Glöckchen für die Zimbelsterne

BZ-WEIHNACHTSSERIE: Die Rohlf-Orgel in Gundelfingen ist dem französischen Barockstil nachempfunden.

GUNDELFINGEN. Hoch oben fühlt Martin Peters sich wohl. Schon als 13-Jähriger saß er dort auf seinem Lieblingsplatz, der ihm einen grandiosen Ausblick auf rund 2000 Pfeifen und 24 Register bietet. Er ist Organist in der Bruder-Klaus-Kirche Gundelfingen und er hat ein ganz persönliches Verhältnis zur Rohlf-Orgel: "Ich habe auf ihre das Orgelspiel gelernt."

"Jede Orgel hat ihren eigenen Charme – und unsere hat dazu noch eine besondere Klangfarbe", lobt Peters in den höchsten Tönen. Der Musiker liefert auch gleich die passende Erklärung. "Die Bauweise und die rund 2000 Pfeifen harmonieren ausgezeichnet." Neben den Orgelpfeifen aus Metall und Holz, sind in der Gundelfingen Orgel auch Zungenregister eingebaut, die wie Blockflöten erklingen.

In zentraler höchster Stelle steht das Hauptwerk mit der acht Fuß hohen Pfeife. In versteckter Position befindet sich bei der Rohlf-Orgel das Schwellwerk mit seinen Jalousietüren. Das steuert Peters mit den Füßen. Die Flügelklappen, die je nach seiner Steuerung auf- oder zugehen, reflektieren die Töne auf idealer Weise. Für Organist Martin Peters ist die Rohlf-Orgel der Kirchenschatz in der Bruder-Klaus-Kirche.

Eine weitere Besonderheit der Rohlf-Orgel in Gundelfingen sind die zwei Zimbelsterne, hoch oben im Prospekt, rechts und links eingebaut. Ein Luftstrom lässt die Sterne rotieren, dann ertönt ein Glöckchen. "Die Zimbelsterne verleihen der triumphalen Orgelmusik einen weiteren feierlichen Akzent – daher lasse ich sie an Weihnachten erklingen."

Überhaupt zeige er an den Feiertagen gern einmal, was in der Orgel steckt. Auch die gedeckelten Holzpfeifen, an der komplett mechanischen Orgel, bringen besondere Töne hervor. Ausgestattet ist die Gundelfinger Orgel mit einem Tremulant-Register, das im Grunde ein kleiner pulsierender Balg ist, der den Luftdruck in der Orgel zum Vibrieren bringt. "Schalte ich das Tremulant-Register an, fangen die Flöten an zu säuseln und es öffnet sich eine ganz neue Klangwelt." Der Orgelbauer Johannes Rohlf hat die Gundelfinger Orgel dem französischen Barockstil nachempfunden. Von der Orgel ist Martin Peters Leben geprägt. Nach dem Abitur am Gundelfinger Albert-Schweitzer-Gymnasium begann er sein Studium "Schulmusik mit Hauptfach Orgel". Auch Florian Wilkes, national und internationale bekannter Konzertorganist sowie Organist an der St. Hedwigskirche in Berlin, ist begeistert von der Rohlf-Orgel und reist jährlich an, um auf ihr ein Silvesterkonzert zu geben.
von Andrea Steinhart
am Fr, 12. Dezember 2014

ROHLFS-ORGEL

- Orgelbau Johannes Rohlf, Neubulach

- Baujahr: 1992

- 19 Register und zwei Manuale

- Anzahl der Pfeifen: etwa 2000

- Kosten: 416955 DM (213200 Euro)

Mehr zum Thema gibt es unter http://mehr.bz/orgelserie
 

Autor: ast

Badens beste Erlebnisse