Glottertäler Orgel mit Aussagekraft

BZ-WEIHNACHTSSERIE: Zu Gottes Ehre, zur Freude der Menschen.

GLOTTERTAL. Die katholische Pfarrkirche St. Blasius steht im Herzen der Gemeinde Glottertal und birgt viele Schmuckstücke. Das heutige Gotteshaus St. Blasius wurde zwischen 1893 und 1895 im Stil der Neugotik erbaut. Zwei Jahre später ertönte schon die erste Orgel des Orgelbauers Anton Kiene aus Waldkirch. Einige Pfeifenreihen daraus erklingen noch heute.

An den Klängen der ersten Orgel erfreuten sich die Kirchgänger im Glottertal viele Jahre. Daher unternahm der damalige Pfarrer Adolf Walz auch alles, um die 1917 im Krieg abgegebenen Zinnpfeifen zu ersetzen. 1935 stand eine größere Orgelreparatur an, 1952/53 baute dann die Firma Dold aus Freiburg eine neue Orgel, die jedoch nach nur 29 Jahren am Ende war. "Es lohnt sich nicht, diese Orgel zu reinigen, reparieren und stimmen zu lassen. Diese Orgel ist im Innern sehr verbaut", hieß es in dem damaligen Orgelgutachten von Professor Hans Musch. 1986 baute Claudius Winterhalter aus Oberharmersbach eine neue Orgel. Das war ein Glücksfall.

"Mit ihren 30 Registern auf zwei Manualen und Pedal bereichert die Winterhalter-Orgel seit nunmehr 28 Jahren unsere Gottesdienste und ist auch für Konzerte ein beeindruckendes Instrument", verdeutlichte Pfarrer Franz Reiser. Etwa 2060 Pfeifen zählt das Pfeifenwerk. Die größten von ihnen sind etwa fünf Meter lang, aus Holz gefertigt und von außen nicht zu sehen. Bei den kleinsten Pfeifen ist der klingende Teil nur etwa neun Millimeter lang und nur wenige Millimeter dick – und könnte fast als Stricknadeln Verwendung finden. Ihre hohen Töne bringen einen feinen Glanz in den Klang. Sie werden aus einer speziellen Zinn-Blei-Legierung gefertigt, einem traditionellen Orgelmetall, aus dem mindestens 80 Prozent des Pfeifenwerks der Orgel bestehen, auch die von vorne im Prospekt sichtbaren Pfeifen. Neben Orgelpfeifen sind zigtausend Einzelteile in der Orgel verbaut. Überhaupt hat sie ein sehr kompliziertes verborgenes "Innenleben" mit hunderten von Ledermuttern und hauchdünnen Leisten aus Bergfichten.

2007 wurde die Orgel von der Orgelbauwerkstatt Wolfram Stützle aus Waldkirch generalüberholt. Sämtliche Teile der Orgel und alle Pfeifen mussten gereinigt und vom Staub befreit werden. Fast alle Register, ins besonders die "Prinzipale", wurden durch Eberhard Hilse nachintoniert und im klanglichen "Feinschliff" verbessert. Außerdem wurde ein moderner elektronischer "Setzer" integriert, damit der Organist schnell und einfach Registerwechsel vornehmen kann. 8000 Kombinationen können seitdem gespeichert werden. Auch für größere Konzerte war der Einbau eines Setzers erforderlich, der heute für die Organisten eine wesentliche Erleichterung ist.

Immer wieder kommen Orgelkenner ins Glottertal, um die Winterhalter-Orgel zu hören. Das weiß auch der Orgelsachverständige Johannes Götz: "Mit der Gesamtüberholung ist es gelungen, die schöne Orgel der Pfarrkirche Glottertal in ihrem Wert zu erhalten und klanglich entscheidend zu verbessern. Die Gemeinde verfügt jetzt über ein Instrument mit hohem Gebrauchswert und künstlerischer Aussagekraft", bestätigte er in seinem Abnahmebericht.
von Andrea Steinhart
am Di, 30. Dezember 2014

WINTERHALTER-ORGEL

- Orgelname: Winterhalter-Orgel

- Baujahr: 1986

- Firma: Winterhalter, Oberharmersbach

- Anzahl der Register: 30 Registern auf zwei Manualen und Pedal

- Anzahl der Pfeifen: 2060

- Restauriert: 2007 für 22 000 Euro

Weitere Serienteile und Erklärstücke rund um das Thema Orgel gibt es unter http://mehr.bz/orgelserie
 

Autor: ast

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