BZ-Podiumsdiskussion

Gundelfinger Bürgermeisterkandidaten im Check

600 Besucher, volle Halle in Gundelfingen: Bei der BZ-Podiumsdiskussion mussten die Bürgermeisterkandidaten Position beziehen und auch sagen, warum der andere Kandidat besser ist.

Dass jeder Kandidat sich selbst für den besten künftigen Bürgermeister von Gundelfingen hält, ist keine Überraschung. Was aber hält er oder sie von den Mitbewerbern? Was qualifiziert diese für das Amt des Rathauschefs? Das wollte die Badischen Zeitung von den Kandidaten auf der Bühne wissen. Sie ließ ein Los mit dem Namen eines Konkurrenten ziehen – und los ging’s.

Was sagt Claudia Warth über Thomas Danner: Thomas Danner stammt aus Gundelfingen und kennt sich entsprechend sehr gut im Ort aus. Er ist in der Gemeinde vernetzt, engagiert sich dort seit vielen Jahren ehrenamtlich und möchte künftig nicht nur im Gemeinderat mitwirken, sondern einen Schritt weitergehen und Bürgermeister werden. Das sei nachvollziehbar.

Was sagt Michael Schlegel zu Raphael Walz: Erfahrung und eine gute Ausbildung sind wichtig, "man muss sich in der Materie auskennen". Raphael Walz bringe beides mit: eine Ausbildung an der Fachhochschule in Kehl und Erfahrung als Amtsleiter im Landratsamt Schwarzwald-Baar.

Was sagt Thomas Danner zu Christian Göpper: Göpper ist Jurist und kennt sich in der Verwaltung aus, er hat Berufserfahrung, ist aktives Vereinsmitglied und will bei seiner Wahl mit Frau und Kind in den Ort ziehen – drei Neubürger werden also helfen, die Haushaltskasse der Gemeinde aufzufüllen.

Was sagt Raphael Walz über Claudia Warth: Im Wahlkampf hat er einige Gemeinsamkeiten zwischen sich und Claudia Warth entdeckt. "Sie ist eine sehr sympathische Frau, der ich das Amt zutrauen würde". Sie ist recht jung, "zielstrebig, wie ich auch", denkt methodenorientiert und innovativ und hat schon viel erreicht in ihrem beruflichen Leben.

Was sagt Christian Göpper zu Michael Schlegel: Er ist der einzige amtierende Bürgermeister auf dem Podium, ob das ein Vor- oder Nachteil ist und ob Reute und Gundelfingen miteinander vergleichbar sind, "das müssen die Wählerinnen und Wähler entscheiden".

Bei der Podiumsdiskussion bekamen die fünf Bürgermeisterkandidaten auch kritische persönliche Fragen gestellt von Heimatredaktionsleiter Holger Knöferl und BZ-Redakteur Max Schuler. Ein Überblick zeigt, wie sie darauf reagiert haben.

Thomas Danner, Sie sind stark verwurzelt im Ort. Wie sieht es mit Ihrer Unabhängigkeit aus?
Der 53-Jährige ist Gundelfinger, sitzt seit zehn Jahren für die CDU im Gemeinderat und ist Mitglied in 17 Vereinen. "Ich bin Bankkaufmann und entscheide auch hier nach Zahlen, Daten, Fakten und nicht nach Verwandt- oder Bekanntschaften", erklärte Danner. Das werde er auch als Bürgermeister so halten. Interessenkonflikte sieht Danner keine, ganz im Gegenteil: "Meine Verbundenheit zu Gundelfingen ist ein Vorteil. Ich kenne die Gemeinde und weiß, was sie braucht."

Raphael Walz, sind Sie mit 30 Jahren nicht zu jung für das Amt des Bürgermeisters?

Boris Palmer als Tübinger OB, Thorsten Frei als früherer Oberbürgermeister von Donaueschingen sowie Erwin Teufel als einstiger Rathauschef von Spaichingen sei eines gemein, so Raphael Walz. Sie alle bekamen ihre Ämter jung und "sie sind und waren erfolgreich." Das nimmt der Diplom-Verwaltungswirt für sich in Anspruch: "Ich bin im richtigen Alter, bringe Erfahrung mit und traue mir die Aufgabe zu." Bedenken, er könne Gundelfingen nach acht Jahren verlassen, erteilte Walz eine Absage. Er stammt aus dem Breisgau und will in Gundelfingen eine Familie gründen.

Michael Schlegel, was sagt man in Reute dazu, dass der Bürgermeister nach Gundelfingen wechseln will?

"Ich bekomme zu 100 Prozent sehr gute Rückmeldungen aus Reute", sagt Michael Schlegel, die Bürger hätten viel Verständnis für ihn. Er habe mehrfach die Aufforderung erhalten, in größeren Gemeinden zu kandidieren, habe dies aber nicht getan, weil "mein Blick auf Gundelfingen gerichtet war". Eine andere Bewerbung werde es von ihm nicht geben. Er sei mit 49 Jahren in dem Alter, in dem er zwei Amtszeiten in Aussicht stellen könne. Dass er Projekte in Reute nicht abschließen könne, sei nicht schlimm, "die hängen nicht an einer Person."

Christian Göpper, Sie sind Anwalt für Verwaltungsrecht, aber können Sie auch eine Verwaltung führen?
Als Anwalt für Verwaltungsrecht könne er sein Fachwissen für die Kommune einsetzen, erklärte Christian Göpper. Und er habe auch Erfahrung in der Führung von Mitarbeitern gesammelt. Zudem bringe er die Kompetenzen als Mediator und aus seiner Vereinsarbeit mit. Gerade darum sei er auch in der Lage, über die Verwaltungskenntnisse hinaus politische und andere Aspekte einzubeziehen.

Claudia Warth, Sie sagen, kein Verwaltungsmensch zu sein. Fehlen Ihnen dann nicht wichtige Kompetenzen für das Bürgermeisteramt?
Auch ohne direkte Erfahrung aus der Arbeit in einer Verwaltung könne sie vielseitige Kompetenzen aus verschiedenen Lebensbereichen mitbringe, sagte Claudia Wart. Es komme auch darauf an, welches Bild man vom Amt eines Bürgermeisters habe. Sie vertraue auf gute Mitarbeiter, werde aber auch Expertise von außen annehmen und verschiedene Blickwinkel einbringen, nicht nur die reine Verwaltungssicht. Wichtig sei, Entscheidungen transparent vorzubereiten und auch Alternativen aufzuzeigen.
Stimmen zur Veranstaltung

Gabriele Göhring-Lange, Sprecherin im Leitbildprozess: "Mir das Format der Diskussionsrunde sehr gut gefallen - die Filme der Kandidaten und ebenso die vier wichtigen Themen, die erörtert wurden. Solche Veranstaltungen mit externen Moderatoren und Fachleuten sind schon längst überfällig. So hat mir der Abend auf jeden Fall etwas gebracht und mich in meiner Entscheidung bei der Bürgermeisterwahl gestärkt. Schade fand ich jedoch, dass die Kandidaten nicht mutig genug waren, Position zu beziehen."

Andreas Finger, Allgemeinmediziner: "Das war eine sehr wichtige Veranstaltung für mich. Ich war mir schon sicher, wen ich wählen werde und das wurde nun bestätigt. Der Rahmen der Veranstaltung war sehr gut. Schade fand ich allerdings, dass die Kandidaten dennoch viele Punkte offen gelassen und sich bei einzelnen Themen nicht klar positioniert haben."

Klaus Wächter, IGV-Vorsitzender: "Die Veranstaltung fand ich wesentlich besser als die Kandidatenvorstellung in der letzten Woche. Heute waren sie gezwungen, Meinung zu beziehen. Sie konnten nicht ihre vorgefertigten Texte ablesen. Eine derartige Diskussionsrunde, gemacht von Externen, hat schon eine höhere Qualität. Das sollte die Badische Zeitung öfters zu aktuellen Themen machen."

Oliver Müller, Leiter von Caritas international: "Ich hatte mich im Vorfeld noch nicht hundertprozentig entschieden – erst jetzt weiß ich, auch dank der BZ-Veranstaltung, wen ich wählen werde. Die gestellten Fragen waren gut. Doch ich hätte mir auch gewünscht, dass besser herauskommt, was den einzelnen Kandidaten als politisch denkender Mensch ausmacht. Das kam zu kurz – schade."

Martin Weiner, Heimbau-Vorstandsvorsitzender: "Das war heute meine dritte Veranstaltung, bei der sich alle Bürgermeisterkandidaten vorgestellt haben. Es kam nicht viel Neues dazu, die Standpunkte wurden lediglich breiter erörtert. Allerdings hat die Art und Weise, wie die Diskussionsrunde geführt wurde, dann doch die Stärken und Unterschiede der Kandidaten zum Vorschein gebracht."

Mehr zum Thema:
Fotos: Podiumsdiskussion in Gundelfingen
Dossier: Alle Artikel, Videos und Bilder zur Wahl
von Manfred Frietsch, Tanja Bury, Andrea Gallien
am Do, 09. Oktober 2014 um 17:35 Uhr

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