels "Zur Geschichte der Stadt Lahr in neuerer Zeit" in der Lahrer Zeitung 1891/92) sowie Einzelveröffentlichungen besonders zur Kirchengeschichte. Vor dem Ersten Weltkrieg waren so bereits rund 100 Artikel und Bücher zur Lahrer Stadtgeschichte erschienen. Eine moderne Gesamtdarstellung blieb auch in der Zwischenkriegszeit aus, doch nahm die Breite der Themen nun durch die Arbeit im Umfeld des Historischen Vereins für Mittelbaden (bes. Hermann Steurer, Adolf Ludwig) sowie die Gründung des "Altvaters" als Beilage zur Lahrer Zeitung 1934 deutlich zu. Die Schwerpunkte lagen zumeist in der Periode der Frühen Neuzeit und des 19. Jahrhunderts. Nach 1945 gaben die Veröffentlichungen von Winfried Knausenberger und Karl List besonders der Mittelalterforschung neue Impulse. Aufgrund der nunmehr sehr fragmentierten Literaturlage machte sich bereits zu diesem Zeitpunkt das Fehlen einer Gesamtdarstellung deutlich bemerkbar. Ein Versuch Ende der 50er Jahre, diese aus einer Hand vom Stadtbibliothekar Hermann Wiedtemann schreiben zu lassen, scheiterte 1962. In den 1970er Jahren stellte Christoph Bühler die Gründungs- und Mittelaltergeschichte der Stadt auf eine neue Grundlage, während in dem 1958 gegründeten Periodikum "Geroldsecker Land" nun zunehmend Arbeiten erschienen, die durch die Möglichkeit von Fußnoten auch wissenschaftlichen Ansprüchen genügen konnten. Die Forschungsschwerpunkte lagen bis in die 1980er Jahre weiterhin in Bereichen der Mittelaltergeschichte und Industriegeschichte, ausgesprochene Lücken gab es besonders in der Zeitgeschichtsschreibung zur Epoche nach 1914. Ausgehend aber von den Untersuchungen Hildegard Kattermanns zur jüdischen Geschichte wurde ab den 1990er Jahren auch die Geschichte des Nationalsozialismus thematisiert, während der Erste Weltkrieg, die Weimarer Republik und die gesamte Geschichte ab 1949 Desiderata blieben. 1989 erschien der erste Band einer allgemeinen Stadtgeschichte, der ebenso wie Band 2 (1991) und 3 (1993) die bislang erarbeiteten Ergebnisse zusammenfasste und auch Neuland erschloss. Zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich bereits ab, dass die Zeit der engagierten Laien- und Heimatforscher zu Ende ging. Die wesentlichen Impulse gingen nun von→ Stadtarchiv und → Museum aus. Dementsprechend orientierten sich nun die Fortschritte in der städtischen Geschichtsarbeit in der Regel an der Erarbeitung städtischer und regionaler Gedenkjahre bzw. Großereignisse, etwa: 1997 Langenwinkel, 1998 Badische Revolution, 2002 Felix Wankel, 2006 Burgheimer Kirche, 2009 Spital und Stiftskirche, 2010 Römerzeit usw.

Alle bisher erschienenen Beiträge unter http://www.badische-zeitung.de/lahr-lexikon
von tmi
am Do, 20. Dezember 2012


Badens beste Erlebnisse