BZ-Hautnah

Großes Interesse am BZ-Kandidatentalk zur Heitersheimer Bürgermeisterwahl

Malteserschloss, Verkehrs- und Wohnbaupolitik sowie mancherlei mehr – die vier Kandidaten zur Bürgermeisterwahl in Heitersheim haben sich beim BZ-Kandidatentalk einer Menge Fragen gestellt.

Die Heitersheimer Bürgerschaft ist im kommunalpolitischen Dauerstress. Die anstehende Bürgermeisterwahl am kommenden Sonntag und der zeitgleiche Bürgerentscheid zum Malteserschloss sorgen derzeit für eine Veranstaltungsflut und Informationsfülle, wie sie für eine Stadt dieser Größenordnung nur selten vorkommen dürften. Dennoch ließen es sich rund 700 Interessierte nicht nehmen, beim BZ-Kandidatentalk die vier Bewerber um das Bürgermeisteramt nochmal genauer, sozusagen "hautnah", in Augenschein zu nehmen.

Die vier stellten sich in der Malteserhalle den Fragen von BZ-Chefredakteur Thomas Fricker und Redakteurin Sophia Hesser – und machten insgesamt eine gute Figur. Patrick Thoma, Urs Kramer, Christoph Zachow und Markus Biller waren konzentriert bei der Sache und zeigten sich in den meisten Themen gut präpariert. Zwei Kandidaten – Patrick Thoma und Markus Biller – die mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund vor allem auf ihre unternehmerischen Erfahrungen verwiesen und damit auch versprachen, eine etwas andere Sichtweise ins Bürgermeisteramt zu bringen, und zwei Kandidaten – Urs Kramer und Christoph Zachow – die auf Verwaltungserfahrung im kommunalen Bereich aufbauen können.

So etwa könnte man das Kandidatenfeld grob kategorisieren, doch natürlich bringt jeder der vier seine ganz individuelle Note mit ein – und jeder Kandidat betonte auch seine kommunikativen Fähigkeiten. Die könnten von dem neuen Rathauschef denn auch zunächst besonders gefordert sein, gilt es doch eine vor allem von der Malteserschloss-Debatte aufgewühlte Bürgerschaft wieder in ruhigeres Fahrwasser zu führen. Zwar sah Urs Kramer die Gräben nicht ganz so tief, während Christoph Zachow sich doch ein "bisschen schockiert" zeigte ob der Risse in Nachbarschaften, Vereinen, ja bis hinein in Familien, war man sich doch auf dem Podium einig, dass es keine leichte Aufgabe werde, die Wogen wieder zu glätten, und dass der Befriedung der Arbeit des Gemeinderates dabei eine Schlüsselrolle zukommen werde.

Die konkrete Frage nach der persönlichen Einstellung zur Zukunft des Malteserschlosses – Ja oder Nein beim Bürgerentscheid – war wohl die heikelste des Abends, und nur Markus Biller beantwortete sie konkret damit, dass er mit "Nein" stimmen werde. Allerdings versuchte auch er Dampf aus dem Kessel zu nehmen. Für ihn gehe es weniger um die Frage, ob es eine (Privat-)Schule im Schloss geben solle als vielmehr darum, mehr Zeit für diese wichtige Entscheidung zu bekommen, um weitere Alternativen prüfen zu können. Thoma, Kramer und Zachow wollten sich – zumindest öffentlich – nicht festlegen.

Diese Einzelfrage sollte die Bürgermeisterwahl, bei der es insgesamt doch um sehr viel mehr gehe, nicht überschatten, meinte Zachow. Kramer erklärte, er sei immer noch Kandidat und kein Entscheider. "Sie entscheiden – und es wird dann am neuen Bürgermeister liegen Ihren Willen umzusetzen", meinte er und sprach damit die Grundlinie auch der anderen Kandidaten aus. Wie etwa die von Patrick Thoma: "Es wäre nicht gut, hier noch mehr Öl ins Feuer zu gießen. Ich würde als Ihr Bürgermeister das demokratische Ergebnis umsetzen – und möchte bis dahin vom Recht auf das Wahlgeheimnis Gebrauch machen", sagte Thoma, der wie Biller Heitersheimer Bürger ist.

Ziemlich klar dagegen die Ansage aller Kandidaten zu einem weiteren Streitthema in Heitersheim: die Nordumfahrung. "Die Nordumfahrung kommt", sagte etwa Urs Kramer, verwies aber darauf, dass die damit einhergehende Entlastung der Johanniterstraße nur ein Mosaikstein in der gesamten Verkehrssituation Heitersheims sei. "Die Verkehrsflüsse werden sich verändern, das muss man sich dann genau anschauen." Auch Patrick Thoma und Christoph Zachow plädierten für eine ganzheitliche Sichtweise auf die Verkehrssituation, nicht zuletzt unter Berücksichtigung des ÖPNV.

ÖPNV-Anbindung des Umlands ist verbesserungswürdig

Die Anbindung Heitersheims an die Rheintalbahn sahen die Kandidaten als Pluspunkt für den Ort, die Anbindung umliegender Gemeinden und nicht zuletzt des Ortsteils Gallenweiler aber als deutlich verbesserungswürdig. Markus Biller betonte, der Individualverkehr werde weiterhin seinen hohen Stellenwert in Heitersheim behalten, hier gelte es beim Ausbau der Infrastruktur vermehrt alternative Antriebe in den Blick zu nehmen.

Auch beim Thema Wohnbaupolitik waren Unterschiede zwischen den Kandidaten eher in Nuancen zu erkennen. Urs Kramer plädierte dafür, nicht nur in Schwarz oder Weiß zu denken, womit er andeutete, dass er sich die Entwicklung von Neubaugebieten nicht nur über eine direkte städtische Grundstückspolitik vorstellen könne. Es gelte, solche Gebiete jeweils spezifisch zu entwickeln und dabei auch neue Wohnformen in den Blick zu nehmen – etwa im Hinblick auf die ältere Bevölkerung. Patrick Thoma erklärte: "Es ist bei diesem Thema schon sehr viel richtig gemacht worden in Heitersheim." Genossenschaftlicher Wohnungsbau sei ein guter Weg, um zu günstigem Wohnraum zu kommen, weiterhin gelte es eine Grundstückspolitik zu betreiben, die Spekulationen keinen Raum biete.

Viele Vorteile sah auch Christoph Zachow bei einer aktiven Grundstückspolitik der Gemeinde, konnte sich im Einzelfall aber auch Abweichungen davon vorstellen. Biller verwies auf die Wichtigkeit, das künftige Wachstum moderat zu gestalten. Neuen sozialen Wohnraum könne er sich weniger in der Fläche als vielmehr innerorts vorstellen.

Der faire Umgang der Kandidaten zeigte sich zum Abschluss bei der "Wahlempfehlung" für den jeweiligen Nebensitzer. Inwieweit der Abend den Besuchern zu einer klaren Wahlempfehlung verholfen hat, blieb zunächst offen. Aus den Gesprächen hinterher klang oft heraus, dass die Heitersheimer angesichts dieses Kandidatenfeldes am Sonntag nun keine leicht Wahl haben werden. Und das ist in diesem Fall ja auch etwas Gutes.
von hub
am Di, 28. Januar 2020 um 13:55 Uhr

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